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Tower in Tiflis?: Trump und sein verrückter Traum vom „Monte Carlo des Kaukasus“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 31, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Tower in Tiflis?Trump und sein verrückter Traum vom „Monte Carlo des Kaukasus“

31.05.2026, 17:06 Uhr

Von Kevin Schulte
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Das Original steht auf der Fifth Avenue in New York, insgesamt gibt es mehr als ein Dutzend Trump Tower auf der Welt. (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

Schon 2012 träumt Donald Trump erstmals vom „Monte Carlo des Kaukasus“. In Georgien will der spätere US-Präsident seinen größten Exportschlager bauen, den Trump Tower. Nach jahrelangem Hickhack soll es 14 Jahre später tatsächlich losgehen – unter undurchsichtigen Umständen.

Im Jahr 2012 ist Donald Trump in erster Linie noch Immobilienmogul. In dieser Rolle reist der aktuelle US-Präsident damals nach Georgien. Dort kündigt er feierlich an, dass er sich mit zwei Trump-Towern im Land verewigen möchte. Einer der Türme solle in der Schwarzmeerstadt Batumi, der andere in der Hauptstadt Tiflis gebaut werden. Bei Trumps Besuch in Georgien fällt auch das Zitat vom „Monte Carlo des Kaukasus“.

Trumps Georgien-Projekt sollte der Startpunkt für weitere Trump-Deals im postsowjetischen Raum sein, berichtete das Wirtschaftsmagazin „Bloomberg“ einige Jahre später.

Die Sterne standen im Jahr 2012 ziemlich gut für Trump. Der damals mächtigste Mann Georgiens war Trumps Fürsprecher: Milliardär Michail Saakaschwili, der die ehemalige Sowjetrepublik von 2004 bis 2013 als Präsident vorstand. Berichten zufolge pflegten Saakaschwili und Trump sogar eine persönliche Freundschaft. Heute ist der Stern Saakaschwilis längst erloschen. Der Ex-Präsident büßt eine Gefängnisstrafe ab. Das Gericht sah es 2018 als erwiesen an, dass Saakaschwili im Jahr 2005 angeordnet hat, einen Abgeordneten der georgischen Opposition verprügeln zu lassen. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes sitzt Saakaschwili die Haft im Krankenhaus ab.

Doch nach Saakaschwilis Abwahl als Präsident rückte Trumps Tower-Projekt in den Hintergrund. Bidsina Iwanischwili, Kurzzeit-Ministerpräsident von 2012 bis 2013 und Gründer der Partei Georgischer Traum, stemmte sich entschieden gegen die Türme. Es folgte ein jahrelanges Hin und Her, ehe das Vorhaben im Januar dieses Jahres endgültig abgeblasen wurde. Als Grund wurden mögliche politische Interessenkonflikte von Donald Trump genannt.

Die Trump Organization, das Familienunternehmen des US-Präsidenten, gab im Januar dieses Jahres bekannt, dass Investitionen, Vermögenswerte und Geschäftsbeteiligungen von Donald Trump in einem von seinen Kindern verwalteten Trust gehalten würden. Trump spiele auch keine Rolle im Tagesgeschäft oder bei der Entscheidungsfindung.

„Sehr viel Skepsis in Tiflis“

Der georgische Trump-Traum schien ausgeträumt. Doch dann gab es eine weitere Kehrtwende: Im April hieß es plötzlich, die Trump Organization werde jetzt doch einen Trump Tower in Georgien bauen, und zwar in Tiflis, meldete das „Wall Street Journal“. Von einer „sehr überraschenden Wendung“ spricht der Politikwissenschaftler und Risikoanalyst Hannes Meissner im ntv-Podcast „Wieder was gelernt“: „Das Projekt ist erstmals 2012 gescheitert. 2017 gab es einen weiteren Anlauf, ebenso erfolglos. Dann zirkulierten erst vor wenigen Wochen Nachrichten, dass das Projekt in Batumi endgültig begraben wurde.“

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Den georgischen Traum vom Trump Tower in der Schwarzmeerstadt Batumi musste die Trump Organization inzwischen endgültig begraben. (Foto: IMAGO/Zoonar)

Wie und in welchem Rahmen es jetzt doch umgesetzt werden soll, sei noch weitgehend unklar, betont Georgien-Kenner Meissner. „In Tiflis herrscht derzeit noch sehr viel Skepsis, ob der Trump Tower angesichts des vergangenen Hin und Her tatsächlich gebaut wird.“

Rollen die Bagger eines Tages an, könnte das höchste Gebäude von Tiflis entstehen – mit Luxusappartements, Hotelbetrieb, Geschäften und Restaurants auf 70 Stockwerken. 

