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Startseite»Politik»Nahverkehr auf dem Land: Wenn der Bus nur alle paar Stunden kommt
Politik

Nahverkehr auf dem Land: Wenn der Bus nur alle paar Stunden kommt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 23, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 23.08.2026 • 12:16 Uhr

Der Spardruck ist bei vielen Kommunen groß – und sorgt für Kürzungen auch beim Nahverkehr. Linien werden eingestellt oder fahren seltener. Manche steigen aufs Auto um. Und was machen die, die das nicht können?

In der Mitte Bayerns: Im Kipfenberger Ortsteil Dunsdorf ist das grüne Bushäuschen verwaist. Gras wuchert am Randstein. Kein Wunder: Denn hier fährt der Bus seit dem 31. Juli nur noch an Schultagen und dann auch nur noch wenige Male. Rund 200 Menschen leben hier. Vorher fuhr der Bus mehrmals täglich.

Doch die Kommunen haben aus finanziellen Gründen Linien eingestellt, die bislang die Menschen in den Orten rund um Kipfenberg abgeholt haben. Für die Menschen stellt sich die Frage: Was jetzt?

Ohne Bus, ohne Alternative

Die Menschen, die bislang in den Ortsteilen den Bus genutzt haben, stehen vor einem großen Problem. Carmen Gros arbeitet im 15 Kilometer entfernten Ingolstadt. Bisher nutzte sie den Bus. Nun hat sie ihr Deutschlandticket gekündigt und fährt mit dem Auto. „Politisch ist das so eigentlich nicht gewollt, und wenn wir ans Klima denken, ist es auch nicht der richtige Weg“, meint sie. Immerhin: Sie hat eine Option.

Anders ist es bei Anne Marie Hunyadi. Sie hat keinen Führerschein und arbeitet als Reinigungskraft in Ingolstadt. Bisher hat sie den Bus genutzt. Jetzt ist sie verzweifelt. Es gibt zwar einen Rufbus, der als Erfolgsmodell gilt, aber: „Wenn ich einen Tag vorher buche, ist der ausgebucht“, erzählt sie.

Der nächste Anschluss an eine Buslinie ist drei Kilometer entfernt. Eine schmale, hügelige Straße ohne Fuß- oder Radweg führt dorthin. Im Sommer ist es heiß, im Winter liegt dort möglicherweise Schnee – für die 80-jährige Therese Finnie keine Option. „Das schaffe ich nicht“, meint sie. Die Menschen fühlen sich vergessen.

Spardruck führt zu Kürzungen

Einerseits sind es nur wenige Menschen, die in den kleinen Ortschaften den Bus nutzen. Auf der anderen Seite stehen hohe Kosten für die Kommunen. Aus dem Landratsamt in Eichstätt heißt es: „Angespannte Haushalte und steigende Kosten beim ÖPNV stellen für die Kommunen in Bezug auf die Finanzierung des ÖPNV große Herausforderungen dar.“ Die geringen Fahrgastzahlen seien mit ausschlaggebend gewesen. Sparpotenzial für die Verantwortlichen, den Landkreis Eichstätt und die Stadt Ingolstadt: 373.000 Euro.

Und das ist kein Einzelfall. Im Oberallgäu haben die Pendler für eine Buslinie in Oy-Mittelberg gekämpft, so dass nun der Busverkehr auf der Linie 63 Kempten-Nesselwang als Notmaßnahme in reduzierter Form für ein Jahr fortgeführt wird. Danach werde über die Zukunft der Linie entschieden, so das Landratsamt Oberallgäu. Doch es geht auch anders, meint Matthias Kurzeck, Bundesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

„Kontinuität ist beim ÖPNV extrem wichtig“

In Bayern zählt der ÖPNV zu den freiwilligen Leistungen der Kommunen. In anderen Bundesländern ist es anders. Da gehört der ÖPNV zu den Pflichtaufgaben, wie beispielsweise im Saarland, Hessen und Sachsen-Anhalt. Das Verkehrsangebot kann damit bei knappen Kassen nicht unter den Tisch fallen. So sei es auch eine Frage der Prioritätensetzung der Bundesländer und der jeweiligen Kommunen, wie wichtig ihnen der ÖPNV sei, meint Kurzeck. Es sei regional sehr unterschiedlich, wie die Kommunen den Ausbau des ÖPNV vorantreiben.

