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Schön cool bleiben: Schweiß läuft? Wie man an sommerlichen Tagen frisch bleibt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 26, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Schön cool bleibenSchweiß läuft? Wie man an sommerlichen Tagen frisch bleibt

Team Nackenschwitzer? An welchen Körperstellen wir besonders viel schwitzen, hängt von der Verteilung der Schweißdrüsen ab, die auch genetisch bedingt ist. (Foto: picture alliance/dpa)

Müffelnde Achselhöhlen und Hemden, die am Rücken kleben: Schwitzen finden viele lästig – obwohl es quasi die Klimaanlage des Körpers ist. Was dabei hilft, an heißen Tagen nicht zu zerfließen.

Mit den steigenden Temperaturen kommt er zurück, der hektische Blick unter die Achseln. Ist noch alles trocken? Oder steigt einem bereits ein leichter Mief in die Nase? Abseits von Sauna und Fitnessworkout bricht wohl niemand gern in Schweiß aus – dabei ist der ziemlich nützlich für unseren Körper. Warum genau? Und was hält uns frisch? Ein Physiologe und eine Hautärztin geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum schwitzen wir?

Etwa 37 Grad – so hoch ist die Temperatur im menschlichen Körper normalerweise. Um sie zu halten, produziert er dauerhaft Wärme. „Solange es kühl ist, ist das kein Problem“, sagt Ralf Brandes von der Deutschen Physiologischen Gesellschaft. Steigt jedoch die Außentemperatur oder produziert der Körper zu viel Wärme, muss er sie loswerden, um nicht zu überhitzen. Das wäre gefährlich.

Zunächst geschieht das über Abstrahlung und Konvektion, also den Abtransport der Wärme über die Luft, die über unsere Haut zieht. Reicht das nicht aus, wird es feucht: „Schwitzen ermöglicht uns die Wärmeabgabe über Verdunstung. Das ist sehr effektiv. Ein Milliliter Schweiß kann einen Liter Wasser um ein Grad abkühlen“, erklärt Ralf Brandes.

Darin liegt übrigens auch die Erklärung dafür, dass schwüle Tage so belastend für den menschlichen Körper sind. „Das Wasser, das der Körper durch Schwitzen abgibt, geht nicht so leicht in die Luft über, weil diese bereits mit Feuchtigkeit gesättigt ist“, so der Physiologe von der Goethe-Universität Frankfurt.

Wieso schwitzen manche Menschen mehr als andere?

Wie viel man schwitzt, ist im Wesentlichen eine Frage der Konstitution, sagt Ralf Brandes. Menschen mit kleineren, runderen Körpern haben im Vergleich zur Masse eine kleinere Körperoberfläche und müssen deshalb stärker schwitzen, um mehr Wärme abzugeben. Auch genetische und hormonelle Aspekte spielen eine Rolle.

Übrigens: Schwitzen kann man gewissermaßen trainieren – etwa indem man regelmäßig Sport treibt oder in die Sauna geht. Allerdings reduziert man dabei nicht die Schweißmenge, sondern optimiert vielmehr die Wärmeabgabe. Man schwitzt also effizienter. „Gleichzeitig wird aber auch die Temperaturtoleranz trainiert, sodass man Hitze als weniger belastend empfindet“, sagt Ralf Brandes.

Wodurch entsteht Schweißgeruch?

Frischer Schweiß müffelt nicht. Er besteht vor allem aus Wasser, Salzen, Harnstoff und Milchsäuren. „Erst wenn Bestandteile wie Milchsäure durch Bakterien auf der Haut zersetzt werden, entsteht der typische Geruch“, sagt Silke Hofmann von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.

Es sind also erst die Bakterien, die den Geruch erzeugen. Ihre Dichte und Zusammensetzung sei von Mensch zu Mensch unterschiedlich, so die Dermatologin.

Was ist der Unterschied zwischen Deodorants und Antitranspirants?

Rollern, sprühen oder schmieren für mehr Frische: Die Auswahl an Deos und Antitranspirants in der Drogerie ist groß.

