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Politik

Siebenschläfer: Und jetzt sieben Wochen Hitze?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 27, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 27.06.2026 • 06:22 Uhr

Heute ist Siebenschläfer – der Tag, der einer Bauernregel zufolge das Wetter der nächsten sieben Wochen bestimmen soll. Eine zuverlässige Vorhersage?

Von Florian Zinner und Robert Rönsch, MDR

Ganz ehrlich, die wirklich große Dichtkunst waren Bauernregeln noch nie, da machen auch die Verse rund um den Siebenschläfertag keine Ausnahme. „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“ Oder auch gut: „Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet’s ganze sieben Wochen.“

Was da schon drinsteckt: Es sind die Siebenschläfer. Denn der Gedenktag richtet sich nicht etwa an das possierliche Nagetier, sondern an die Legende der sieben Schläfer von Ephesos – sieben Männer, die aufgrund von Glaubensverfolgung Hunderte Jahre in einer Höhle geschlafen haben.

Weder das Tier, noch der 27. Juni sind wichtig

Und weil diese Erinnerung schon ziemlich alt ist und wir indes den gregorianischen Kalender eingeführt haben, ist unglücklicherweise auch die alte Bauernregel dahin.

Der Siebenschläfertag müsste aus meteorologischer Sicht inzwischen am 7. bis 10. Juli begangen werden – je nachdem, wie genau man es so mit dem Sonnenstand oder nachträglich eingefügten Schaltjahren nimmt, man kennt es ja von den Eisheiligen. Aber genau wäre beim Siebenschläfer ohnehin das falsche Wort. Wirklich relevant ist nicht ein einzelner Tag, sondern eher die Großwetterlage Ende Juni, Anfang Juli.

„Das ist natürlich keine Vorhersage, weil die Vorhersage nur sieben bis zehn Tage verlässlich ist, aber es kann eben durchaus einen statistischen Zusammenhang geben“, sagt Sebastian Sippel, Klimaforscher an der Universität Leipzig. Ein kleiner statistischer Zusammenhang – diese häufige Lesart des Siebenschläfertags wird auch in einer KI-gestützten Datenauswertung des Mitteldeutschen Rundfunks sichtbar.

KI-Auswertung zeigt: Keine verlässliche Vorhersage

Gut verteilt über ausgewählte Wetterstationen von Sylt über Görlitz bis Augsburg zeigt sich hier, dass die Siebenschläferregel in 57 von hundert Sommern zutrifft, was knapp über der Willkür einer geworfenen Münze liegt. Und somit klar macht: Die Großwetterlage Ende Juni, Anfang Juli ist keine verlässliche Wettervorhersage.

Die höchste Trefferquote zeigt sich bei den Wetterstationen in Potsdam, Jena und Berlin-Tempelhof mit Quoten zwischen 60 und 70 Prozent. In Trier und Mannheim geht die Wahrscheinlichkeit, dass die Bauernregel zutrifft, schon in Richtung Zufall. Und in List auf Sylt wäre es sogar treffsicherer, das Wetter auszuwürfeln, statt sich auf die Siebenschläferregel zu verlassen.

In den Jahren 1910 bis 1930 trifft das interessanterweise auf die ausgewählten Stationen insgesamt zu: Siebenschläfer hatte in dieser Zeit keine Chance, einen Wettertrend vorherzusagen. Noch im 19. Jahrhundert konnte die Bauernregel aber eine Trefferwahrscheinlichkeit von bis zu 70 Prozent erreichen, und auch nach 1930 wurde sie wieder zuverlässiger.

Dieses Auf und Ab steht im Gegensatz zur Schafskälte, einem Kälteeinbruch im Juni – die trat früher mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf, verschwindet inzwischen aber im statistischen Rauschen.

Siebenschläfer eher unzuverlässig – im Gegensatz zur klimawandelbedingten Hitze

Die MDR-Datenauswertung zeigt aber deutliche Einschränkungen: Bei einer Regentendenz funktioniert die Bauernregel kaum, und die „Vorhersage“ beschränkt sich eher auf die nächsten zwei statt sieben Wochen. Bei sonnigem Hochdruckwetter ist die Trefferquote hingegen am besten.

„Empirisch ist es bestätigt, das sehen wir auch in unserer Forschung, dass diese Zunahme von Hitzeextremen in den letzten Jahrzehnten in Europa durch häufigere Hochdrucklagen mit beeinflusst wird“, erklärt Klimaforscher Sippel. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Klimaattribution – er geht also, vereinfacht gesagt, der Frage nach, wie viel Klimawandel im Wetter steckt.

Mehr Hochdruck würde auch für die Siebenschläferregel möglicherweise etwas mehr Treffsicherheit bedeuten. Aber: „Dieser Trend hin zu mehr Hochdrucklagen: Bedeutet es jetzt, dass das der Klimawandel war? Dieser Zusammenhang ist tatsächlich nicht so einfach zu belegen.“

„Klimawandel hat Hitzewellen wärmer gemacht!

Auch wenn es wissenschaftliche Tendenzen gibt, die in diese Richtung gehen, hat die Attributionsforschung hier noch keine eindeutigen Antworten gefunden. Pauschal lässt sich also nicht sagen, dass der Klimawandel die Siebenschläferregel treffsicherer macht, weil er zu mehr und länger anhaltenden Hochdrucklagen führt.

Was eine aktuelle Analyse von Forschenden des Climameter-Konsortiums hingegen ganz deutlich zeigt: Die Zahl der klimawandelbedingten Hitzewellen an sich könnten wir bisher unterschätzt haben. Und: „Es ist auf jeden Fall davon auszugehen, dass der Klimawandel in dieser Größenordnung die Hitzewellen wärmer gemacht hat“, so Sippel.

Siebenschläfer hin oder her: Nun ist es an der Gesellschaft, sich daran anzupassen und insbesondere anfällige Menschengruppen zu schützen. Vielleicht es auch so zu machen wie die sieben Schläfer von Ephesos – oder das possierliche und ohnehin nachtaktive Nagetier: und sich eben einfach in eine kühle Höhle verkriechen.

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