Auf dem Roten Platz in Moskau hat unter massiven Sicherheitsvorkehrungen die große Militärparade zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland stattgefunden. Statt Panzer vorzuführen, wurden Videoclips gezeigt.
Traditionelle Normalität sollte die diesjährige Militärparade zum Tag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland demonstrieren. Es wirkte wie traditionelle Normalität in unnormalen Zeiten. Die Siegesparade begann um 10 Uhr Moskauer Zeit (9 Uhr MESZ).
Wie traditionell üblich nahm der Verteidigungsminister der Russischen Föderation, Andrej Belousow, die Parade ab. In einem offenen Auto stehend fuhr er salutierend Einheiten aller Waffengattungen ab.
Und ganz in der Tradition früherer Siegesparaden hielt Kremlchef Wladimir Putin eine kurze Rede: Vor Veteranen der Sowjetarmee, ein paar Staats- und anderen Ehrengästen – und den Kameras des Staatsfernsehens. Putin erinnerte an die Verbrechen Nazi-Deutschlands – und daran, dass sich die Streitkräfte der Sowjetunion dem entgegenstellt haben.
Beleidigungen in Richtung Kiews
Normal ist mittlerweile auch, dass Putin in seiner Rede zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges einen Vergleich zieht zwischen dem Krieg gegen Nazi-Deutschland und seiner „militärischen Spezialoperation“, wie der Krieg gegen die Ukraine in Russland genannt werden muss. Immer wieder beleidigt das politische Moskau die Führung in Kiew als „Neonazi-Regime“ oder einfach als „Nazis“.
Die große Heldentat der „Generation der Sieger“ habe die Soldaten inspiriert, die heute die Aufgaben der „Spezialoperation“ erfüllten, sagte Putin. „Sie stellen sich einer aggressiven Macht entgegen, die vom gesamten NATO-Block bewaffnet und unterstützt wird. Und trotzdem marschieren unsere Helden vorwärts.“ Kriegsherren müssten in gewisser Weise Berufsoptimisten sein.
Der Kremlchef zeigte sich überzeugt, dass er und seine Streitkräfte den Krieg gegen die Ukraine gewinnen können. „Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Sache gerecht ist. Wir stehen zusammen“, sagte Putin. „Der Sieg war immer auf unserer Seite und wird es immer sein. Ruhm dem siegreichen Volk! Ruhm den Veteranen! Ruhm den Streitkräften Russlands!“
Videoeinspieler statt Waffenschau
Und dann war da das Unnormale im traditionell Normalen: In diesem Jahr ist bei der Siegesparade die Präsentation moderner Kriegstechnik weggefallen. Das war vorab vom Verteidigungsministerium angekündigt worden. Zur Begründung wurde die „operative Situation“ angebracht. Gemeint sind die verstärkten Angriffe der Ukraine. Sie setzen die russische Führung zunehmend unter Druck.
Statt moderne Panzer und Raketensysteme über den Roten Platz rollen zu lassen, wurden perfekt choreographierte Videoclips gezeigt – von den Einsätzen der Streitkräfte der russischen Föderation: Marine, Heer, Luftwaffe, Drohneneinheiten.
Filme, die auch auf einer Waffenmesse laufen könnten
„Soldaten der Streitkräfte der Russischen Föderation stehen im Kampfeinsatz, um die Land-, Luft- und Seegrenzen unseres Vaterlandes zu verteidigen“, hieß es in den Videos. „Das Personal der Vereinigten Truppengruppe erfüllt Kampfeinsätze im Gebiet der ’speziellen Militäroperation‘.“
Die verschlankte Siegesparade in diesem Jahr gilt als Spiegelbild der Situation in Putins Angriffskrieg. Dabei wurde sie zu einer Mischung aus ernsthaftem Gedenken an die sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, viel traditionellem Tschingderassabum und Filmen, die so auch auf einer Waffenmesse laufen könnten.

