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Probier’s mal mit Gemütlichkeit: Slowmaxxing – der Trend, der Multitasking ad absurdum führt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 27, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Probier’s mal mit GemütlichkeitSlowmaxxing – der Trend, der Multitasking ad absurdum führt

27.06.2026, 15:13 Uhr Von Sabine Oelmann
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Geben Sie es zu – das Pferd vor Ihrem Fenster haben Sie so noch nie wahrgenommen, stimmt’s? (Foto: IMAGO/Cavan Images)

Hat Multitasking ausgedient? Ein neuer Lifestyle-Trend ist auf Tiktok und Co zu beobachten: Statt jede Minute effizient zu nutzen, geht es beim Slowmaxxing darum, bewusst langsamer zu werden, Ablenkungen zu reduzieren und alltägliche Momente wieder achtsamer wahrzunehmen.

Während es lange, nicht nur in den sozialen Medien, so aussah, als wären Produktivität, Selbstoptimierung und das ständige Streben nach „mehr“ das absolut Erstrebenswerte, setzt die Bewegung des Slowmaxxing auf das Gegenteil. Man muss ja nicht gleich komplett den Ehrgeiz verlieren, man könnte aber mal darüber nachdenken, ob das Gehetze wirklich so viel Sinn ergibt, wie man sich das vorgaukelt.

Doch was genau steckt hinter Slowmaxxing? Der Begriff des Multitaskings hat vor allem Frauen lange begleitet. Bloß, weil Frauen naturgemäß in der Lage sind, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun (kochen, denken, Kinderbetreuen, Job-Telefonat), wurde es bald zum Standard, das auch genau so tun zu müssen. Immer.

Männer waren fein raus, sie besitzen diese Fähigkeit zum überwiegenden Teil nicht und dürfen sich deswegen Zeit nehmen, diese Dinge nacheinander und nicht gleichzeitig zu machen. Der Druck, der hinter Multitasking steckt, wird seit Jahrzehnten hinter dem falschen Kompliment versteckt, dass Frauen solche Tausendsassas sind, dass man ihnen einfach, peu à peu, so, dass sie es kaum gemerkt haben (nicht!), immer noch ein bisschen mehr aufbürden konnte.

Damit ist jetzt aber Schluss!!

Der neue Lifestyle-Trend Slowmaxxing setzt einen Gegenpol zum „immer produktiver, schneller, effizienter“-Hype. Statt also jeden einzelnen Moment zu optimieren oder gar vieles gleichzeitig zu machen, geht es nun darum, alles viel bewusster zu machen. Auch das Wort „achtsam“ darf hier natürlich nicht fehlen.

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Um einen Kaffee von Hand zu filtern, müssen Sie kein Barista sein. (Foto: imago images/United Archives)

Wie also den Tag beginnen, wenn der erste Blick nicht aufs Handy geht, keine Nachrichten, Mails oder soziale Medien noch im Bett gecheckt werden? Wie wäre es mit Lesen? Etwas Bewegung? Und natürlich Kaffee, wer mag. Aus dem Fenster schauen? Oder auf den Balkon oder in den Garten gehen und die Temperatur testen, statt auf der Wetter-App zu scrollen. Vielleicht ein paar Kniebeugen und Dehnübungen? Oder einfach im Bett liegen bleiben für fünf Minuten und die Decke anstarren oder die eigenen Füße oder dem Regen lauschen, der sicher gleich aufhört.

Statt mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, geht es bei Slowmaxxing darum, Alltägliches bewusst wahrzunehmen, zum Beispiel Kaffee zu kochen, dabei nicht gleichzeitig die Küche zu wischen oder die Post zu öffnen, sondern ganz bewusst diese eine Tätigkeit auszuüben. Mit Kindern, die morgens versorgt werden müssen, vielleicht etwas schwieriger, aber wahrscheinlich auch machbar, wenn man fünf Minuten früher aufsteht.

