RTL/ntv-TrendbarometerCDU setzt sich mit Pflege-Vorstoß in die Nesseln
Vergangene Woche fordert ein CDU-Politiker, auch das Eigenheim zur Finanzierung von Pflegekosten heranzuziehen. Das Trendbarometer zeigt, was die Menschen davon halten. Ein anderer Vorschlag erntet mehr Verständnis.
Ein Vorschlag aus der CDU zur Finanzierung der Pflegeversicherung stößt auf Ablehnung in der Bevölkerung. Im Trendbarometer von Forsa sprechen sich 73 Prozent dagegen aus, das Vermögen von Betroffenen zur Finanzierung der Pflege zu verwenden. Die Ablehnung ist einhellig über Einkommensgrenzen und Herkunft der Befragten (Ost und West) hinweg.
Ein geteiltes Echo findet dagegen die Idee, die Beiträge für Kinderlose zu erhöhen. Der Zusatzbeitrag für Pflegeversicherte soll demnach von 0,6 Prozent auf 0,7 Prozent steigen. 44 Prozent der Bundesbürger fänden das richtig, 52 Prozent sprachen sich laut der von Forsa erstellten Umfrage dagegen aus. Auch hier ähneln sich die Werte über Ost und West und Parteigrenzen hinweg.
Unionsfraktionsvize Albert Stegemann hatte sich für mehr Eigenverantwortung in der Pflege ausgesprochen und gefordert, eigene Wohnungen oder Häuser zur Finanzierung heranzuziehen. „Ein Erbenschutzprogramm auf Kosten der Allgemeinheit kann es nicht geben: Wer Vermögen besitzt, muss zunächst eigenes Vermögen einsetzen, auch das Eigenheim, bevor die Gemeinschaft zahlt“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Wer mit einer Pflegezusatzversicherung oder Wohneigentum vorsorge, übernehme Verantwortung für den Pflegefall.
Klüssendorf im Frühstart: „Verstehe ich nicht ganz“
Auch zahlreiche Politiker und Verbände lehnten das ab. Im ntv-Frühstart sagte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf: „Diese Mittel und Wege, dann immer wieder an die privaten Ersparnisse heranzugehen, auch in einem niedrigen Bereich schon, das ist etwas, was wir ablehnen und wo wir glauben, dass es da bessere Lösungen gibt“, sagte der SPD-Politiker.
Eine normale Familie, die ihr Leben lang gearbeitet, Steuern gezahlt und sich das Ziel eines abbezahlten Eigenheims gesetzt habe, sei der falsche Fokus. In der Gesellschaft gebe es ganz andere Vermögenswerte, die momentan nicht herangezogen würden. „Bei der Debatte dann über das Eigenheim nachzudenken, aber zum Beispiel bei der Erbschaftssteuer sich kategorisch allem zu verweigern, was einer gerechteren Besteuerung zuträglich ist, das verstehe ich nicht ganz“, sagte Klüssendorf.
„Es geht uns als SPD nicht um das Eigenheim der Leute, die sich was angespart haben, die über ihr Leben lang gearbeitet haben. Und ich glaube, das muss auch deutlich werden in der Reform“, so Klüssendorf.
Für das Trendbarometer befragte Forsa zwischen dem 29. Mai und dem 1. Juni 1005 Menschen in Deutschland im Auftrag von RTL Deutschland. Fehlertoleranz: Drei Prozentpunkte.
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