In der Debatte über einen möglichen Kanzlertausch haben führende Unionspolitiker Friedrich Merz den Rücken gestärkt. NRW-Ministerpräsident Wüst bezeichnet die Spekulationen als „Quatsch“, Hessens Landeschef Rhein fordert „mehr Merz“.
Nach den Berichten über Gedankenspiele in der Union zu einem Kanzlertausch zeigen sich Spitzenpolitiker von CDU und CSU solidarisch mit Regierungs- und Parteichef Friedrich Merz.
Der Unionsfraktionsvorstitzende Jens Spahn und der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (beide CDU) stärkten Merz auf einem Landesparteitag der Hessen-CDU den Rücken. Auch NRW-Regierungschef Hendrik Wüst und CSU-Vize Manfred Weber stellten sich vor den Kanzler.
Medien hatten zuletzt von Gedankenspielen innerhalb der Union berichtet, ob Merz angesichts der schwierigen Lage der schwarz-roten Koalition durch einen anderen Politiker ersetzt werden könnte. Dabei war der Name des NRW-Regierungschefs und CDU-Landesvorsitzenden Wüst gefallen.
„Wir brauchen mehr Merz“
Aus dem Umfeld des Kanzlers waren die Gerüchte scharf zurückgewiesen worden. Die Idee zeuge von einer „gefährlichen Lust an der Zündelei“, hieß es.
„Wir brauchen nicht weniger Merz, wir brauchen mehr Merz“, sagte Rhein jetzt beim Landesparteitag der Hessen-CDU in Rotenburg an der Fulda. Er rief seine Partei dazu auf, dem politischen Gegner bei derartigen Gerüchten nicht in die Falle zu laufen. „Wir sind Mehrheit, wir sind Mitte, wir sind Merz“, betonte er unter Beifall der Parteitagsdelegierten. Rhein wurde als CDU-Landesvorsitzender mit 95,9 Prozent der Stimmen wiedergewählt, Merz gratulierte im Kurznachrichtendienst X dazu.
Spahn bezeichnete Berichte über Gedankenspiele zu einem Kanzlertausch als „Unsinn“. Der unlängst mit ordentlichen 86,5 Prozent wiedergewählte Fraktionschef verwies in seiner Rede auf Erfolge der schwarz-roten Bundesregierung und sprach von einem Politikwechsel in vielen Feldern. Merz sei ein Kanzler, der anpacke und einen klaren Kompass habe, wenn es darum gehe, Deutschland zu reformieren und wirtschaftlich wieder stark zu machen – „und dabei hat er unsere volle Unterstützung“.
Wüst: „Spekulationen sind Quatsch!“
Auch Wüst hatte am Freitagabend Spekulationen über einen möglichen Kanzlertausch klar widersprochen und Merz seine volle Unterstützung zugesagt. „Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Die Spekulationen der vergangenen Tage sind einfach Quatsch!“, sagte Wüst auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. „Ich kann vor solchen Gerüchten und Personalspekulationen auch nur warnen.“
„Die Herausforderungen in Deutschland sind groß, nur darum geht es jetzt“, sagte Wüst weiter. Merz gehe seine großen Aufgaben für Deutschland in Europa und der Welt mit großer Entschlossenheit an. „Dabei hat er meine volle Unterstützung“, unterstrich Wüst. Er könne sich auf die gesamte NRW-CDU bei seiner Arbeit verlassen.
Weber betont Merz‘ „starke Stellung“ in Europa
Am Montag werden Wüst und Merz zu einer internen Klausur auf Einladung der nordrhein-westfälischen CDU im sauerländischen Meschede erwartet. CSU-Vize Manfred Weber, der auch Partei- und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) ist, hob Merz‘ wichtige Rolle in Europa hervor: „Auf der europäischen Ebene hat Friedrich Merz eine starke Stellung. Er gestaltet die Debatte, hört aber auch zu“, sagte Weber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Merz‘ Führungskraft sei jetzt sehr wichtig.
