Mit der Telekom und dem Rüstungskonzern Rheinmetall arbeiten gleich zwei große DAX-Konzerne an einem Abwehrschild für Drohnen. Die ferngelenkten Objekte werden zunehmend zum Problem.
Es geht um Staudämme, Brücken oder Kraftwerke, also wichtige zivile Infrastruktur. Um diese besser gegen Drohnen zu schützen, arbeiten die beiden DAX-Konzerne Deutsche Telekom und Rheinmetall zusammen. Ziel ist es, einen Drohnenabwehrschirm zu entwickeln. Dabei sollen die Drohnen frühzeitig erkannt und durch Störsignale oder möglicherweise Laserschüsse abgefangen werden.
Die beiden Firmen gaben heute das entsprechende Entwicklungsvorhaben für einen Drohnen-Schutzschild bekannt. Es ist noch in einem frühen Stadium.
Die Bedrohung ist digital
„Die Bedrohung durch Drohnen ist hochgradig digital“, sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Zur Abwehr brauche es eine Verbindung aus Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen. „Rheinmetall und die Deutsche Telekom bündeln genau diese Fähigkeiten.“
Telekom-Chef Tim Höttges verweist auf die Kompetenz seiner Firma zur Konnektivität, Cloud und Datenanalyse, womit die Drohnenabwehr „auf ein neues Level“ gehievt werde: „Gemeinsam mit Rheinmetall stärken wir so die Souveränität und leisten unseren Beitrag dazu, Sorgen in der Bevölkerung zu reduzieren.“
Gebündelte Kompetenz
Die beiden Unternehmen arbeiten bereits seit Längerem bei der Erkennung und Bekämpfung von Drohnen zusammen. Die Telekom nutzt spezielle Sensoren, die an Mobilfunkmasten montiert werden können, um über die Funksignale von Fernsteuerungen Drohnen zu orten.
Diese Technologie kam unter anderem bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 zum Einsatz. Zudem erforscht der Bonner Konzern, wie sich über das Mobilfunknetz gesteuerte Drohnen aufspüren lassen.
Drohnen bislang meist per Funk ferngesteuert
Bislang werden die meisten Drohnen am Himmel über Deutschland per Fernsteuerung von Piloten gesteuert, und zwar über eine Funk-Frequenz, auf Englisch Radio Frequency (RF) genannt.
Die Funksignale lassen sich über sogenannte RF-Sensoren erkennen. Die Telekom setzt hierbei passive RF-Sensoren ein, die kein aktives Suchsignal aussenden. Das Gute daran: Wenn man sie an Funkmasten befestigt, stören sie dort Mobilfunktechnik nicht.
Entwicklererfahrung fließt mit ein
Rheinmetall wiederum baut nicht nur selbst Drohnen, sondern hat auch Erfahrung mit der Bekämpfung und dem Abfangen von feindlichen Drohnen. Dabei greift die Firma auf spezielle Sensortechnologien zurück.
Hierbei geht es nicht nur um den militärischen Einsatz, sondern auch um den Schutz ziviler Bereiche. So hat Rheinmetall Ende vergangenen Jahres eine Partnerschaft mit der Hamburger Polizei und dem Hamburger Hafen geschlossen, um Lösungen für mögliche Drohnen-Bedrohungen zu finden.
Das Handynetz wird immer besser
Was für den Nutzer gut ist, muss unter Sicherheitsaspekten anders betrachtet werden: Fakt ist, dass die deutschen Handynetze immer besser werden. Dies ermöglicht allerdings auch, Drohnen zunehmend über Handys und damit von überall über das Internet zu steuern – und nicht mehr unbedingt in Sichtweite.
Das stellt Firmen und Behörden vor eine neue Herausforderung. Die Telekom erforscht mit der Hamburger Bundeswehruniversität, wie sich solche Drohnen finden lassen. Hierfür wird das Mobilfunknetz selbst zu einer Art Radar, das bestimmte Auffälligkeiten im Datenverkehr erfasst.
Dadurch wiederum sollen die Drohnen frühzeitig erkannt werden. Diese neue Art der Abwehr von Mobilfunk-Drohnen soll ebenfalls in das Gemeinschaftsvorhaben der Telekom und von Rheinmetall einfließen.
