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Startseite»Politik»Sechs Monate Iran-Krieg: Golfstaaten suchen Ausweg aus der Krise
Politik

Sechs Monate Iran-Krieg: Golfstaaten suchen Ausweg aus der Krise

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 28.08.2026 • 16:00 Uhr

Der vor einem halben Jahr begonnene Iran-Krieg hat nicht nur Folgen für die USA, Israel und Iran. Auch das Selbstverständnis der Golfstaaten wurde infrage gestellt. Sie setzen auf neue Ölexportwege und regionale Allianzen.

Von Paul Jens, ARD Studio Kairo

Bis kurz vor den ersten Angriffen der USA und Israels hatten einige Golfstaaten noch versucht, einen Deal zu vermitteln und den Krieg abzuwenden. Sie ahnten schon: Diese Konfrontation würde auch sie treffen. Dass es so heftig wird, haben die Länder am Persischen Golf aber nicht erwartet.

Ein halbes Jahr nach Ausbruch des Krieges ist die Bilanz der Länder verheerend: Die Raffinerien der Saudis wurden getroffen, die glitzernd-heile Welt in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Gas-Aufbereitungsanlagen in Katar. Und nicht zuletzt wurde die Straße von Hormus als wichtigste Handelsroute der Region durch die Iraner blockiert.

Abdullah al-Otaibi von der Universität in Katar sieht ein Umdenken bei den Golfstaaten: „Es gibt eine Sache, die die Länder der Region zunehmend erkennen: Die Probleme der Region müssen durch Gespräche zwischen den Ländern der Region gelöst werden und nirgendwo anders. Denn die einseitige Kriegsentscheidung der Vereinigten Staaten und Israels hat die Region ins Chaos gestürzt. Und das gegen den Willen der Golfstaaten, die daran gearbeitet hatten, den Krieg zu verhindern.“

Sechs Monate nach Ausbruch des Iran-Kriegs setzt in den Golfstaaten ein Umdenken ein.

Golfstaaten vor demselben Problem wie Europa und NATO

Jahrzehntelang war die Sicherheitsarchitektur der Golfstaaten einfach: Die USA ist als wichtigster Partner in den Ländern präsent, unterhält Militärbasen und sorgt für die nötige Abschreckung. Doch genau diese Präsenz hat Iran als Vorwand genommen, die arabischen Staaten am Persischen Golf mit hereinzuziehen in den Krieg.

Für die Sicherheit in der Region können und wollen die USA keine Verantwortung mehr übernehmen, erklärt Andreas Krieg, Professor am Kings College in London: „Nun – und das ist nicht nur ein Problem mit Trump, sondern ein Problem der Vereinigten Staaten im Allgemeinen – ziehen sich die USA zurück. In vielerlei Hinsicht stehen die Golfstaaten also vor demselben Problem, mit dem auch die NATO und die europäischen Partner konfrontiert sind: Man kann sich nicht mehr auf die Vereinigten Staaten verlassen und muss mehr Eigenständigkeit aufbauen.“

Sich selbst um Sicherheit kümmern

Doch eine neue Sicherheitsarchitektur lässt sich nicht mal eben so über Nacht aufbauen. China und Russland unterstützen im Krieg Iran und fallen als verlässliche Partner erstmal weg. Die Europäer wiederum sind selbst damit beschäftigt, den drohenden Rückzug der USA aus Europa abzufedern. Die einzige Option scheint: sich selbst um die Sicherheit kümmern.

„Es gibt Veränderungen innerhalb der Region“, sagt Abdullah al-Otaibi von der Universität Katar. Wir sehen zum Beispiel, dass Saudi-Arabien eine Militärallianz am Roten Meer bildet. Man sucht seine Verbündeten jetzt in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ich sehe, dass die Länder der Region endlich dazu übergehen, die Probleme der Region selbst zu lösen.“

Vertrauen wiederherstellen

Ein weiteres Zeichen für die neue Strategie: Saudi-Arabien hat mit Pakistan und der Türkei den sogenannten Mekka-Pakt unterzeichnet. Ein Bündnis, das im Falle eines Angriffs auf ein Land die Unterstützung der anderen beiden Länder garantieren soll, ähnlich wie bei der NATO. Den aktuellen Krieg zwischen den USA und Iran werden die neuen Pakte in der Region aber nicht befrieden.

Die Wirtschaft der Länder bleibt daher stark unter Druck: „Je länger sich dies hinzieht, desto mehr Investoren weltweit werden sich von der Region abwenden“, meint Andreas Krieg vom Kings College. „Daher liegt es im Interesse aller Golfstaaten, dafür zu sorgen, dass das Vertrauen bald wiederhergestellt wird. Dafür braucht es eine Einigung.“

Abhängigkeiten verringern

Eine zentrale Aufgabe der Golfstaaten wird in Zukunft darin bestehen, die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zu verringern. Neue Pipelines für den Export von Öl und Gas, neue Importrouten über Land durch den Oman. All das ist in Planung, aber, so Professor Krieg: „Man muss die Infrastruktur dafür aufbauen, und das wird ein paar Jahre dauern.“ Das Problem beim Energieexport bestehe vor allem darin, eine konstante Menge bereitzustellen. „Vor dem Krieg gingen circa 20 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormus. Das schafft man nicht mit einer einzigen neuen Pipeline.“ Wolle man widerstandsfähiger sein, müsse man viele verschiedene Dinge gleichzeitig tun, um diese Durchflussmenge zu erreichen.

Das Selbstverständnis, mit dem die Länder am Persischen Golf viele Jahre Energie exportiert haben, Reichtum angehäuft und sich auf die USA im Rücken verlassen konnten, scheint vorbei. Die üppigen Geldreserven müssen jetzt dazu genutzt werden, eine neue Ordnung am Golf aufzubauen.

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Dr. Heinrich Krämer
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