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„Unvollständig und einseitig“: Bahn fordert Entfernung von ZDF-Doku aus Mediathek

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 31, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Unvollständig und einseitig“Bahn fordert Entfernung von ZDF-Doku aus Mediathek

In der „Am Puls“-Doku spricht Hayali unter anderem mit der Bahn-Chefin, Personal und Reisenden. (Foto: picture alliance/dpa/ZDF)

In einer ZDF-Doku will Moderatorin Dunja Hayali den schlechten Zustand der Deutschen Bahn zeigen. Doch nicht alle Fakten scheinen korrekt zu sein: Eine Abmahnung der Bahn erzwingt bereits die Änderung zweier Details – nun droht sie mit einem noch drastischeren Schritt.

Die Deutsche Bahn geht weiterhin juristisch gegen eine Dokumentation des ZDF über den schlechten Zustand des Bahnverkehrs in Deutschland vor – trotz zweier Berichtigungen, die der Sender inzwischen vorgenommen hat. Dem ZDF zufolge fordert die Bahn, den Film „Am Puls mit Dunja Hayali – Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ zu depublizieren, also offline zu nehmen, wie eine Sprecherin des Senders mitteilte.

Der bundeseigene Konzern hält die Doku für unvollständig und einseitig, wie die Bahn nun auf Anfrage mitteilte. „Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann auch eine unvollständige Berichterstattung rechtswidrig sein, wenn wesentliche Fakten weggelassen wurden und dadurch ein Zerrbild der Wirklichkeit entsteht.“ Zu der Forderung, den Film offline zu nehmen, äußerte sich die Bahn nicht konkret.

In dem Film geht die Journalistin Dunja Hayali den strukturellen Problemen bei der Bahn nach. Sie spricht dabei mit der Bahnchefin, mehreren Beschäftigten, Politikern und vielen Reisenden. Zentrale Themen sind die Sicherheit im Bahnverkehr und die schleppende Digitalisierung des Schienennetzes.

„Unwahre Tatsachenbehauptungen“

Losgetreten hat den Konflikt eine Abmahnung, die noch am Tag der linearen Ausstrahlung am 21. Juli beim Mainzer Sender einging. Der Beitrag enthalte „nachweislich unwahre Tatsachenbehauptungen“ und verschweige „an verschiedenen Stellen wesentliche entlastende Tatsachen“, heißt es darin. Entstanden sei so ein „verzerrtes Gesamtbild“ des Unternehmens.

In zwei Punkten hatte das ZDF daraufhin nachgebessert und die Änderungen in der Mediathek auch kenntlich gemacht. In der Doku hieß es zunächst, die Bahn verfüge über kein einziges digitales Stellwerk. Tatsächlich sind es drei, dazu kommen dem Unternehmen zufolge „mehr als 20 weitere Stellwerke im Echtbetrieb, die verschiedene Elemente digitaler Stellwerkstechnik nutzen“.

Der zweite Kritikpunkt betrifft einen Vergleich mit Belgien. Die dort genannte Pünktlichkeitsquote von 92 Prozent bezieht sich nach Darstellung der Bahn auf sämtlichen Zugverkehre und damit überwiegend auf den Nahverkehr. Für Deutschland habe das ZDF dagegen nur den Fernverkehr mit 60,1 Prozent angeführt, nicht aber den Regionalverkehr mit 88,7 Prozent. Beim gesamten Personenverkehr liege die Bahn mit 88 Prozent nahezu gleichauf. In der aktuellen Fassung ist mit Blick auf Belgien deshalb nicht mehr vom Fernverkehr, sondern vom Personenverkehr die Rede.

Der Film verschweige auch die Fortschritte bei der Sanierung der Schieneninfrastruktur, insbesondere die sogenannten Generalsanierungen. Dazu gehöre etwa die umfassend erneuerte Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim, auf der die Zahl der Störungen danach spürbar zurückgegangen sei, heißt es in der früheren Bahn-Stellungnahme. Auf der Strecke Hamburg-Berlin, auf die Hayali in dem Film konkret eingeht, seien 165 Kilometer Gleis und 678 Signale komplett erneuert und für die digitale Zugsteuerungstechnik ETCS vorbereitet worden, betonte die Bahn.

ZDF dementiert Anschuldigungen

Auch beim Unglück von Burgrain sieht sich die Bahn falsch dargestellt. Im Juni 2022 entgleiste dort ein Regionalzug wegen schadhafter Betonschwellen, fünf Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt. Man habe daraus „weitreichende Konsequenzen“ gezogen und dies dem ZDF vor der Ausstrahlung auf Anfrage erläutert, heißt es vonseiten des Konzerns.

Das ZDF hält dagegen: Autor Sebastian Bellwinkel habe sich bei der Bahn eigens nach der Zahl der digitalen Stellwerke erkundigt und sei auf eine Statistik verwiesen worden, in der keine vermerkt gewesen seien. Bei den beanstandeten Textpassagen sei „nicht ersichtlich, welche im Gesamtkontext der Berichterstattung wesentlichen Tatsachen bewusst verschwiegen worden sein sollen“. Ehrverletzende Schlussfolgerungen habe man nicht gezogen, an vielen Stellen würden im Film sogar Fortschritte hervorgehoben.

Zur Bezifferung der digitalen Stellwerke mit null gab der Sender eine Unterlassungserklärung ab, allerdings ausdrücklich „im Sinne eines Entgegenkommens“ und „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und ohne Präjudiz für die Sach- und Rechtslage“. Die übrigen Ansprüche wertet das ZDF als „unzulässigen Versuch, eine kritische Berichterstattung in Gänze zu unterbinden“. Die aktuell abrufbare Fassung weise „keine inhaltlichen Mängel“ auf, für weitere Anpassungen sehe man „keinen Anlass“, eine Löschung aus der Mediathek komme nicht infrage.

Quelle: ntv.de, mwa/dpa/spot

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