Während Deodorants die Bakteriendichte auf der Haut reduzieren und Gerüche mit Duftstoffen überdecken, hemmen Antitranspirants das Schwitzen selbst. „Sie enthalten Aluminiumsalze, die die Schweißdrüsen verengen, sodass weniger Schweiß auf die Haut abgegeben wird“, sagt Silke Hofmann. Die beste Wirkung erziele man, indem man die Produkte abends auf die gereinigte, trockene Haut aufträgt. In der Nacht sind die Schweißdrüsen nämlich weniger aktiv, die Inhaltsstoffe können besser einziehen.

Wichtig dabei: Nur Produkte zu nutzen, die dem eigenen Hauttyp entsprechen – sonst kann es in den Achselhöhlen ordentlich brennen. „Für Menschen mit sensibler Haut oder auch nach der Rasur empfehlen wir, keine Produkte mit Alkohol oder Aluminiumchlorid zu verwenden, weil das die Haut zusätzlich reizen kann“, sagt Silke Hofmann vom Helios Universitätsklinikum Wuppertal.

Während früher häufiger vor aluminiumhaltigen Produkten gewarnt wurde, sind Fachleute heute gelassener. „Neue Studien haben gezeigt, dass die Aufnahme des Aluminiums in den Körper so gering ist, dass es nicht als schädlich anzusehen ist. Lediglich bei einer beschädigten Hautbarriere sollte man vorsichtig sein“, sagt Silke Hofmann.

Abkühlen, frisch bleiben, weniger schwitzen – was hilft?

Wer schwitzt, greift oft instinktiv zum eiskalten Getränk. Aber nicht immer ist das die beste Wahl. „Kalte Getränke aktivieren die Kälterezeptoren im Magen. Der Körper denkt, er unterkühlt gerade und stellt die Schweißproduktion ein“, sagt Ralf Brandes. Das hilft zwar kurzfristig, führt aber auch dazu, dass der Körper seine Maßnahmen zur Temperaturabgabe im Anschluss umso schneller und stärker ankurbeln muss. Wenn wir Pech haben, schwitzen wir dann sogar noch mehr.

Anders als ein Kaltgetränk kann der Sprung in den Badesee den Körper tatsächlich abkühlen. „Große Mengen an Wasser entziehen dem Körper viel mehr Wärme als die Luft. Im Wasser kühlen wir deshalb schneller aus“, sagt Ralf Brandes.

Wer nicht ins Wasser springen kann, sollte an heißen Tagen darauf achten, die Luft zu Hause trocken zu halten. Nasse Handtücher im Wohnraum kühlen zwar den Raum, steigern aber gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit und machen die Hitze unangenehmer, sagt Ralf Brandes.

Auch Material und Passform der Kleidung können den Unterschied machen: Statt enger Schnitte und Kunstfasern eignen sich luftige Stücke aus Naturstoffen wie Leinen, dünner Baumwolle, Seide und Merinowolle besser. Sie leiten den Schweiß von der Haut weg, sind angenehm zu tragen und wirken der Geruchsentwicklung entgegen, wie Silke Hofmann zusammenfasst.

Auch Hausmittel wie Salbeitee können helfen, das Schwitzen zu reduzieren. Salbei verengt nämlich die Schweißdrüsen. „Der Effekt ist aber nicht besonders stark“, sagt Silke Hofmann.

Starkes Schwitzen: Wann sollte man zum Arzt?

Wer dauerhaft unter starkem Schwitzen leidet, sollte das Gespräch mit einem Arzt suchen. „Insbesondere dann, wenn das Schwitzen die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt oder wenn Familienangehörige ähnliche Probleme haben“, so Silke Hofmann.

Mit einfachen Tests lässt sich feststellen, wie stark die Schweißproduktion ist und ob eine sogenannte Hyperhidrose vorliegt. Behandlungsmöglichkeiten für diese Störung gibt es viele, sie reichen von Tabletten bis hin zu Botox-Anwendungen.

Quelle: ntv.de, awi/dpa

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