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Paritätischer Gesamtverband: Armut in Deutschland nimmt zu

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 2, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 02.06.2026 • 08:22 Uhr

In Deutschland leben laut dem Paritätischen Gesamtverband so viele Menschen in Armut wie noch nie seit 2020. Besonders betroffen sind demnach Alleinerziehende, Alleinlebende und Ältere. Regionale Unterschiede bleiben groß.

Die Armutsquote in Deutschland liegt nach einem neuen Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverband auf einem neuen Höchststand. Von 2024 zu 2025 stieg dieser Anteil laut dem Armutsbericht um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent der Bevölkerung. „13,3 Millionen Menschen leben hierzulande in Armut – betrachtet man allein die relative Einkommensarmut“, so der Verband. Diese Zahlen hatte das Statistische Bundesamt im Februar bereits mitgeteilt.

Hauptgeschäftsführer Joachim Rock sprach von einer „krisenhaften Situation“ und warnte die Bundesregierung vor Einschnitten bei Sozialleistungen. Zusätzliche Einsparungen würden die Krise verschärfen, sagte Rock im Deutschlandfunk. Es sei besorgniserregend, dass die Armutsquote im zweiten Jahr in Folge erheblich gestiegen sei.

Armut auf neuem Höchststand

Offiziell gelten die Betroffenen dabei – auf Basis einer Definition der Europäischen Union – als armutsgefährdet. Der Verband unterstreicht nun, dass es einen „einen traurigen Rekord“ gegeben habe. In keinem der vorangegangenen Jahre seien so vielen Menschen von Armut betroffen gewesen.

Wer in Deutschland armutsgefährdet ist

Menschen, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen, gelten als armutsgefährdet, wie es die Statistiker formulieren, oder als arm, wie es der Wohlfahrtsverband beschreibt. Bei Alleinlebenden lag diese Grenze zuletzt bei netto 1.446 Euro im Monat, für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.036 Euro.

Regionale Unterschiede sind enorm

Nach rückläufigen Quoten von 2020 bis 2023 habe es „eine negative Trendwende“ gegeben, betont der Verband. Die Unterschiede zwischen den Regionen sind dabei groß. So gebe es in Bayern und Baden-Württemberg mit ihrer jeweils starken Wirtschaftsstruktur die niedrigsten Betroffenenquoten, mit 12,6 bzw. 13,2 Prozent.

Die höchsten Anteile an Betroffenen gibt es demnach in Bremen (27,5 Prozent), Sachsen-Anhalt (21,3 Prozent) sowie den Stadtstaaten Hamburg (18,9 Prozent) und Berlin (18,7 Prozent). Besonders betroffen in Westdeutschland seien Regionen wie Trier (21,4 Prozent), Weser-Ems (20,8 Prozent) und Arnsberg (19,6 Prozent), in Ostdeutschland beispielsweise Chemnitz (18,2 Prozent) oder Leipzig (17,4 Prozent).

Armutsfalle Lebensabend?

„Der Lebensabend droht zur Armutsfalle zu werden“, schreibt der Paritätische Wohlfahrtsverband. Die Situation Älterer sei „angespannt“. Den Zahlen zufolge ist fast jede fünfte Person ab 65 Jahren von Armut betroffen beziehungsweise armutsgefährdet.

Auch andere Gruppen sind stärker betroffen: Alleinlebende (Quote der Armen bzw. Armutsgefährdeten: 30,3 Prozent), Alleinerziehende (28,9 Prozent) oder Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss (29,1 Prozent).

Wichtige Anschaffungen oft nicht möglich

„Insgesamt zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass Armut insbesondere dort zunimmt, wo strukturelle Benachteiligungen bestehen“, erläutern die Autoren des Verbands, „etwa bei geringer Bildung oder eingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt“. Vier von fünf Betroffenen sind demnach nicht erwerbstätig. 70 Prozent der Betroffenen haben laut dem Armutsbericht die deutsche, 30 Prozent keine deutsche Staatsangehörigkeit.

In vielen Haushalten herrscht akute Finanznot. Bei 6,9 Prozent der Bevölkerung hat das Geld laut dem Bericht vergangenes Jahr nicht gereicht, um laufende Kosten zu decken. Oft konnten die steigenden Preise für Strom und Heizung nicht bezahlt werden, oft auch kein neuer Kühlschrank oder neuer Herd.

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