Trotz klammer Kassen würden beispielsweise die ostfriesischen Landkreise Aurich und Wittmund massiv in den ÖPNV investieren und ausbauen, erklärt Kurzeck. Mit dem Einstellen von Linien verliere man die Nutzer des ÖPNV sofort, während es beim Ausbau einer Linie drei bis fünf Jahre dauere, bis ein Angebot vollständig bei der Bevölkerung ankomme und genutzt werde. „Kontinuität ist beim ÖPNV extrem wichtig“, meint Kurzeck. Zudem stelle der Verband fest, dass Aspekte wie der Klimaschutz bei Thema ÖPNV in wirtschaftlich schlechten Jahren in den Hintergrund geraten.

Verkehrsministerium verweist auf Förderprogramme

Der Aus- oder Abbau hängt von der wirtschaftlichen Lage ab, so Robert Frank vom Verkehrsverbund Großraum Ingolstadt (VGI), der für das Angebot in der Region und damit auch für den Ortsteil Dunsdorf zuständig ist. „Wenn es wirtschaftlich besser wird und die Kommunen mehr Geld haben, dann entstehen Spielräume, die Linien wieder auszubauen, aber das hängt von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab“, so Frank.

Die Entscheidung, eine Linie einzustellen, sei von vielen Variablen abhängig. Dazu zählten neben den Fahrgastzahlen, die Betriebskosten für die Linie, die alternativen Möglichkeiten und die Frage, wie die Schülerbeförderung aussehe.

Seitens des Bundes oder des Landes habe es seit Jahren keine Anhebung bei der ÖPNV-Förderung gegeben. Gleichzeitig steigen die Kosten, erklärt Frank. Das Bundesverkehrsministerium teilt mit, dass ein leistungsfähiger ÖPNV im ländlichen Raum für die Bundesregierung ein zentrales Anliegen sei und verweist auf die Förderprogramme des Bundes, wie die Finanzierung des Deutschlandtickets.

Ist der Rufbus eine Alternative?

An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt laufen schon seit einigen Jahren gemeinsam mit der VGI verschiedene Studien zum Thema Rufbus.

Eine Möglichkeit, das Angebot zu verbessern, gebe es vor allem beim Management der Rufbus-Fahrten. In einem Projekt hat das Forschungsteam ermittelt, welche Vorteile KI bei der Tourenplanung bringt. Das Ergebnis: Bis zu 16 Prozent mehr Fahrgäste könnten theoretisch befördert werden, ohne zusätzliche Fahrzeuge einzusetzen. Der Schlüssel liege in der intelligenten Bündelung von Fahrten und einem etwas flexibleren Umgang mit Wunschzeiten im Buchungsportal.

Matthias Kurzeck vom VCD sieht das Konzept der Rufbusse kritisch: „Oft wäre der Linienverkehr die günstigere Variante.“ Der Verband fordert den stufenweisen Aufbau des ÖPNV hin zu einer stündlichen Taktung des Linienverkehrs in Ortschaften ab 500 Einwohnern. Fahrgäste aus Orten, die auf dem Weg liegen, sollten mitgenommen werden. Dabei sollte man den Schülerverkehr mit integrieren, um so die Kosten im Rahmen zu halten.

Im oberbayerischen Dunsdorf bleiben die Menschen erstmal auf der Strecke. Anwohnerin Anne Marie Hunyadi denkt bereits über einen Umzug nach – in einen Ort mit direkter Anbindung an den ÖPNV.

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Dr. Heinrich Krämer
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