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Startseite»Politik»SpaceX im MSCI World: Was ETF-Anleger wissen müssen
Politik

SpaceX im MSCI World: Was ETF-Anleger wissen müssen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.06.2026 • 06:01 Uhr

Die SpaceX-Aktie wird heute in den MSCI World aufgenommen. Damit werden viele ETF-Sparer indirekt zu SpaceX-Aktionären. Welche Risiken damit verbunden sind – und worauf Anleger achten sollten.

Angela Göpfert

Der Hype um die SpaceX-Aktie lässt offenbar auch viele deutsche Privatanleger nicht kalt. Beim Broker Flatex war die Aktie von Elon Musks Weltraum- und Technologiekonzern an den ersten fünf Handelstagen mit 32.000 Trades in Deutschland der mit Abstand meistgehandelte Wert – das waren zehnmal mehr Trades als Nvidia und über 30-mal mehr als Tesla im gleichen Zeitraum.

MSCI World ist wichtiger Index für ETFs

Doch künftig könnten auch viele Anleger indirekt zu SpaceX-Aktionären werden, die mit diesem Hype nichts zu tun haben wollen. Heute nimmt der Indexanbieter MSCI die SpaceX-Aktie in den MSCI World und den All Country World Index (ACWI) auf.

ETFs auf diese Indizes gibt es von diversen Anbietern; sie stecken in vielen Depots deutscher Privatanleger – häufig in Form eines ETF-Sparplans. Laut der Deutschen Börse war der MSCI World im vergangenen Jahr mit 22,6 Milliarden Euro der Referenzindex mit dem höchsten ETF-Handelsumsatz auf Xetra.

Warum ETFs SpaceX kaufen müssen

Mit der Aufnahme von SpaceX in den MSCI World müssen große Indexfonds wie etwa der iShares Core MSCI World ETF ihre Portfolios anpassen: Sie müssen den Index nachbilden und daher auch SpaceX-Aktien kaufen.

Das schürt die Nachfrage nach dem Titel – und das führt wiederum zu Preisen, die durch künstliche Knappheit bestimmt werden. Denn der Streubesitz, also der Anteil der frei handelbaren SpaceX-Aktien, liegt bei gerade einmal vier Prozent. Die Indexaufnahme kann folglich den Kurs stützen, aber auch Übertreibungen verstärken.

Warum SpaceX im MSCI World klein startet

Allerdings wird SpaceX trotz seiner Billionenbewertung nicht direkt zu den Top-Werten im MSCI World gehören. Denn MSCI gewichtet Aktien grundsätzlich nach der frei handelbaren Marktkapitalisierung.

Christian Röhl, Chefökonom von Scalable Capital, schätzt den SpaceX-Anteil im MSCI World anfänglich auf etwa 0,1 Prozent. Die „Hysterie“, dass SpaceX aus dem Stand ein Schwergewicht in den weltweiten Indizes werde und somit ETF-Anlegerinnen und -Anleger diesen Mega-Börsengang schultern müssten, sei „übertrieben“, betont Röhl im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Ein Rechenbeispiel macht klar, dass selbst deutliche Kursverluste bei SpaceX den Index kaum bewegen würden: Fiele SpaceX etwa um zehn Prozent, würde das den MSCI World bei einem Gewicht von 0,1 Prozent rechnerisch nur um 0,01 Prozent nach unten ziehen.

Die Top-10-Werte im MSCI World
Unternehmen Index-Gewicht (in %)
Nvidia

5,64

Apple

5,05

Microsoft

3,50

Amazon

2,86

Alphabet A

2,44

Broadcom

2,21

Alphabet C

2,02

Meta

1,52

Tesla

1,36

Micron

1,20

Total

27,79

Neue Nasdaq-100-Regeln erleichtern Aufnahme

Dabei ist der MSCI World nicht der einzige Index, der SpaceX rasch aufnehmen wird. In den Nasdaq 100 kommt SpaceX voraussichtlich am 6. Juli – und damit deutlich früher, als das bis vor kurzem noch möglich war. Die Nasdaq hat nämlich extra im Vorfeld des Börsengangs ihre Regeln geändert und etwa die „Fast Entry“-Zeit verkürzt – von mehreren Monaten auf 15 Handelstage.

