Private Bestellung bei SwappieLohnt sich ein generalüberholtes MacBook Air?
.webp)
Eine Bestellung beim Refurbished-Anbieter Swappie soll zeigen, wie gut generalüberholte MacBooks mit drei Jahren Garantie tatsächlich sind. Stimmen die Angaben und lohnt sich der Kauf eines gebrauchten Geräts überhaupt?
Der finnische Anbieter von generalüberholten Apple-Geräten Swappie schrieb ntv.de, ob es eines seiner MacBooks testen möchte, die frisch ins Sortiment aufgenommen wurden. Ein interessantes Angebot, da das Unternehmen auch noch mit besonders hohen Qualitätsstandards wirbt. Doch ein von der PR-Abteilung ausgesuchtes Gerät könnte speziell aufbereitet, also nicht repräsentativ sein. Deshalb hat ntv.de einen Apple-Laptop privat bestellt und geprüft, ob Swappies Angaben korrekt sind und ob die Ware ihren Preis wert ist.
Apples MacBooks gehören zu den besten Laptops, die man aktuell kaufen kann, nicht ohne Grund belegen die Apple-Notebooks bei Stiftung Warentest die sieben ersten Plätze. Doch die hohe Qualität hat auch hohe Preise. Das aktuelle MacBook Air M5 mit 13-Zoll-Display kostet beispielsweise im Apple Store mindestens 1400 Euro, nachdem der Hersteller im Juni den Preis um 200 Euro angehoben hat.
Gebraucht, aber mit Gewährleistung und Rückgaberecht
Vielen Nutzerinnen und Nutzern ist das viel zu viel Geld und sie überlegen deshalb ein gebrauchtes Gerät zu kaufen. Dabei kann man voll auf Risiko gehen und beispielsweise ein MacBook bei Ebay erstehen. Ein wesentlich sichererer Weg ist der Kauf über Anbieter von generalüberholten (refurbished) Geräten. Bei einem vertrauenswürdigen Shop in Deutschland oder der EU hat man dann nicht nur ein gesetzliches Rückgaberecht innerhalb von 14 Tagen, sondern gewöhnlich auch mindestens zwei Jahre Gewährleistung. Das heißt, der Verkäufer haftet für Mängel, deren Ursache bereits bei der Übergabe der Ware vorhanden war.
Ein ganz neuer Refurbished-Anbieter ist das auf Apple-Geräte spezialisierte Swappie. Das heißt, MacBooks sind seit Juni neu im Angebot. Das finnische Unternehmen verkauft bereits seit 2016 generalüberholte iPhones, später kamen iPads und in diesem Frühjahr AirPods hinzu. MacBooks gehören seit Mitte Juni zum Sortiment.
Swappie bietet mehr
Swappie wirbt mit besonders hohen Standards. Man verkaufe Premium-Technik „ohne den Neupreis“, lautet ein Slogan der Finnen. Dass das keine heiße Luft ist, sieht man schon daran, dass Swappie mit einer 36-monatigen Garantie ein Jahr über die gesetzliche Gewährleistung hinausgeht. Das entspricht dem, was Apple mit einer zusätzlichen einjährigen Garantie als Verkäufer von Neugeräten bietet.
Swappie deckt in seiner Garantie sogar mehr als die gesetzliche Gewährleistung ab. Denn es kommt auch für technische und mechanische Defekte auf (Reparatur oder Austausch), die nach der Übergabe auftreten. Ausgeschlossen sind nur Unfall- und Wasserschäden, normaler Verschleiß (einschließlich Akku nach zwölf Monaten) sowie Probleme nach nicht autorisierten Reparaturen.
Selbstbewusst gewährt der Anbieter obendrein eine 30-tägige Widerrufsfrist, in der man ein Gerät nach dem Kauf kostenlos und ohne Begründung kostenlos zurückgeben kann. Gesetzlich sind 14 Tage vorgeschrieben.
Alles unter Kontrolle
Gut zu wissen, aber man möchte am liebsten erst gar keinen Ärger mit dem MacBook und stattdessen ein langes Vergnügen mit dem Gerät haben. Dafür werden die Laptops laut Swappie technisch geprüft, professionell aufbereitet und gebrauchsfertig ausgeliefert. Die Finnen betonen, dass sie bei Diagnose, Reparatur und Qualitätskontrolle nicht mit Partnerunternehmen arbeiten, sondern alles in eigenen Einrichtungen erfolgt. Sie befinden sich im estnischen Tallinn (Aufbereitung, Reparaturen, Mikrolöten, Forschung und Entwicklung) und Leipzig (automatisierte Diagnostik- und Testlinien).
