Der türkische Deutsche-Welle-Korrespondent Uludağ kommt nach drei Monaten aus der Untersuchungshaft frei. Der Prozess wird aber fortgesetzt. Ihm droht wegen Präsidentenbeleidigung eine mehrjährige Haftstrafe.
Alican Uludağ, der türkische Korrespondent des deutschen Auslandssenders Deutsche Welle (DW), kommt nach drei Monaten aus der Untersuchungshaft frei. Das entschied das Strafgericht in Ankara am ersten Prozesstag, teilte die DW mit. Vermutlich kann er noch heute das Gefängnis Silivri verlassen. Der Prozess soll nach Angaben seines Anwalts am 18. September fortgesetzt werden.
Die Anklage wirft ihm Präsidentenbeleidigung, Verbreitung irreführender Informationen und die Herabwürdigung der Türkei in wiederholten Fällen vor. Nach Artikel 299 des türkischen Strafgesetzbuches drohen dem Korrespondenten wegen des Vorwurfs der Präsidentenbeleidigung mehr als vier Jahre Haft.
Uludağ weist Vorwürfe zurück
Der Journalist hatte sich unter anderem kritisch dazu geäußert, dass die türkische Regierung mutmaßliche Mitglieder der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ frei ließ. Zudem warf er der türkischen Regierung Korruption vor.
Uludağ weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Er sei inhaftiert worden, um den Preis für seine journalistische Tätigkeit zu zahlen. „Mein Gewissen ist rein“, zitierte ihn die Nachrichtenseite T24.
DW fordert Verfahrenseinstellung
DW-Intendantin Barbara Massing zeigte sich nun „sehr erleichtert, dass unser Kollege Alican Uludağ nach drei Monaten endlich freikommt und zu seiner Familie in Ankara zurückkehren kann“. Der Journalist sei „grundlos in Haft“ gewesen. Darum sei es beunruhigend, dass das Verfahren fortgesetzt werde. „Wir fordern, dass das Verfahren umgehend eingestellt wird – Alican Uludağ hat lediglich seinen Job als Gerichtsreporter gemacht“, betonte Massing.
In der Türkei sitzen mehrere Journalisten in Haft. Laut Reporter ohne Grenzen belegt die Türkei derzeit Platz 163 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit.
Deutsche Welle (DW)
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Mit Informationen von Isabel Gotovac, ARD-Studio Istanbul