Brisante Verflechtungen rund um Baugrundstück

Wirklich brisant ist aber nicht der geplante Bau an sich, sondern der Ort der Baustelle: Der Trump-Turm soll nämlich auf einem Grundstück gebaut werden, das über Umwege dem Iwanischwili-Clan gehört. Es handelt sich um das Hippodrom, eine alte Pferderennbahn aus Sowjetzeiten im Westen von Tiflis.

Offiziell als Eigentümer im Grundbuch steht der International Charity Fund Cartu, eine von Bidsina Iwanischwili gegründete Wohltätigkeitsorganisation. Die Stiftung gehört zu 100 Prozent der Cartu Group, dessen Hauptanteilseigner Uta Iwanischwili ist, der Sohn des ehemaligen Regierungschefs. Ihm gehören 35 Prozent der Cartu Group, berichtet der Guardian.

„Es ist unbestritten, dass Bidsina Iwanschiwili hinter der Charity Foundation Cartu und dem ganzen Firmengeflecht drumherum steht. Bemerkenswert ist, dass diese Wohlfahrtsorganisation zu einer Art Staat im Staat herangewachsen ist. Wohlfahrtsleistungen, die normalerweise der Staat trägt, werden über die Charity Foundation abgewickelt“, berichtet Meissner im Podcast. „Iwanischwili hat die Chance erkannt, dass es seine Legitimität im Land stärkt, wenn er dank seiner wirtschaftlichen und politischen Macht Wohlfahrtsleistungen selbst finanziert. Insofern ist die Charity Foundation ein Machtinstrument.“

US-Sanktionen gegen Iwanischwili

Der milliardenschwere Ex-Regierungschef Bidsina Iwanischwili ist auf dem Papier „nur“ Ehrenvorsitzender seiner Partei Georgischer Traum, hinter den Kulissen aber ein gewiefter Strippenzieher im politischen Betrieb Georgiens. Seine populistische, EU-skeptische und russlandfreundliche Partei hat die absolute Mehrheit im Parlament. Sie stellt seit 2012 durchgängig den Ministerpräsidenten und damit den mächtigsten Politiker des Landes.

Doch es gibt ein schwerwiegendes Problem: Bidsina Iwanischwili unterliegt seit 2024 US-amerikanischen Sanktionen. Die damalige US-Regierung unter Joe Biden belegte ihn damit, weil er „die demokratische und euro-atlantische Zukunft Georgiens zugunsten der Russischen Föderation untergraben“ habe, so die Begründung aus Washington. US-Unternehmen dürfen seitdem unter normalen Umständen keine Geschäfte mit Bidsina Iwanischwili machen, auch nicht die Trump Organization. Aber Uta Iwanischwili unterliegt anders als sein Vater nicht den US-Sanktionen.

Kritiker von Iwanischwili werten das Trump-Tower-Projekt in Georgien als Versuch, sich beim US-Präsidenten einzuschmeicheln, damit dieser die Sanktionen aufhebt. Es handele sich um reine Geopolitik, verpackt in Beton und Glas, warnt die Antikorruptions-Organisation Transparency International.

Die georgische Regierung als Befürworter des Tiflis-Turms argumentiert, das Projekt sei ein Vertrauensbeweis in Georgiens Wirtschaft. Nach dem Motto: Wenn die Trump Organization in Georgien baut, dann zeigt das doch, wie stabil und sicher das Land ist.

„Wer nicht mit ihm oder seinen Firmen zusammenarbeitet, kann in Georgien nichts erreichen“, macht Hannes Meissner deutlich. Bidsina Iwanischwili kontrolliere die Wirtschaft und auch den Zugang für ausländische Unternehmen ins Land. Ohne ihn gibt es auch keinen Trump Tower.

Quelle: ntv.de

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