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Und was man dagegen tun kann: Warum Frauen vor Klos oft Schlange stehen müssen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 5, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Und was man dagegen tun kannWarum Frauen vor Klos oft Schlange stehen müssen

05.07.2026, 09:12 Uhr Von Ruth Eisenreich
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Damals wie heute: Vor öffentlichen Damen-Toiletten bilden sich regelmäßig lange Schlangen, wie hier auf dem Münchner Oktoberfest 2007.

Die langen Warteschlangen vor dem Frauenklo sind nicht naturgegeben. Es gibt fünf Gründe dafür und eine simple Lösung – doch deutsche Gesetze schreiben für manche Orte sogar ausdrücklich mehr Männer- als Frauentoiletten vor.

Es ist eine Erfahrung, die Frauen verbindet. Ob beim Techno-Festival oder im Theater, im Freibad oder an der Uni, ob jung oder alt, arm oder reich: „Wartet ihr auch alle?“, fragen wir, obwohl wir die Antwort schon ahnen, und stellen uns seufzend hinten an. Und schauen dabei zu, wie nebenan ein Mann nach dem anderen das Klo betritt und wieder verlässt.

Wir verpassen die ersten Songs von Konzerten, wir kalkulieren bei Veranstaltungen: Wann beginnt die Pause und wie lange davor sprinte ich raus, um nicht ewig warten zu müssen? Wir bitten männliche Begleiter, uns etwas von der Bar oder vom Essensstand mitzubringen, weil klar ist: Für Klo und Bar reicht die Pause nicht.

Manchmal müssen wir uns dann auch noch verspotten lassen: Höhö, diese Frauen, stehen ewig quatschend und sich schminkend vor dem Spiegel. Tatsächlich kommt die Schlange vor dem Damen-WC nicht durchs Schminken oder Quatschen zustande. Sie hat fünf biologische und gesellschaftliche Gründe – und einen sechsten politischen, der auch die simple Lösung für das Problem in sich trägt.

Wie die Kloschlange entsteht

Erstens dauert es deutlich länger, eine WC-Kabine zu benutzen als ein Pissoir. Tür schließen, zusperren, aufsperren, öffnen. Hose öffnen, runterziehen, raufziehen, zumachen. Manchmal muss frau zusätzlich noch eine Tasche aufhängen, einen Mantel zusammenraffen oder eine Klobrille abwischen.

Zweitens menstruiert zu jedem gegebenen Zeitpunkt grob gerechnet jede neunte Frau. Einen Tampon oder eine Binde zu wechseln oder einen Menstruationscup zu leeren, kostet Zeit.

Drittens: Kleine Kinder werden viel häufiger von ihren Müttern aufs Klo begleitet als von den Vätern – und nutzen daher unabhängig vom eigenen Geschlecht meist die Damentoilette.

Viertens: Frauen haben aus anatomischen Gründen öfter Blasenentzündungen und leiden durch Schwangerschaften und Geburten häufiger an Blasenschwäche. Beides führt dazu, dass sie öfter aufs Klo müssen. Auch Schwangere müssen besonders häufig auf die Toilette.

Fünftens: Ältere Menschen müssen tendenziell öfter auf die Toilette und brauchen dort länger, und die Mehrheit der älteren Menschen sind Frauen. In Deutschland lebten im Jahr 2024 rund 5,8 Millionen Männer und 7,9 Millionen Frauen über 70.

Zusammengefasst heißt das: Die Damenklos werden von mehr Menschen genutzt, die sie im Schnitt auch öfter nutzen müssen, und die Nutzung dauert im Schnitt länger.

Einfache Lösung: Mehr Frauenklos als Männerklos

Die naheliegende Lösung: Eine Toilettenanlage braucht mehr Frauenklos als Männerklos, damit alle ungefähr gleich schnell drankommen. Wie viele mehr? Es gibt dazu Berechnungen von Fachleuten aus dem Feld der Warteschlangentheorie. Belgische Forscher von der Universität Gent etwa haben 2017 ihre mathematischen Modelle auf die Klo-Warteschlange angewendet und verschiedene Lösungsmöglichkeiten durchgerechnet.

Ihr Ergebnis: Ist das Ziel eine möglichst kurze durchschnittliche Wartezeit, müsste es für jede Herrentoilette 1,2 Damentoiletten geben. Frauen würden dann allerdings immer noch ganze drei Mal so lang anstehen wie Männer. Lautet das Ziel, dass alle möglichst gleich lang oder kurz warten sollen, müssten auf jedes Männerklo 1,63 Frauenklos kommen.

Andere Forschungsteams kommen zu noch drastischeren Ergebnissen: Ihren Berechnungen zufolge gleichen sich die Wartezeiten überhaupt erst dann einigermaßen an, wenn Frauen doppelt so viele Toiletten zur Verfügung haben wie Männer.

Mancherorts gibt es auch längst entsprechende Vorschriften. Mehr als 20 US-Staaten, unter anderem New York, Georgia und Missouri, schreiben ein Verhältnis von zwei Damenklos pro Herrenklo vor. Texas hat schon in den frühen 90er Jahren ein solches Gesetz für große öffentliche Gebäude beschlossen. Auch in asiatischen Ländern wie Japan, Taiwan, China und Malaysia wird das Thema ernst genommen.

