Tränen statt Gold
Annett Kaufmann verliert packendes EM-Finale
Es reicht nicht ganz zum großen Triumph: In einem dramatischen Finale verpasst Annett Kaufmann knapp EM-Gold. Das deutsche Top-Talent spielt ein bärenstarkes Turnier, die Silbermedaille ist ein großer Erfolg.
Annett Kaufmann schossen nach der bitteren Finalniederlage sofort die Tränen in die Augen, ihrer Jugendfreundin gratulierte sie aber fair mit einer langen Umarmung: Die 20-Jährige hat die Goldmedaille bei den Europameisterschaften in Ljubljana nach einem Krimi verpasst.
Kaufmann unterlag im packenden Finale gegen Elizabet Abraamian aus Russland mit 3:4 und konnte ein herausragendes Turnier nicht mit dem Titel krönen. Dennoch bleiben für die Hoffnungsträgerin ein starkes Silber im Einzel und Bronze im Doppel.
„Es war ein schwieriges Spiel. Sie hat am Ende einfach die besseren Bälle gespielt und verdient gewonnen“, sagte Kaufmann mit tränenerstickter Stimme: „Ich weiß, dass es ein guter Erfolg war. Aber ich bin es – übertrieben gesagt – nicht gewohnt, im Finale zu verlieren.“ Mit etwas Abstand könne sie aber „positiv“ auf das Turnier blicken: „Das Einzige, was ich jetzt tun kann, ist das zu akzeptieren, mich am Positiven festzuhalten und das als Motivation zu sehen.“
Starke deutsche Bilanz
Für den Deutschen Tischtennis Bund (DTTB) war es die fünfte Medaille der Titelkämpfe in Paris, Gold ging aber „nur“ an Nina Mittelham und Benedikt Duda im Mixed-Wettbewerb. Für Dang Qiu (Düsseldorf) und Mittelham (Berlin) reichte es im Einzel jeweils zu Bronze, insgesamt trotz des überraschenden Aus von Mitfavoritin Sabine Winter im Achtelfinale eine starke Bilanz – auch dank Kaufmann.
Die große Hoffnungsträgerin im deutschen Tischtennis setzte ihren rasanten Aufstieg in der Hauptstadt Sloweniens trotz der Finalniederlage fort. 2024 hatte sie als kurzfristig eingesetzte Ersatzspielerin bei den Olympischen Spielen in Paris erstmals auf sich aufmerksam gemacht, im selben Jahr holte sie den Titel bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Der Sieg in Ljubljana wäre ihr bislang größter Coup gewesen, weitere Höhepunkte sollen schon bald folgen. Im Doppel holte sie Bronze an der Seite von Mittelham.
Kaufmann kennt keine Angst – auch nicht vor den alles überragenden Asiatinnen. Sie sucht das Duell, liebt den Wettkampf und verliert auch in den wichtigen Momenten selten die Lockerheit. In Ljubljana schlug sie im Viertel- und Halbfinale ihre Teamkolleginnen Han Ying und Mittelham – in beiden Matches waren die Spielerinnen auf sich allein gestellt, das Trainerteam hielt sich heraus.
Finale gegen Freundin
Am Ende setzte sich die Jüngste durch, einmal klar gegen Abwehrspezialistin Ying (4:0), einmal nervenstark gegen die frühere Vize-Europameisterin Mittelham (4:3). „Das war eines der besten Spiele, die ich je gegen eine meiner Teamkolleginnen gemacht habe. Es war auf einem sehr hohen Niveau“, sagte Kaufmann stolz und richtete ihren Fokus sofort auf das Endspiel.
Immerhin ging es gegen eine langjährige Freundin. „Ich mag sie gerne. Sie spielt unfassbar gutes Tischtennis. Nachdem wir beide die zweite Runde gewonnen hatten, habe ich zu ihr gesagt: Wir sehen uns im Finale.“ Es entwickelte sich sofort eine packende Partie auf Augenhöhe, schon der erste Satz ging in die Verlängerung. Kaufmann kämpfte sich nach einem 0:2-Rückstand stark zurück, nach gewonnenen Punkten schrie sie ihre Freude immer wieder lautstark heraus. Am Ende reichte es knapp nicht.
Qiu nimmt „viel Positives“ mit
Auch Dang Qiu hatte auf den Titelgewinn gehofft, immerhin war der 29-Jährige vom deutschen Rekordmeister Borussia Düsseldorf schon 2022 Europameister und zeigte im Turnierverlauf begeisterndes Tischtennis. Gegen Titelverteidiger Alexis Lebrun spielte er sich beinahe in einen Rausch, scheiterte jedoch am Sonntag an seinem Vereinskollegen Anton Källberg.
Unzufrieden war Qiu jedoch nicht. „Ich kann viel Positives aus dem Turnier mitnehmen“, sagte er nach dem 2:4, haderte aber mit ein paar vergebenen Möglichkeiten: „Bei 2:1 in Sätzen liege ich 5:2 in Führung und verliere zu acht. Da habe ich mehrere Rückhand-Bananen nicht getroffen.“
Verwendete Quellen: ntv.de, ter/sid