In seiner Pressemeldung nennt Swappie drei zentrale Bausteine: Die Geräte erhalten ein regional angepasstes Tastatur-Layout, „umgesetzt durch eine spezialisierte, hauseigene Lokalisierung“. Akkus müssen mindestens 86 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität bieten. Ebenso dürfen sie nicht mehr als 800 Ladezyklen absolviert haben. Ansonsten werden die Batterien ersetzt. Drittens wird jedes MacBook „unter realitätsnaher Belastung getestet, um vorhersehbare und zuverlässige Performance im Alltag zu bieten“.
Wie genau die Geräte getestet werden, gibt Swappie nicht an. Ähnlich wie bei iPhones sollen aber bis zu 52 Punkte abgearbeitet werden. Bei den Smartphones gehören Display/Touchscreen, Akku, Lautsprecher/Mikro, Kameras, Face ID, alle Tasten, USB-C-Anschluss, Funk und Sensoren dazu.
Lieferung nach zwei Tagen
Zum Test hat ntv.de ein MacBook Pro M1 mit 13-Zoll-Display und 256 Gigabyte (GB) großem SSD-Speicher und 8 GB Arbeitsspeicher bestellt. Das Modell wurde von 2020 bis 2024 hergestellt. Laut Swappie ist es besonders beliebt, vermutlich, weil es die günstigste Option ist. Der äußere Zustand des ausgewählten MacBooks wurde als „sehr gut“ angegeben, „fair“ eingeschätzte Geräte waren nicht im Angebot. Die Rechnung für ntv.de beträgt inklusive Versand rund 515 Euro.
Zwei Tage nach Aufgabe der Bestellung traf das Gerät, aus Leipzig abgeschickt, in Berlin ein. Swappie nutzt eine eigene Verpackung, die ebenso robust wie die von Apple ist. Zum Lieferumfang gehören auch ein 65-Watt-Ladegerät und ein USB-C-Kabel.
Zustand besser als beschrieben
Der als „sehr gut“ beschriebene äußere Zustand erwies sich bis auf jeweils einen hauchdünnen, kaum sichtbaren Kratzer auf dem Displaydeckel und der Unterseite als nahezu makellos. Tasten oder Trackpad wiesen überhaupt keine Gebrauchsspuren auf, das Display war wie neu. Installiert war das aktuelle macOS 26 (Tahoe), lediglich ein Update auf die am 27. Juli veröffentlichte jüngste Version 26.6 war nötig.
Das mithilfe der Gratis-Software CoconutBattery ermittelte Herstellungsdatum des MacBooks ist der April 2022. Die Kapazität der Batterie beträgt noch 87,4 Prozent des Neuzustands.
Leistungsfähig wie ein Neugerät
Im Betrieb arbeitete das Gerät wie es soll. Die Leistung entsprach den Erwartungen, im Benchmark-Test Geekbench 7 erzielte das generalüberholte MacBook Air M1 Werte wie ein entsprechend ausgestattetes Neugerät (CPU: 2215/8963, GPU: 16737). Tasten und Trackpad wiesen perfekte Druckpunkte auf und machten keine ungewöhnlichen Geräusche.
Die Pentalobe-Schrauben an der Unterseite scheinen vorsichtig gelöst worden zu sein. Auf Makroaufnahmen sieht man minimale Spuren, die dafür sprechen. Das Gerät könnte aber auch ungeöffnet die Prüfungen absolviert haben. Hundertprozentig sicher kann ntv.de dies nicht beurteilen.
Der Zustand des gelieferten MacBook Air 13 M1 entspricht also mindestens den von Swappie gemachten Angaben. Insofern hält der Anbieter, was er verspricht. Aber lohnt es sich auch, dafür 515 Euro auszugeben?
Es lohnt sich
Ja, denn auch wenn das Gerät schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, ist es mit dem M1-Chip immer noch leistungsfähiger als ähnlich teure Windows-Laptops. Apple nennt zwar keine Daten, aber man darf damit rechnen, dass das MacBook Air M1 noch zwei bis drei Jahre neue macOS-Versionen erhält. Sicherheitsupdates dürfte Apple sogar noch nach 2030 liefern. Man bekommt also für rund 500 Euro einen Laptop, der speziell für die üblichen Office-Aufgaben noch lange bestens geeignet ist.
Andere Anbieter wie Refurbed oder Backmarket haben das Gerät etwas günstiger im Sortiment, aber nicht unbedingt im entsprechend guten Zustand. Ein Vergleich der Angebote lohnt sich, aber ein wichtiger Unterschied ist, dass Swappie 36 Monate Garantie bietet. Bei den Konkurrenten sind es standardmäßig nur zwölf.
Auch Apple bietet generalüberholte Geräte an. Ein MacBook Air M1 gibt es dort nicht, die ältesten Modelle haben M2-Chips. Das günstigste Gerät mit 13-Zoll-Display und 512-GB-Speicher kostet bei Apple Refurbished knapp 920 Euro. Swappie bietet eine entsprechende Variante mit 256 GB für 680 Euro, Refurbed für 700, Backmarket für rund 800 Euro an.