Auch in Deutschland gibt es Verordnungen und Richtlinien, die das Zahlenverhältnis von Männer- zu Frauenklos vorschreiben. Aber, und damit sind wir beim zu Beginn erwähnten sechsten Grund: sie schreiben nicht eine größere Anzahl an Frauenklos vor – sondern oft sogar das Gegenteil, nämlich mehr Toiletten für Männer als für Frauen.

In Deutschland mehr Männerklos vorgeschrieben

Wie viele Toiletten an einem bestimmten Ort vorhanden sein müssen und wie die Geschlechterverteilung dabei aussehen soll, ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Aber die Länder machen für bestimmte Arten von Bauwerken teils konkrete Vorgaben zur Mindestzahl an Toiletten. Durchsucht man die Rechtsdatenbanken der 16 deutschen Bundesländer danach, stellt man fest: Für Frauen mit voller Blase sieht es vielerorts düster aus.

Im besten Fall sind in den Verordnungen gleich viele Frauen- wie Männertoiletten vorgeschrieben. Bayern und Niedersachsen aber schreiben zum Beispiel für eine Versammlungsstätte mit 500 Plätzen eine Mindestanzahl von sechs Frauentoiletten, sechs Pissoirs und vier Männerkabinen vor – ein Verhältnis von 1:1,67 zugunsten der Männer. Für Gaststätten in Berlin mit einer Fläche von 50 bis 300 m² gilt: Zwei Frauenklos, zwei Pissoirs, eine Männerkabine – Verhältnis 1:1,5 zugunsten der Männer.

Flüchtlingsunterkünfte in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen: für 30 Frauen drei Klos, für 30 Männer zwei Pissoirs und zwei Kabinen – Verhältnis 1:1,33 zugunsten der Männer. Gaststätten in Rheinland-Pfalz mit einer Fläche von 100 bis 150 m²: Zwei Frauenklos, zwei Pissoirs, zwei Männerkabinen – Verhältnis 1:2 zugunsten der Männer. Gaststätten in Hamburg mit einer Fläche von 100 bis 150 m²: Zwei Frauenklos, drei Pissoirs, zwei Männerkabinen – Verhältnis 1:2,5 zugunsten der Männer.

Wie kommen wir auf die angegebenen Verhältnisse? Wir haben alle nur für Männer nutzbaren Toiletten (also Männer-Kabinen und Urinale) zusammengerechnet und den Frauenklos gegenübergestellt. Die Frage, welche Toilette trans Personen nutzen, haben wir zugunsten der rechnerischen Übersichtlichkeit ausgeklammert.

Sind Unisex-WCs die Lösung?

Unisex-Klos haben den großen Vorteil, dass sie trans, intergeschlechtlichen und nichtbinären Menschen das Leben leichter machen. Im Zug oder im Flugzeug sind sie selbstverständlich. Auch in Sachen Wartezeit können sie eine Verbesserung bringen – allerdings nicht, wenn einfach an die bestehenden Männer- und Frauen-Anlagen andere Schildchen gehängt werden, wie es in den vergangenen Jahren in manchen Lokalen und Clubs geschehen ist.

Von den fünf Lösungsmöglichkeiten, die die belgischen Forscher durchgerechnet haben, schneidet letztere Variante in Sachen Wartezeit für Frauen am schlechtesten ab. Und das, obwohl ihre Berechnung davon ausgeht, dass jede Frau die erste freiwerdende Kabine nutzt, egal ob sie sich dafür direkt hinter am Pissoir stehenden Männern vorbeizwängen muss oder nicht. In der Realität empfinden das wohl viele Frauen als unangenehm. Die aus Sicht der belgischen Forscher effizienteste Lösung: eine einzige WC-Anlage für alle, mit fast doppelt so vielen Kabinen wie Urinalen.

Alle nach den belgischen Berechnungen sinnvollen Lösungen haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sehen ungefähr doppelt so viele Kabinen wie Urinale vor – und sie lassen sich nicht durch den Austausch von Türschildern bewerkstelligen. In bestehenden Gebäuden die langen Schlangen vor den Damentoiletten abzuschaffen, erfordert also einen Umbau und kostet somit Geld. Was hingegen nichts kosten würde: Gesetze und Richtlinien, die für Neubauten und bei großen Umbauten ein sinnvolles Verhältnis von Frauen- zu Männerklos vorschreiben.

Kürzere Wartezeiten? Bitte warten

Schnell lässt sich beim Thema Kloschlangen also nicht im großen Stil etwas ändern. Aber langfristig ließen sich die elendige Warteschlangen vor dem Frauenklo durchaus abschaffen.

Verantwortlich dafür sind vor allem die Landesregierungen, denn sie können über Verordnungen Vorgaben für verschiedene Bereiche machen. Es liegt also vor allem in ihrer Macht, ob Frauen auch in Jahrzehnten noch über den strategisch besten Zeitpunkt für den Gang auf die Toilette nachdenken müssen. Oder ob sie schon bald zumindest in neuen Gebäuden genauso entspannt aufs Klo gehen können wie die Männer.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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