Luftalarm im ganzen Land, Explosionen in Kiew: Russland hat die Ukraine in der Nacht erneut attackiert – und das kurz vor einem NATO-Gipfel in der Türkei. Medien und Behörden zufolge gibt es mindestens neun Tote.
Am Vortag des NATO-Gipfels in der Türkei hat Russland die nächste schwere Angriffswelle auf ukrainische Städte gestartet. Kurz nach Mitternacht löste die Flugabwehr in fast allen Regionen der Ukraine Luftalarm aus, aus Kiew wurden heftige Explosionen gemeldet.
Behörden und Medien berichteten über zahlreiche Einschläge in der Hauptstadt und ihren Vororten. Mehrere Gebäude wurden demnach beschädigt, mindestens neun Menschen getötet und 46 weitere verletzt. Tausende seien vor den Angriffen in U-Bahn-Stationen geflohen, berichtete das Nachrichtenportal The Kyiv Independent.
In Kiew wurden den Berichten zufolge Wohngebäude in mehreren Stadtteilen getroffen. Ein Plattenbau stürzte teilweise ein, in der Mitte des Wohnblocks klaffte ein riesiges Loch. Unter den Trümmern werden verschüttete Menschen befürchtet.
„Das entspricht ganz Putins Art“
Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Abend in einer Videobotschaft davor gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor dem morgigen Beginn des NATO-Gipfels in der Türkei eine weitere Welle Luftangriffe befehlen dürfte. Dabei berief er sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes.
„Das entspricht ganz Putins Art – unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag (am 4. Juli) und vor dem NATO-Gipfel in Ankara“ wolle er „noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten“, sagte Selenskyj. Offenbar setzten die Angreifer dann in der Nacht neben zahlreichen Drohnen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen ein.
In seiner Videobotschaft appellierte Selenskyj an die Partner der Ukraine, den Abwehrkampf seines Landes entschlossener zu unterstützen. „Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die ‚Patriot‘-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen“, sagte er.
