Die Ukraine setzt sich weiter gegen Russland zur Wehr. Das Militär griff mehrere russische Tanker und Frachtschiffe sowie Ölraffinerien an. Russland nahm Odessa ins Visier – und traf laut ukrainischen Angaben ein ziviles Schiff
Die Ukraine verstärkt derzeit ihre Vergeltungsangriffe auf Russland. Betroffen sind Ölraffinerien tief auf russischem Gebiet. Und auch das Asowsche Meer rückt zunehmend ins Visier. Nach ukrainischen Angaben wurden jetzt bei Drohnenangriffen elf russische Schiffe getroffen. Unter den Zielen seien fünf Tanker, fünf Frachtschiffe und ein Schlepper. Das teilte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, mit.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete die Angriffe als „Terrorismus“. Russland prüft nun nach eigenen Angaben andere Möglichkeiten für russische Exporte. Derzeit würden in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und der Wirtschaft „alternative Schifffahrtsrouten ausgearbeitet“, erklärte das Landwirtschaftsministerium. Die Lage im Asowschen Meer werde weder die Lebensmittelversorgung des Binnenmarktes noch Russlands Exportfähigkeit beeinträchtigen.
Das Asowsche Meer ist ein Binnenmeer und Teil des Schwarzen Meeres, mit dem es über die Straße von Kertsch verbunden ist. Für Russland ist der Weg durch das Asowsche Meer eine wichtige Exportroute für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Dazu gehört Getreide aus der besetzten Ukraine. Und auch für die Versorgung der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim hat das Meer eine große Bedeutung.
Das Asowsche Meer ist ein Nebenmeer des Schwarzen Meeres.
Stromausfälle in Krim-Stadt Sewastopol
Der Kommandeur der ukrainischen Drohneneinheiten teilte am Dienstag mit, die Ukraine habe in den vergangenen neun Tagen insgesamt 116 Schiffe getroffen, darunter mehrere Tanker und Frachtschiffe im Asowschen Meer. Ziel sei es, Russlands Schattenflotte zu beschädigen und die russische Benzinversorgung auf der von Moskau kontrollierten Krim einzuschränken.
Genau dort wird nach Angriffen der Ukraine nun in der Großstadt Sewastopol stundenlang der Strom abgeschaltet. Wie die örtlichen Behörden mitteilten, gibt es vorerst nur noch für zwei Stunden Strom, gefolgt von sechsstündigen Ausfällen. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew rief die Bevölkerung auf, möglichst auf Geräte mit hohem Stromverbrauch zu verzichten.
Ukraine greift weiter russische Ölproduktion an
Und auch die Angriffe auf russische Öleinrichtungen in großer Entfernung setzt die Ukraine fort. In der südrussischen Region Krasnodar sei ein Feuer in der Ölraffinerie Afipski ausgelöst worden, teilten örtliche Behörden mit. Medien berichteten, eine Ölraffinerie in der Stadt Salawat in der Region Baschkortostan sei getroffen worden. Das liegt rund 1.400 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt.
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die Flugabwehr habe in der Nacht 288 ukrainische Drohnen über verschiedenen Regionen Russlands, der annektierten Halbinsel Krim und dem Asowschen sowie dem Schwarzen Meer abgefangen.
Russische Angriffe mit Drohnen und Raketen
Russland setzte seine Angriffe weiter fort. Nach ukrainischen Angaben haben Moskaus Streitkräfte ein ziviles Schiff in der Nähe des Schwarzmeerhafens Odessa getroffen. Das teilt der Sprecher der ukrainischen Marine, Dmytro Pletentschuk, der Nachrichtenagentur Reuters mit.
Laut ukrainischer Luftwaffe nahmen in der Nacht zum Dienstag eine ballistische Rakete und 25 russische Drohnen insgesamt 17 Orte ins Visier. An zehn Orten wurden herabfallende Trümmerteile gemeldet. Laut dem Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko wurde unter anderem eine Schule beschädigt.
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, Russland habe auf militärische Produktionsstätten in der ukrainischen Hauptstadt gezielt. Dort würden Raketen mit großer Reichweite und Drohnen hergestellt. Die Angaben können derzeit nicht unabhängig verifiziert werden.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
