Ein Leben auf Trümmern: Laut Schätzungen sind mehr als 80 Prozent der Häuser im Gazastreifen zerstört oder beschädigt. Ein koordinierter Wiederaufbau ist nicht in Sicht. Deshalb müssen die Menschen improvisieren.
Im Viertel Al Shati im Westen von Gaza-Stadt sind die meisten Häuser zerstört, auch das von Alaa Joudeh. Der 38-Jährige läuft an den grauen Betontrümmern seines zerstörten Hauses vorbei. Er steigt einige Treppenstufen hinauf und geht durch die Tür einer Blockhütte.
„Das hier ist das Schlafzimmer und es gibt auch ein Badezimmer“, erklärt Alaa. In den Notunterkünften gebe es so etwas nicht. „Dort gibt es keine Privatsphäre, keine Sicherheit und keine Küche.“
Alaa führt durch die Hütte. Vorhänge trennen Schlafzimmer, Badezimmer und den Wohnraum mit einer selbstgebauten Küchenzeile. Lichtschläuche erleuchten den Raum. Gerade hat seine Familie Strom. Auf einem Gasbrenner kocht Wasser. Alaas Frau bereitet Tee zu.
Fehlende Geräte und knappes Baumaterial
Der Weg hin zu den eigenen vier Wänden war nicht einfach. Etwa einen Monat hat es gedauert. Als Erstes musste eigentlich der Schutt weg, doch das wäre teuer gewesen. Außerdem fehlten die richtigen Geräte, erzählt Alaa. „Deshalb hatten wir die Ideen, den Schutt nicht abzutransportieren, sondern ihn aufzuschütten und oben drauf zu bauen.“
Unten auf der Straße bauen Alaa und seine Nachbarn eine Verkaufsvitrine aus Holzlatten und Plastikfolie. Alaa ist Bauarbeiter. Holz, Nägel und Werkzeug lagen unter den Trümmern seines zerstörten Hauses, sagt er.
Baumaterial ist knapp in Gaza. Die israelischen Behörden verhindern die Einfuhr. Sie befürchten, dass Holz, Zement und andere Materialien in die Hände der Hamas gelangt.
Alaas Nachbar Abu Ahmed lobt sein Improvisationstalent_ „Es ist Alaa gelungen, aus dem Nichts ein Leben aufzubauen, und er zeigt damit der ganzen Welt: Das palästinensische Volk hat ein Recht auf ein würdevolles Leben.“
US-Plan für Frieden in Gaza kommt kaum voran
Schätzungen zufolge sind in Gaza mehr als 80 Prozent der Gebäude zerstört oder beschädigt. Ein Wiederaufbau ist nicht absehbar: Die Umsetzung des sogenannten US-Friedensplans für Gaza stockt. Eine Entwaffnung der Hamas und ein Rückzug der israelischen Armee lassen auf sich warten.
Alaa Joudeh weiß nicht, wie lange er noch in dieser Holzhütte leben muss – inmitten von Trümmern. Er sagt, er nehme es, wie es kommt. „Wir brauchen für den Wiederaufbau Entschlossenheit, Beharrlichkeit und neue, unkonventionelle Ideen. Wir müssen unsere jungen Menschen zusammenbringen und ihre Fähigkeiten nutzen.“
Die Holzhütte von Alaa Joudeh ist wohl kein Modell für jeden der mehr als zwei Millionen Menschen in Gaza, aber ein Beispiel, das Mut macht.

