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Startseite»Betrugsmaschen»Putin ruft Ostdeutsche zum Umsturz? Video entlarvt Fälschung!
Betrugsmaschen

Putin ruft Ostdeutsche zum Umsturz? Video entlarvt Fälschung!

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 29, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Ein Video, ein Titel, ein angeblicher Skandal

Das Internet hat wieder geliefert. Ein älteres Putin-Video, dazu dramatische Musik, ein Thumbnail mit Großbuchstaben und fertig ist die geopolitische Sensation des Tages.

Hat Putin Ostdeutsche zum Umsturz aufgerufen?
Screenshot des fraglichen Videos auf YouTube

Diesmal angeblich mit persönlicher Botschaft an Ostdeutsche. Natürlich inklusive Umsturzaufruf gegen die Berliner Regierung. Quelle: ein YouTube-Titel, der klingt wie ein Actionfilm auf Restalkohol.

Blöd nur, dass sich die eigentliche Rede davon herzlich wenig beeindrucken lässt.

Denn das kursierende Video zeigt keine aktuelle Ansprache aus 2026, sondern eine Pressekonferenz aus dem Juni 2024. Die Aussagen wurden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen und mit einer neuen Geschichte versehen. Eine ernste Stimme macht aus einer Behauptung noch keine Recherche.

Das Video ist zwei Jahre alt

Im verbreiteten Video wird behauptet, die Aufnahme stamme vom 18. Mai 2026. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Pressekonferenz Putins in Sankt Petersburg aus Juni 2024 mit internationalen Journalisten.

Mehrere Details stimmen mit den Originalaufnahmen überein. Kleidung, Sitzordnung und Bildausschnitt passen zur damaligen Veranstaltung. Auch das offizielle Transkript des Kremls enthält keinerlei Aussagen über Ostdeutsche, einen Regierungssturz oder Friedrich Merz.

Besonders bemerkenswert: Als die Pressekonferenz stattfand, war Friedrich Merz noch gar kein Bundeskanzler. Das erschwert spontane Aufrufe gegen seine Regierung doch ein wenig.

Wenn der angebliche Beweis schon an der Zeitachse scheitert, hat die Beweislage heute offenbar frei.

Die Aussage wird neu verpackt

Im Video ist tatsächlich eine Passage Putins zu hören. Dort spricht er über alternative Sichtweisen in Deutschland und über Vorwürfe gegen angebliche „Kreml-Agenten“.

Diese Aussage fiel als Antwort auf eine Frage zu den Beziehungen Russlands zur AfD. Von einem Appell an Ostdeutsche oder einem Aufruf zum Umsturz ist dort keine Rede.

Der eigentliche Trick passiert erst danach. Aus einer allgemeinen politischen Aussage wird per Videoüberschrift plötzlich eine geheime Botschaft an Ostdeutschland konstruiert.

Das ist ungefähr so seriös wie ein Wetterbericht mit der Schlagzeile: „Wolkenformation kündigt Staatskrise an.“

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag wird mitgezogen

Zusätzlich behauptet das Video, immer mehr Bürger würden das Ende des Zwei-plus-Vier-Vertrags fordern. Auch dafür fehlen Belege.

Gezeigt wird lediglich eine YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2025 zu wahrgenommenen Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland. Der Vertrag selbst kommt darin überhaupt nicht vor.

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag regelte 1990 die außenpolitischen Bedingungen der deutschen Wiedervereinigung. Vertragspartner waren beide deutschen Staaten sowie die USA, die Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien.

Nach Einschätzung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags kann der Vertrag nicht einseitig gekündigt werden. Dafür müssten alle Vertragsparteien zustimmen.

Aber komplizierte völkerrechtliche Realität verkauft sich online natürlich schlechter als „Geheimplan gegen Deutschland“. Eine Kulisse ersetzt eben keine Belege.

Russische Desinformation nutzt das Thema regelmäßig

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag taucht seit Jahren regelmäßig in Desinformationskampagnen auf. Besonders seit dem russischen Angriff auf die Ukraine kursieren immer wieder Behauptungen über angebliche Kündigungen, fehlende deutsche Souveränität oder geheime Vertragsbrüche.

Viele dieser Geschichten arbeiten nach demselben Muster: ein reales Dokument, dazu ein aus dem Kontext gerissener Satz und anschließend eine maximal dramatische Interpretation.

Die eigentliche Nachricht lautet dann oft nicht: „Hier sind neue Fakten“, sondern eher: „Das klingt verdächtig, also wird schon irgendwas dran sein.“

Quelle: Vertrau mir, bleibt allerdings eine erstaunlich schwache Beweiskette.

Fazit

Die Behauptung lebt nicht von Beweisen, sondern von Inszenierung. Ein älteres Putin-Video wird mit neuen Schlagzeilen versehen, bis daraus plötzlich eine angebliche Kampfansage an Ostdeutschland wird.

Der eigentliche Skandal ist hier nicht die Rede selbst, sondern die Methode dahinter. Aus Kontextverlust wird politische Dramatik gebaut. Und aus einem alten Presseauftritt wird per Thumbnail eine angebliche historische Ansprache.

FAQ zum Thema: Putin und angeblicher Aufruf an Ostdeutsche

Hat Putin wirklich Ostdeutsche zum Umsturz aufgerufen?

Nein. Dafür gibt es keine belastbaren Belege. Das verbreitete Video zeigt eine Pressekonferenz aus dem Jahr 2024 zu einem anderen Thema.

Stammt das kursierende Putin-Video aus dem Jahr 2026?

Nein. Die Aufnahme entstand bereits im Juni 2024 bei einer Pressekonferenz in Sankt Petersburg.

Erwähnt Putin Friedrich Merz in der Rede?

Nein. Weder Friedrich Merz noch Ostdeutschland oder der Zwei-plus-Vier-Vertrag werden in der Rede erwähnt.

Gibt es Forderungen zur Auflösung des Zwei-plus-Vier-Vertrags?

Für eine breite Bewegung oder belastbare Forderungen gibt es keine Belege. Die im Video gezeigte Umfrage hatte mit dem Vertrag nichts zu tun.

Kann Deutschland den Zwei-plus-Vier-Vertrag einfach kündigen?

Nein. Laut Einschätzung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags wäre dafür die Zustimmung aller Vertragsparteien nötig.

Du hast diesen Fall jetzt geprüft gesehen.
Aber täglich fallen Tausende auf solche Maschen herein – oft Menschen, die du kennst.
Wir prüfen jeden Tag neue Fälle. Damit weniger Leute darauf reinfallen.

Was passiert, wenn solche Inhalte nicht erkannt werden?

💸BetrugMenschen verlieren Geld – oft ohne es sofort zu merken.

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Seit über 15 Jahren. Unabhängig. Ehrenamtlich.

Hilde O in einer lebhaften Diskussion über Online-Sicherheit.

Hilde Ollig

Hilde Ollig ist Rechercheurin bei Mimikama, Österreichs
führender Faktencheck-Organisation. Sie ist spezialisiert
auf die Überprüfung von Behauptungen in sozialen Medien
und unterstützt das Redaktionsteam mit akribischer
Quellenarbeit bei der Aufklärung über Internetmissbrauch.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)

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Dr. Heinrich Krämer
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