Ein internationales Gremium hat festgelegt: Künftig wird es keine Schaltsekunden mehr geben. 27 Mal wurde sie genutzt, um unsere Uhren mit der astronomischen Zeit in Einklang zu halten. Ein neues System käme erst im Jahr 3000 zum Einsatz.
Die Erde eiert. Sie rotiert nicht komplett gleichmäßig, mal ist sie langsamer, mal schneller. Daran ist unter anderem der Mond schuld. Die Gezeitenkräfte, die auch für Ebbe und Flut sorgen, bremsen die Erde und machen so den Tag ständig etwas länger.
Zugleich sorgt das Abschmelzen von Gletscher und Polkappen dafür, dass sich die Rotation beschleunigt. Die verschiedenen Effekte sorgen dafür, dass die genaue Veränderung der Erdrotation nicht vorhergesehen werden kann.
Unterschied zwischen Sonnen- und Atomzeit
Der Unterschied zwischen der Sonnenzeit – also von einem Sonnenhöchststand bis zum nächsten – und der internationalen Atomzeit wurde deshalb bisher immer nach Bedarf angepasst. Zweimal im Jahr, Ende Juni und Ende Dezember, gab es die Möglichkeit, eine Schaltsekunde einzufügen. Nach 23:59:59 gab es dann eine zusätzliche Sekunde, 23:59:60, bevor die Uhr auf 0:00 Uhr sprang. Das letzte Mal gab es eine solche Schaltsekunde zum Jahreswechsel 2016/17. Seit Einführung 1972 waren es insgesamt 27 Schaltsekunden.
Probleme für Computersysteme
Das kann allerdings zu Problemen bei Computersystemen, in Datenbanken oder Netzwerken führen. Da es keine Regelmäßigkeit gibt, wann es zu einer Schaltsekunde kommt, müssen viele Systeme manuell darauf vorbereitet werden. In Zukunft könnte es mit den bisherigen Regeln auch eine negative Schaltsekunde geben – der Tag wäre dann eine Sekunde kürzer – worauf Computersysteme noch weniger vorbereitet sind.
Gleichzeitig spielt es laut Beschluss der Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) im Alltag keine Rolle, ob die Weltzeit minimal von der astronomischen Zeit abweicht. Für einen großen Teil der Weltbevölkerung weicht die Uhrzeit in der lokalen Zeitzone sowieso schon um mehr als eine Stunde von der Sonnenzeit ab.
Deshalb wurde auf der CGPM jetzt beschlossen, dass die Abweichung der astronomischen und der koordinierten Weltzeit bis zu einer Stunde betragen darf, bevor die Weltzeit angepasst werden muss.
Kein Handlungsbedarf in den kommenden Jahrhunderten
Wie genau das aussehen würde, ist nicht Teil des Beschlusses. Möglich wäre dann eine ganze Schaltstunde. Oder Länder könnten nach Bedarf ihre Zeitzone anpassen, um die gemessene Zeit an den Sonnenstand anzugleichen. Das würde sich dann anfühlen, wie der Wechsel von Sommer- auf Winterzeit. So oder so, statt alle paar Jahre gibt es jetzt höchstens alle paar Jahrhunderte Handlungsbedarf. Die erste Anpassung dieser Art wird nach dem neuen System etwa im Jahr 3.000 notwendig werden.
