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Politik

Solarförderung: Streit über geplante Kürzung bei Hausdachanlagen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 26, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 26.05.2026 • 06:29 Uhr

Das Geschäft mit Solaranlagen auf Einfamilienhäusern erlebt einen Boom. Das Wirtschaftsministerium will staatliche Zuschüsse streichen. Überfällig, sagen die einen. Kritiker warnen vor einem Dämpfer für die Energiewende.

Oliver Bemelmann

Johannes Baumert

Seit die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bekannt sind, steht bei Henning Lorang das Telefon kaum noch still. „Uns haben unglaublich viele Menschen kontaktiert und gesagt, dass sie an einer Photovoltaikanlage interessiert sind, solange es die Einspeisevergütung noch gibt.“

Lorang betreibt eine Firma in der Nähe von Trier, die Solaranlagen und Batteriespeicher installiert. Noch gibt es Geld vom Staat für den Strom, der vom Hausdach ins Stromnetz eingespeist wird. Doch er spüre die Verunsicherung vieler Kunden und Anlagenbauer, weil die staatliche Förderung kleiner PV-Anlagen gestoppt werden soll.

Was ist die Einspeisevergütung?

Bisher funktioniert die Förderung so: Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert, kann den erzeugten Strom selbst nutzen oder ins öffentliche Netz einspeisen. Dafür gibt es die sogenannte Einspeisevergütung, eine staatlich garantierte Förderung über 20 Jahre. Wie hoch sie ausfällt, hängt unter anderem von der Größe der Anlage ab. Für neue Anlagen bis zehn Kilowatt Leistung liegt sie derzeit bei 7,78 Cent pro Kilowattstunde.

Verbraucher kalkulieren mit der Vergütung

Davon profitiert auch Thomas Fickert aus der Nähe von Trier. Auf dem Hausdach des Rentners montieren Arbeiter derzeit eine Solaranlage. „Wegen des Klimawandels und um die Energiekosten zu senken“, erzählt Fickert. Vor zwei Jahren habe er bereits eine Wärmepumpe einbauen lassen. Er will sein Haus komplett auf Strom aus Erneuerbaren Energien umrüsten.

Die Anlage mit elf Kilowatt Leistung hat 18.000 Euro gekostet, inklusive Batteriespeicher im Keller, so Fickert. Er geht davon aus, dass sich die Investition in spätestens zwölf Jahren bezahlt macht. Nur etwa die Hälfte des Stroms brauche er für den Eigenverbrauch, den Rest will er ins Netz einspeisen. Durch die Einspeisevergütung kann er mit Einnahmen von mehreren hundert Euro jährlich rechnen. Ohne die Förderung hätte er eine deutlich kleinere Anlage auf sein Dach bauen lassen und nicht so viel Geld investiert, sagt Fickert.

Debatte über geplantes Förder-Aus

Doch mit der Einspeisevergütung könnte bald Schluss sein. Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums sehen vor, diese Förderung ab 2027 für neue, kleinere Anlagen zu streichen. Das zentrale Argument von Bundeswirtschaftsministerin Reiche: Photovoltaikanlagen seien in den vergangenen Jahren günstiger geworden und rechneten sich daher ohnehin für den privaten Verbraucher – auch ohne Förderung. Doch stimmt das so?

„Grundsätzlich ist das richtig“, sagt Ralph Henger, Immobilien-Ökonom vom Institut der deutschen Wirtschaft. Entsprechend sei es auch sinnvoll, die Einspeisevergütung auslaufen zu lassen. Photovoltaik sei inzwischen marktfähig. Der Ausbau von PV-Anlagen bei Ein- und Zweifamilienhäusern komme gut voran und sei in den meisten Fällen wirtschaftlich. Das liege am gestiegenen Eigenverbrauch: Es lohne sich vor allem, wenn Eigentümer auch Wärmepumpen nutzen oder das E-Auto laden.

Laut Henger ist die aktuelle Energiewende jedoch nicht gerecht austariert. So würden Eigentümer von Einfamilienhäusern mit der Einspeisevergütung finanziell gefördert und damit bevorteilt, während es beim Solar-Ausbau von mehrgeschossigen Gebäuden und Mehrfamilienhäusern überhaupt nicht vorangehe. Dort, wo zum Beispiel Mieterstrommodelle angeboten werden könnten.

