Die traditionellen Militärmanöver der USA und Südkoreas fallen in diesem Jahr deutlich kürzer aus als geplant. US-Präsident Trump hatte die Übungen zuvor als „feindseliges Signal“ kritisiert – und Seoul mangelnde Unterstützung vorgeworfen.
Die USA und Südkorea haben wie angekündigt ihr gemeinsames Militärmanöver „Ulchi Freedom Shield“ sechs Tage früher als ursprünglich geplant beendet. Das teilte das südkoreanische Militär nun mit. Südkoreanische Regierungsvertreter hatten diesen Schritt bereits am Mittwoch bekanntgegeben, ohne eine offizielle Begründung zu nennen.
US-Präsident Donald Trump hatte das Verteidigungsministerium am vergangenen Sonntag angewiesen, die gemeinsamen Übungen deutlich zu reduzieren – einen Tag vor ihrem Beginn. Als Gründe nannte er auf seiner Online-Plattform Truth Social die nach seinen Angaben guten Beziehungen zum nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un sowie die Weigerung Südkoreas, sich am US-Krieg gegen Iran zu beteiligen.
Er sei nicht glücklich darüber, dass die USA vor langer Zeit solchen gemeinsamen Übungen zugestimmt hätten. Diese sendeten ein „völlig unangemessenes und feindseliges Signal“.
Zudem bejahte Trump am Mittwoch die Frage, ob er damit rechne, Kim noch in diesem Jahr zu treffen. Südkoreas Präsident Lee Jae Myung hatte sich Mitte August ebenfalls für direkte Gespräche mit dem nordkoreanischen Staatschef ausgesprochen.
Nordkorea sieht weiter „provokativen Charakter“
Nordkoreas Führung behauptet, die jährlichen Manöver seien Probeläufe für eine Invasion in das atomar bewaffnete Land. Pjöngjang machte zudem deutlich, dass das vorzeitige Ende des Manövers für eine Rückkehr zu Gesprächen nicht ausreiche.
Kims einflussreiche Schwester Kim Yo Jong erklärte am Mittwoch laut nordkoreanischen Staatsmedien, es ändere nichts an dem „provokativen und offensiven Charakter“ der Manöver. Es handele sich weiterhin um feindselige Militärübungen gegen Nordkorea. Tags darauf feuerte das Land etwa zehn ballistische Raketen in Richtung des Meeres ab.
Kim sagte zudem, sie wisse von keiner Kommunikation zwischen den Staatschefs Nordkoreas und der USA. Sie räumte aber ein, dass Nordkoreas Machthaber „gute Erinnerungen“ an Trump hege und die beiden eine nach wie vor gute Beziehung verbinde.
Noch am Dienstag hatte Südkoreas Präsident Lee betont, die Manöver mit den USA spiegelten „keine Absicht wider, Nordkorea anzugreifen oder die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu verschärfen“. Das grundlegende Ziel bestehe nicht darin, „jemanden als Gegner zu betrachten“, betonte er laut einer Mitteilung seines Büros. Vielmehr gehe es darum, „den Alltag der Bevölkerung in Sicherheit und Frieden zu gewährleisten“.
Soldaten der US-Armee bauen während einer Übung auf einem Fluss in Yeoncheon, Südkorea, nahe der Grenze zu Nordkorea, eine Schwimmbrücke ab.
Manöver ohne simulierte Gegenoffensive
Im Rahmen der ursprünglich auf elf Tage angelegten US-südkoreanischen Stabsübung war bis heute die Simulation von Verteidigungseinsätzen für den Fall eines nordkoreanischen Angriffs angesetzt gewesen. Anschließend hatten in einer zweiten Phase bis zum 27. August Gegenoffensiven simuliert werden sollen. Auch die Zahl gemeinsamer Übungen im Gelände wurde reduziert. Statt der ursprünglich geplanten 14 Manöver sollten laut dem südkoreanischen Militär nur sieben stattfinden.
Nordkorea ist international weitgehend isoliert, unter anderem wegen seines Raketenprogramms und der Entwicklung von Atomwaffen. Politisch und wirtschaftlich wird das Land jedoch zunehmend von China und Russland unterstützt.
