Die Welt blickt derzeit gebannt auf die Straße von Hormus als wichtige Seefahrtsroute. Ähnlich wichtig für die Weltwirtschaft ist auch der Suezkanal in Ägypten.
Wie wichtig der Suezkanal für die Weltwirtschaft ist, zeigen nicht nur die Krisen und Kriege in der Region, sondern auch Havarien wie die mit dem Containerschiff „Ever Given“. 2021 verkeilt sich der riesige Frachter während eines Sturms zwischen den Ufern. Erst nach einer Woche kann er aus der Fahrrinne entfernt werden.
Osama Rabie, der Leiter der Kanalbehörde, war damals nicht nur erleichtert, sondern auch stolz auf die technische Meisterleistung: „Das ist das erste Mal weltweit, dass ein Containerschiff aus solch einer misslichen Lage befreit wurde, ohne es vorher zu entladen.“
15 Prozent des weltweiten Handels
Der Rückstau von rund 400 Schiffen löst sich erst nach mehreren Tagen auf. Bis dahin waren wichtige globale Lieferketten unterbrochen. In deutschen Supermärkten tauchten Infotafeln auf, die das Fehlen von Waren mit der Havarie erklärten.
Bis zu 15 Prozent des weltweiten Handels werden über den Suezkanal abgewickelt. Das sind pro Jahr Waren im Wert von mehr als einer Billion US-Dollar. 30 Prozent der weltweiten Containerfracht passieren den Kanal.
Doch dieses Transportvolumen ist empfindlich. Die Covid-Pandemie, der Krieg gegen die Ukraine, jemenitische Huthi-Angriffe im Roten Meer, Piratenüberfälle am Horn von Afrika oder die Blockade der Straße von Hormus – Ereignisse dieser Art beeinträchtigen den Betrieb des Suezkanals gravierend.
Einst im Besitz von Großaktionären
Das war seit seiner Einweihung 1869 nie anders. Die treibende Kraft hinter dem Bau des Suezkanals war der Franzose Ferdinand de Lesseps. Seit 1875 gehört die Wasserstraße Großaktionären aus Frankreich und Großbritannien. Allerdings waren bis zu drei Viertel der damals durch den Kanal transportierten Fracht britische Güter.
Um unter anderem auch diese Interessen zu schützen, besetzen die Briten 1882 Ägypten. 1956 waren die britischen Interessen bedroht, als der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser die Verstaatlichung des Suezkanals verkündet: „Im Namen des Volkes: Die internationale Suezkanal-Gesellschaft wird in eine staatliche ägyptische Aktiengesellschaft umgewandelt.“
Krieg um den Suezkanal
Der britische Premierminister Anthony Eden verglich Nasser mit Mussolini und wurde deutlich: Immerhin passierten drei Viertel des für Großbritannien bestimmten Öls den Kanal: „Unser Überleben als Nation hängt vom Öl ab. Kein Öl zu haben bedeutet, dass unsere Industrie zum Stillstand kommt und die Menschen hungern.“
Die meisten Juristen sowie US-Präsident Eisenhower waren damals der Ansicht, dass Nasser nach internationalem Recht nicht illegal handelte. Aber die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich wollten eine militärische Antwort und konstruierten zusammen mit Israel den Vorwand für einen Krieg. Der begann Ende Oktober 1956 und wurde nur Wochen später unter dem Druck von Washington und Moskau beendet.
Drittgrößte Devisenquelle Ägyptens
Ab dem Sechstagekrieg 1967 schloss Ägypten erneut den Kanal, diesmal für acht Jahre. Das schadete nicht nur der Weltwirtschaft, sondern auch dem Land. Der Suezkanal ist die drittgrößte Devisenquelle Ägyptens. Deshalb erhielt er 2015 auf mehr als einem Drittel der Gesamtlänge eine zweite Fahrrinne.
Jede Kanalkrise schadet dem Staatshaushalt, so auch jene, die im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg entstehen. Allein in dem Zeitraum eines Jahres ab Juli 2024 sanken die Einnahmen um 45 Prozent. Aber Osama Rabie, der Chef der Suezkanal-Behörde, bleibt optimistisch: „Ich hoffe, dass 2026 besser wird als die beiden Jahre davor, auch wenn wir das Niveau von 2023 nicht sofort erreichen – es wird besser werden.“
Die Hoffnung ist berechtigt, denn noch gibt es zum Suezkanal keine gleichwertige Alternative.