Kritiker: Förderstopp „schreckt Menschen ab“

„Die geplanten Maßnahmen gehen in die falsche Richtung“, sagt hingegen Volker Quaschning und warnt, den Ausbau Erneuerbarer Energien auszubremsen. Er forscht zu regenerativen Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Für die Bürger werde es komplizierter und unattraktiver, kleine Solaranlagen zu bauen und zu refinanzieren, so Quaschning.

Um die Klimaziele zu erreichen, müsse Deutschland schnellstmöglich von Öl, Kohle und Gas unabhängig werden. Er plädiere für deutlich mehr Tempo beim Ausbau der Solar- und Windenergie und fordere ein klares Bekenntnis zur Energiewende: „Die Bundesregierung eiert ja eher rum und sagt, ein bisschen langsamer wäre auch ganz schön. Und das sind einfach die falschen Vorzeichen in der jetzigen Zeit.“

Überlastete Netze und hohe Kosten

Doch ein schneller Ausbau kann auch zum Problem werden. Besonders an sonnigen Tagen, wenn viele Solaranlagen gleichzeitig Strom produzieren, entsteht häufig ein Überschuss im Netz. Kurzfristig wird dann mehr Strom erzeugt als verbraucht wird. Dieser muss dennoch abgenommen werden, weil er nur schwer gespeichert werden kann. Teilweise zahlen Energieversorger sogar dafür, dass andere Länder oder Kunden ihnen den überschüssigen Strom abnehmen. Schätzungen zufolge kostet das den Steuerzahler mehrere Milliarden Euro im Jahr – bezahlt aus dem Bundeshaushalt, also von Steuergeld.

Ökonom Ralph Henger plädiert deshalb dafür, mehr in den Netzausbau und in die Digitalisierung zu investieren, statt weiter den Solarausbau bei Ein- und Zweifamilienhäusern zu subventionieren. „Aktuell passt der Ausbau nicht zusammen mit den Kapazitäten im Netz. Das Netz ist nicht digitalisiert, und die Probleme sind, dass wir Preisspitzen haben, dass wir letztendlich die Erneuerbaren nicht ins System einbringen können und dann zu hohe Systemkosten haben.“

Direktvermarktung ja oder nein?

Im Kern sieht der Gesetzesentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums also weniger staatliche Subventionen, einen stärkeren Fokus auf Eigenverbrauch und mehr Direktvermarktung vor. Das heißt, Betreiber kleinerer PV-Anlagen, also etwa Hauseigentümer, sollen künftig den von ihnen produzierten, überschüssigen Strom selbst vermarkten – ihn also etwa über einen Direktvermarkter an der Strombörse verkaufen.

Dafür benötigen Anlagen-Betreiber einen intelligenten Stromzähler, einen sogenannten Smart Meter. Dieser erfasst den eigenen Verbrauch minutengenau: Per App können Verbraucherinnen und Verbraucher den aktuellen Börsen-Strompreis einsehen und so Stromverbrauch und Kosten besser steuern.

Das Problem: Deutschland hinkt beim Ausbau solcher Systeme unter anderem wegen hoher IT-Anforderungen hinterher. Laut Ralph Henger ist daher „für viele Eigentümer der Wechsel in die Direktvermarktung derzeit praktisch kaum möglich“, weil die hierfür erforderlichen technischen Voraussetzungen wie Smart Meter in vielen Gebäuden bislang noch nicht vorhanden sei.

Sorge vor Umsatzeinbußen

Eigenheimbesitzer Thomas Fickert treffen die geplanten Kürzungen jedenfalls nicht. Bestehende Anlagen sind davon ausgenommen. Einen Smart Meter hat der Rentner noch keinen, braucht er dank Einspeisevergütung auch erstmal nicht.

Anlagenbauer Henning Lorang fürchtet für seine Branche angesichts der geplanten Reform einen dramatischen Markteinbruch. Ohne Einspeisevergütung würden künftig deutlich weniger Kunden in größere Anlagen investieren, glaubt Lorang.

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