Das bewusste Nichtstun gelingt ja meist nur im Urlaub, dieser herrliche Moment, wenn die Langeweile einsetzen könnte, man einfach wegdöst oder vergisst, wie viele Bahnen man nun schon geschwommen ist. Meist muss man dann schon wieder nach Hause. Wem es aber im Alltag gelingt, einfach mal für ein paar Augenblicke die Augen zu schließen und die Sonne im Gesicht zu spüren, der kommt in den Ferien vielleicht gleich besser rein in das „Dolce far niente“. Das unsere Nachbarn, die Italiener, viel besser drauf zu haben scheinen als wir. Das Ziel des Nichtstuns ist, Stress abzubauen und dem Nervensystem eine Pause zu gönnen. Und dann etwas frischer und entspannter weiterzumachen.

Verabredung mit dem Nichtstun

Denn fast immer, wenn wir Gelegenheit dazu hätten, uns zu langweilen, greifen wir automatisch zum Smartphone, starten einen Podcast, scrollen auf Social Media oder suchen uns eine neue Aufgabe. Diese permanente Beschäftigung könnte jedoch ihren Preis haben, schreibt die Neurowissenschaftlerin und Buchautorin Friederike Fabritius in ihrem aktuellen Newsletter: Ein Zustand ständiger kognitiver Geschäftigkeit könne auf Dauer unsere Fähigkeit zum kreativen Denken oder zur emotionalen Regulation negativ beeinflussen.

Fabritius erklärt, warum Nichtstun wichtig ist – auch wenn es sich zunächst wie unproduktive Zeit anfühlt: Dadurch sorgen wir dafür, dass unser sogenanntes Default Mode Network (DMN) im Alltag kaum Raum bekommt. Das DMN ist – vereinfacht erklärt – eine Gruppe von Hirnregionen, die aktiv sind, wenn wir keinen konkreten Aufgaben nachgehen – zum Beispiel beim Tagträumen, Nachdenken oder Erinnern. Fabritius rät sogar, sich 15 Minuten täglich fürs Nichtstun im Kalender einzutragen.

Menschen, die einen Hund haben, wissen um die Kraft des simplen Spaziergangs. Die einzige Action, die erfordert wird, ist Stöckchen werfen und Kacke wegräumen. Der Hund freut sich, wenn Herrchen oder Frauchen nicht die ganze Zeit am Handy hängen, genauso wie sich ein Kind im Kinderwagen freuen würde, Blickkontakt mit der schiebenden Person aufzunehmen, statt sich ständig telefonierende Eltern hinter einem Mobiltelefon ansehen zu müssen.

Go with the Flow

Gerade die Generation der Boomer, auf „Schaffe schaffe, Häusle baue'“ und „schneller höher weiter“ geeicht, tut sich schwer mit dem Nichtstun, der Leichtigkeit. Darf ich überhaupt so etwas wie Heiterkeit oder Unbekümmertheit verspüren in der momentanen Zeit? „Ja“, sagt Pädagoge und Buchautor Bertram Kasper („Die größte Reise deines Lebens: Mit Gelassenheit älter werden“) und nennt vier Ideen, die uns mehr in den Moment holen: Rituale bewusst erleben, Nichtstun üben, bewusst nach dem Flow-Gefühl suchen und mit der Körperhaltung arbeiten.

Und ja, es wird Zeit in Anspruch nehmen, aber wer öfter mal wieder kocht, statt den Lieferservice zu rufen oder Fertiggerichte in den Ofen zu schieben, der wird eine gewisse Befriedigung verspüren, auch danach, beim Abspülen. Könnte Bügeln vielleicht sogar unter Meditation laufen? Tanzen unter Sport? Und ganz crazy: Das dicke Buch lesen! Nicht die Kurzgeschichten, nicht auf dem Handy, sondern den dicken, schweren Wälzer. Der, von dem man weiß, dass man ihn dann nicht aus der Hand legen kann, weil die Geschichte so sehr fesselt, dass man alles um sich herum vergisst.

Das könnte man jetzt, wo Sommer und Ferienzeit langsam beginnen, doch mal ausprobieren. Muss ja nicht alles auf einmal sein. Denn: Multitasking ist out! Auch für Frauen!

Quelle: ntv.de, mit dpa

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