Wer länger lebt, muss länger arbeiten – so lautet eine Forderung in der Reformdebatte zur Rente. Doch Zahlen zeigen: Die Lebenserwartung fällt in den Bundesländern unterschiedlich aus. Die Linke warnt vor einer Rentenkürzung.
Noch tagt die Rentenkommission der Bundesregierung. Ihre Reformvorschläge soll sie voraussichtlich erst Ende Juni vorstellen. Doch vor allem die CDU bringt immer wieder die Idee ins Spiel, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Zuletzt hatte sich dafür unter anderem Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ausgesprochen.
Für die Linke käme das einer Rentenkürzung für viele Menschen gleich. „Wer ernsthaft über die Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung diskutiert, blendet die steigenden Ungleichheiten zwischen Regionen völlig aus“, sagt die rentenpolitische Sprecherin der Partei, Sarah Vollath.
So zeigen Zahlen des Arbeits- und Sozialministeriums, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegen, dass sich die Lebenserwartung in Deutschland je nach Region und Geschlecht sehr unterschiedlich entwickelt. Eine pauschale Aussage für das gesamte Bundesgebiet würde die tatsächlichen Lebensverhältnisse in den Ländern daher nicht widerspiegeln.
Lebenserwartung von Männern in Ostdeutschland gesunken
Während Männer über 65 Jahre heute im Westen etwas mehr als 0,6 Monate länger leben als noch vor zehn Jahren, ist ihre Lebenserwartung im Osten im gleichen Zeitraum um 1,1 Monate gesunken.
Bei Frauen ergibt sich ein umgekehrtes Bild. Während über 65-Jährige heute im Osten 3,7 Monate länger leben, ist die Lebenserwartung von Frauen im Westen um einen Monat gesunken.
Unterschiedliche Entwicklung in den Ländern
Die Zahlen stammen aus einer Kleinen Anfrage der Linkspartei an die Bundesregierung und zeigen nicht nur eine unterschiedliche Entwicklung in Ost und West, sondern auch zwischen einzelnen Bundesländern. So leben Männer in Baden-Württemberg am längsten, in Sachsen-Anhalt am kürzesten. Im Südwesten beträgt die Lebenserwartung von über 65-Jährigen heute im Durchschnitt noch weitere 18,6 Jahre. Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist das ein Plus von 2,6 Monaten.
In Sachsen-Anhalt leben Männer im Schnitt etwas mehr als zwei Jahre weniger als in Baden-Württemberg. Dort haben über 65-Jährige heute noch eine Lebenserwartung von durchschnittlich 16,56 Jahren. Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist dieser Wert um 3,4 Monate gesunken.
Linkspartei sieht mögliche Benachteiligung von Geringverdienern
Auch bei Frauen haben sich die regionalen Unterschiede verschärft. In Sachsen haben sie heute die höchste Lebenserwartung. Über 65-Jährige leben dort im Durchschnitt noch weitere 21,61 Jahre und damit 4,7 Monate länger als vor zehn Jahren. Die geringste Lebenserwartung haben Frauen heute im Saarland. Dort leben über 65-Jährige noch durchschnittlich weitere 20,16 Jahre, was 2,9 Monate weniger sind als vor zehn Jahren.
Aus Sicht der Linkspartei zeigten die Daten der Bundesregierung zudem, dass es neben regionalen, weitere Unterschiede gebe, welche die Lebenserwartung negativ beeinflussten. Dazu zählten niedriges Einkommen und niedriger Bildungsstand sowie schlechte Arbeitsbedingungen und Wohnsituation. „Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters würde Menschen mit niedrigen Einkommen und aus strukturschwachen Regionen weiter benachteiligen“, sagt Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Linken.

