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Politik

So lief die Debatte um die Guterres-Nachfolge

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 24, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 24.07.2026 • 07:37 Uhr

Wer folgt auf UN-Generalsekretär Guterres? Sechs Bewerberinnen und Bewerber stellten sich in einer öffentlichen Debatte vor. Was sie einte: der Wunsch nach starken Vereinten Nationen.

Martin Ganslmeier

Der große Verlierer der Debatte war im Saal der Generalversammlung gar nicht anwesend. Der noch amtierende UN-Generalsekretär António Guterres wurde zwar namentlich nicht erwähnt, doch alle Kandidaten für seine Nachfolge kamen zu einem ähnlich ernüchternden Urteil: Die Vereinten Nationen stehen derzeit im Abseits.

Auf den Punkt brachte es der Argentinier Rafael Grossi, der Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA:

„Die Vereinten Nationen sind an der Lösung der schwerwiegendsten Konflikte, die wir erleben, nicht beteiligt.“

Wobei Guterres wahrscheinlich entgegnet hätte, dass dies nicht seine Schuld sei, sondern die der Vetomächte im UN-Sicherheitsrat, die sich bei den wichtigsten Kriegen und Konflikten oft gegenseitig blockieren.

Dass ein Generalsekretär oft mehr „Sekretär“ als „General“ ist, wollte Grossi nicht gelten lassen. Der 65-Jährige sagte, in seinem jetzigen Amt als IAEA-Chef habe er mehrfach erfolgreich Russland und die Ukraine zusammengebracht: „Wir haben bis jetzt sechs Feuerpausen vermittelt, um unverzichtbare Reparaturen am Atomkraftwerk Saporischschja durchzuführen, die einen großen Unfall verhindert haben.“

Grynspan will UN, die „wieder mit am Tisch sitzt“

Unter den vier Kandidatinnen hinterließ Rebeca Grynspan den besten Eindruck. Die ehemalige Vizepräsidentin von Costa Rica ist Wirtschaftsexpertin und Generalsekretärin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Auch sie habe erfolgreich zwischen Russland und der Ukraine vermittelt, betonte Grynspan.

Vor vier Jahren erreichte sie das Getreideabkommen, das eine weltweite Hungerkrise verhinderte. Als UN-Generalsekretärin werde sie sich für Frieden durch gemeinsamen Handel einsetzen und gegen Zölle und Protektionismus. Nach ihrer ersten fünfjährigen Amtszeit solle niemand mehr fragen: „Wo ist die UN?“ Stattdessen wünsche sie eine UN, die „wieder mit am Tisch sitzt“.

Die Fragen der beiden Moderatoren und der im Saal anwesenden UN-Botschafter waren breit gestreut: Was ist zu tun, wenn eine Vetomacht blockiert? Was ist in den ersten 100 Tagen in Angriff zu nehmen? Wie kann die UN reformiert und effizienter gemacht machen?

Chiles frühere Präsidentin hat wenig Chancen

Eher blass und zu umständlich in ihren Antworten blieb die bekannteste Bewerberin: Michelle Bachelet, die frühere Präsidentin von Chile. Ihre Kandidatur gilt schon jetzt als aussichtslos, weil ihr Einsatz für Frauenrechte der Trump-Regierung missfällt. Auch die frühere Außenministerin von Ecuador, María Fernanda Espinosa, und der frühere Präsident von Senegal, Macky Sall, konnten nicht überzeugen.

Bei den anwesenden UN-Mitarbeitern im Saal kam die jüngste Kandidatin am besten an: die 52-jährige UN-Botschafterin aus Guyana, Carolyn Rodrigues-Birkett.

Am Ende ausschlaggebend sind jedoch die 15 Mitgliedsstaaten im UN-Sicherheitsrat. Erforderlich sind dort mindestens neun Ja-Stimmen. Und wichtiger noch: Keine der fünf Vetomächte darf Nein sagen. Gut möglich, dass am Ende die USA, China und Russland die Guterres-Nachfolge doch wieder unter sich ausmachen.

Ebenfalls möglich ist, dass der Wunsch von Annalena Baerbock, Präsidentin der UN-Generalversammlung, nach der ersten Frau an der Spitze der Vereinten Nationen wieder nicht in Erfüllung geht.

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Dr. Heinrich Krämer
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