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Rennwagen zum bürgerlichen Tarif: Hyundai Ioniq 5N und Kia EV6 GT – welchen bloß nehmen?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 1, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Rennwagen zum bürgerlichen TarifHyundai Ioniq 5N und Kia EV6 GT – welchen bloß nehmen?

01.08.2026, 09:56 Uhr

Von Patrick Broich
Hyundai_Io_EV6GT_Kombo
Kia EV6 GT oder Hyundai Ioniq 5N, welcher darf es sein? Das ist eine Frage des Typs. (Foto: Hyundai/Kia)

Kia und Hyundai gehören zu den ersten Marken mit spaßorientierten E-Fahrzeugen in niedrigeren Preisklassen. Diese automobilen Fanartikel tragen die Label bis heute. ntv.de hat sich noch einmal in die beiden Performer Ioniq 5N und EV6 GT gesetzt.

Das erste untrügliche Signal setzte Kia früh. Und zwar jenes, dass es sich beim EV6 GT um ein außergewöhnliches Fahrzeug handeln würde. Eines, das in puncto Fahrleistungen überragend sein würde. Schon etwas länger vor seiner Markteinführung Ende 2022 lancierte der koreanische Hersteller ein Video. Es sollte plastisch darstellen, wie der EV6 anderen Verkehrsteilnehmern zeigt, wo der Hammer hängt.

Zunächst wird das Objekt der Begierde fast unter Reinraum-Bedingungen vorbereitet in einer blitzsauberen Halle. Der Allradler soll schließlich gegen ordentliche Kaliber ein Drag Race gewinnen. Der kurze Streifen trieft quasi vor Auto-Enthusiasmus, vor allem auch, weil sich die Macher genau überlegt haben, welche Autos sie ins Rennen schicken. Kein 911 Turbo, ist klar. Es sind Konsorten wie Porsche Targa 4, Lamborghini Urus, Ferrari California T oder McLaren 570 S, die hier abgeledert werden – noch Fragen?

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Deutlich dezenter als der Hyundai wirkt der Kia EV6 GT. Sportlich sieht aber auch er aus. (Foto: Kia)

Und so hat es der EV6 GT in der Tat in sich, startet in der ersten Serie bereits mit 585 PS, um dann im Zuge der Modellentwicklung auf 650 PS (hatte der Ioniq 5N von Beginn an) gepusht zu werden. Und für diese Daten sieht der Top-EV6 verdammt dezent aus. Insbesondere an den neongelben Bremssätteln erkennt man, dass man sich mit dem besser nicht anlegt.

Dagegen ist der Konzernbruder Hyundai Ioniq 5N ein ganz anderes Kaliber. Ein Muss ist es, ihn in „Performance-Blue“ zu bestellen, dann weiß der Insider sowieso, was Sache ist. Der blasse Blauton sieht aber ja auch ganz fein aus. Auffällige rote Zierteile sowie ein ausgeprägter Diffusor lassen diesen Hyundai allerdings deutlicher aus der Menge hervorstechen als den eher schlicht gehaltenen Kia. Damit wären eigentlich auch die größten Differenzierungen angesprochen, oder?

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Der Gag mit den Retro-Pixel-Rückleuchten sieht selbst nach Jahren immer noch cool aus. (Foto: Hyundai)

Ioniq 5N ist der Boss auf dem Track

Klar basieren beide auf der E-GMP-Plattform. Allerdings liegt der Fokus beim Hyundai mehr auf Track-Fertigkeiten. Diese Ausrichtung hat auch einen Impact bei Alltagsfahrten im Straßenverkehr: So bekommt man den Ioniq 5N auf der freien Bahn nicht ins Derating. Heißt, unzählige Male herunterbremsen und dann wieder auf die Topspeed von 260 km/h beschleunigen, dieser Move gelingt immer mit der gleichen brachialen Wucht. Extra dafür ausgelegtes Batteriekühlmanagement erlaubt extreme Belastungen, die eigentlich nur unter Rennbedingungen entstehen.

Und der EV6 GT? Hat kein Problem damit, in ziemlich wilder Weise auf die gleiche Höchstgeschwindigkeit zu sprinten. Wiederholt man diesen Vorgang allerdings etliche Male, zeigt der dezentere Koreaner Ermüdungserscheinungen. Hier ist der Hyundai also ganz klar im Vorteil. Er war es übrigens auch, der mit bestimmten Effekten gestartet hat, die Verbrennerfans auf seine Seite ziehen sollten. Motorgeräusche simulieren und selbst Schaltrucke nachmodellieren, das war seine Spezialität.

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Viel Display und ausgeprägte Sportsitze kredenzt der Kia EV6 GT. (Foto: Kia)

Macht der EV6 aber inzwischen genauso. Kann man albern finden oder witzig. Allerdings funktioniert das sowieso nicht mit dem Boost-Modus, und gerade der drückt dich eben so brachial in den Sportsitz. Möchte man also das maximale Performance-Potenzial ausschöpfen, muss der synthetische Motorklang ohnehin schweigen.

Unter dem Strich sind diese beiden wilden Elektro-Produkte des Kia-Hyundai-Konzerns immer noch outstanding. Zumal man die Power für einen vergleichsweise niedrigen Kurs bekommt. Hier schießt der Kia den Vogel ab, denn er steht mit nur 9990 Euro in der Preisliste. „Nur“, weil man wirklich viel Auto bekommt. Und Sonderausstattungen braucht es hier wirklich keine – selbst elektronisch-adaptive Dämpfer sind neben den ganzen Selbstverständlichkeiten wie Assistenz und Navi serienmäßig. Die sind auch sinnvoll, um einen ordentlichen Kompromiss zwischen sportlichem Fahren und einem für die Passagiere angenehmen Mindestkomfort hinzubekommen.

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Auf dem großen Display des Hyundai lassen sich auch viele Parameter für die Rennstrecke anzeigen. (Foto: Hyundai)

Frappierend in beiden Fällen ist übrigens, dass Schwergewichte von 2,3 Tonnen Leermasse recht leichtfüßig wirken auch auf der kurvigen Landstraße. Für den deutlich extrovertierten Hyundai Ioniq 5N muss das finanzielle Polster etwas dicker ausfallen. Hier werden nämlich 76.500 Euro aufgerufen – mindestens. Die Alcantara-Polsterung verschlingt weitere 1500 Euro, dann ist das recht bequeme Gestühl aber sogar belüftet. Der Hyundai beschleunigt auch ein bisschen feuriger auf 100 Sachen, benötigt mit sogenanntem „N-Grin-Boost“ lediglich 3,4 Sekunden, während sich der Kia ein Zehntel mehr genehmigt. Doch das ist eher akademischer Natur.

Viel spannender ist, dass beide Kandidaten mit ihren 4,70 (Kia) respektive 4,72 Metern (Hyundai) bei aller sportlicher Gangart auch noch vollwertige Familienkutschen sind. Doch welchen nehmen? Ist hier wirklich keine Frage der Qualität, sondern des Typs. Und ein bisschen natürlich des Budgets, denn der Kia ist nicht nur günstiger, sondern er liefert die Sitzbelüftung auch noch frei Haus. Beim Hyundai flossen offenbar deutlich mehr Mittel in die Ertüchtigung für Trackaktivitäten. Und wer die nicht braucht, bekommt mit dem EV6 einen verdammt schnellen Alltagshobel. Mit dem Hyundai dagegen eine rollende Showeinlage zum merklichen Aufpreis. Beides hat seinen Reiz.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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