Zugleich werden Aktien mit niedrigem Streubesitz (unter 33,3 Prozent) nun mit bis zum Dreifachen der frei handelbaren Aktien gewichtet. Viele Marktexperten sehen das kritisch, so auch Christian Maschner vom Family Office FINVIA, das vermögende Privatkunden und Unternehmerfamilien berät. „Was uns ein bisschen sauer aufgestoßen ist, ist die Tatsache, dass einige Indexanbieter tatsächlich so eine Art ‚Lex SpaceX‘ haben – nur damit die Aktie noch schneller in die Indizes und damit in die ETFs kommt.“

Warum SpaceX nicht in den S&P 500 kommt

Es gibt aber auch Gegenbeispiele: So hat sich S&P Dow Jones Indices im Vorfeld des SpaceX-Börsengangs ganz bewusst dafür entschieden, für Mega-IPOs nicht seine strikten Regeln zu ändern.

Zu den Aufnahmekriterien gehört unter anderem ein Streubesitz von mindestens zehn Prozent und Profitabilität – also ein Gewinn im jüngsten Quartal und über die vergangenen vier Quartale hinweg. Zudem muss die Aktie mindestens zwölf Monate lang an einer zugelassenen Börse gehandelt worden sein. All das trifft auf SpaceX nicht zu – so lag allein der Nettoverlust im ersten Quartal 2026 bei 4,3 Milliarden Dollar.

Der Raumfahrtkonzern bleibt daher beim S&P 500 vorerst außen vor. Seinem Chef Elon Musk könnte das bekannt vorkommen: „Tesla hat damals fast zehn Jahre gebraucht, um in den S&P 500 zu kommen“, betont FINVIA-Experte Maschner.

SpaceX-Aktie schwankt stark

Durch die rasche Aufnahme von SpaceX in den MSCI World und den Nasdaq 100 werden ETF-Anleger direkt den Risiken von hoch bewerteten Mega-IPOs ausgesetzt. Eine gehypte Einzelaktie wird für viele passive Anleger plötzlich zum Baustein der Altersvorsorge.

Dabei sind hohe Kursschwankungen bei SpaceX an der Tagesordnung: Seit dem viel beachteten Handelsstart am 12. Juni sind die Titel in der Spitze um 67 Prozent gestiegen und anschließend um bis zu 35 Prozent gefallen. Aufgrund des niedrigen Streubesitzes bewegt jede größere Order – ob Kauf oder Verkauf – den Kurs überproportional.

Insiderverkäufe könnten SpaceX belasten

In den kommenden Monaten könnten Insiderverkäufe für zusätzlichen Druck auf die Aktie sorgen. Während die meisten neu börsennotierten Unternehmen Insiderverkäufe für etwa sechs Monate nach der Notierung einschränken, hat SpaceX Ausnahmen geschaffen. Bis Anfang September könnten Insider laut Marktexperten potenziell bis zu 44 Prozent der SpaceX-Aktien verkaufen.

Das hat auch für ETF-Anleger Folgen: „Dann wird natürlich der Streubesitz steigen – und damit ceteris paribus auch der Anteil von SpaceX in den Indizes“, betont Scalable-Chefökonom Röhl.

Klumpenrisiko im MSCI World bleibt

Unterm Strich bleibt die gute Nachricht für passive Anleger: Weder im MSCI World, noch im Nasdaq 100 wird die SpaceX-Aktie aus dem Stand zum Schwergewicht. Doch das könnte sich im Laufe der Zeit ändern.

Zugleich ist das Klumpenrisiko im MSCI World bereits ohne SpaceX enorm: Mittlerweile machen US-Unternehmen fast 75 Prozent des Index aus. Allein die „Magnificent Seven“, also Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Tesla und Nvidia, haben ein Gewicht von zusammen über 24 Prozent.

Für Privatanleger ist jetzt somit ein guter Zeitpunkt, noch einmal genauer hinzuschauen: Welcher Index steckt hinter dem eigenen ETF-Sparplan – und welche Indexregeln gelten? Der Fall SpaceX zeigt, wie stark diese darüber entscheiden, welche Aktien automatisch indirekt in vielen Depots landen.

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Dr. Heinrich Krämer
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