Die US-Staatsschulden liegen inzwischen bei mehr als 40 Billionen Dollar. Immer mehr Geld aus dem Haushalt fließt so in Zinszahlungen – und weniger bleibt übrig für Investitionen in die Zukunft des Landes.
„Du genießt von nun an die Rechte und Freiheiten dieses Landes. Aber du übernimmst auch einen Teil seiner Probleme. Rein rechnerisch hast du bereits 50.000 Dollar Staatsschulden.“
Mit diesen Worten begann 1985 ein Fernsehspot, der Neugeborene symbolisch als neue Staatsbürger der Vereinigten Staaten begrüßte. Die Botschaft: Die Staatsverschuldung betrifft jeden Amerikaner. Das Baby reagiert mit lautem Geschrei.
Heute wäre dieses Kind 41 Jahre alt. Und die US-Staatsschulden haben inzwischen die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Rechnerisch entfallen damit rund 120.000 Dollar Schulden auf jeden Einwohner der Vereinigten Staaten. In Deutschland liegt die Pro-Kopf-Verschuldung zum Vergleich bei umgerechnet rund 34.000 Dollar.
Vom Haushaltsüberschuss zum Dauerdefizit
Dabei sah die Lage einst deutlich anders aus. Ende der 1990er-Jahre erwirtschaftete die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton sogar Haushaltsüberschüsse. Damals schien es möglich, den Schuldenstand langfristig zurückzuführen.
Doch in den folgenden Jahrzehnten drehten sich die Vorzeichen. Kriege, Konjunkturprogramme, Corona-Hilfen, steigende Sozialausgaben und Steuersenkungen ließen die Defizite wachsen, während die Staatseinnahmen nicht Schritt hielten.
Besonders problematisch sei, dass neue Schulden heute häufig nicht für langfristige Investitionen aufgenommen würden, sondern zur Finanzierung laufender Ausgaben dienten, kritisiert die Arbeitsmarktökonomin Kathryn Anne Edwards die derzeitige Praxis des Schuldenmachens: „Wir bauen kein landesweites Autobahnnetz, bekämpfen nicht den Klimawandel und investieren nicht in die nächste Generation.“ Mit anderen Worten: Ein wachsender Teil der Neuverschuldung fließt nicht in Projekte, die künftig wirtschaftliche Erträge bringen könnten.
Die eigentliche Sorge: die Zinskosten
Besonders aufmerksam verfolgen Ökonominnen und Ökonomen deshalb die Entwicklung der Zinsausgaben. Nach aktuellen Schätzungen wird die US-Regierung 2026 mehr als eine Billion Dollar allein für Zinsen zahlen. Das entspricht täglich rund 2,7 bis drei Milliarden Dollar. Die Zinskosten liegen mittlerweile über den Verteidigungsausgaben und übertreffen viele andere große Haushaltsposten.
Hinzu kommt, dass Anlegerinnen und Anleger inzwischen höhere Renditen verlangen, um den amerikanischen Staat zu finanzieren. Vor allem bei mittleren und längeren Laufzeiten sind die Zinsen auf US-Staatsanleihen seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Jede neu ausgegebene Anleihe verteuert damit die Finanzierung des Staates.
Das Problem verschärft sich dabei selbst: je höher der Schuldenberg, desto größer die jährlichen Zinszahlungen. Und je höher die Zinszahlungen, desto weniger Geld bleibt für Bildung, Infrastruktur, Forschung oder andere Zukunftsinvestitionen.
Warum die USA trotzdem zahlungsfähig bleiben
Trotz der Rekordschulden gilt ein unmittelbarer Zahlungsausfall der Vereinigten Staaten aber als unwahrscheinlich. Der wichtigste Grund: Die USA verschulden sich überwiegend in ihrer eigenen Währung, dem Dollar.
Anders als Staaten, die Kredite in Fremdwährungen aufnehmen müssen, verfügen die USA über die Möglichkeit, ihre Schulden in Dollar zurückzuzahlen. Im Notfall kann die US-Notenbank zusätzliche Liquidität bereitstellen. Das bedeutet nicht, dass Schulden folgenlos wären. Aber das Risiko einer klassischen Staatspleite reduziert sich dadurch erheblich.
Deshalb betrachten viele Fachleute nicht die absolute Schuldenhöhe als größte Gefahr, sondern dass die Finanzierungskosten immer weiter steigen und einen zunehmenden Teil des Bundeshaushalts ausmachen.
Ein Problem ohne einfache Lösung
Über den richtigen Weg aus der Schuldenfalle herrscht in Washington keine Einigkeit. Der frühere Wirtschaftsberater Jason Furman bringt die Optionen auf eine einfache Formel: „Es gibt nur zwei Lösungen: Ausgaben senken, Steuern erhöhen oder eine Kombination aus beidem.“ Viele Ökonominnen und Ökonomen gehen davon aus, dass langfristig beides notwendig sein wird.
Carolyn Bourdeaux von der Concord Coalition, einer überparteilichen US-Initiative für nachhaltige Staatsfinanzen, gehört zu denjenigen, die besonders eindringlich warnen. Sollte der Schuldenanstieg dauerhaft außer Kontrolle geraten, könnten ihrer Ansicht nach deutlich höhere Zinsen, anhaltender Inflationsdruck oder andere wirtschaftliche Verwerfungen die Folge sein.
Ob die USA tatsächlich auf eine solche Krise zusteuern, ist unter Expertinnen und Experten umstritten. Einigkeit besteht aber in einem Punkt: Je länger Washington notwendige Reformen aufschiebt, desto größer wird der Teil des Bundeshaushalts, der für vergangene Schulden aufgewendet werden muss, statt in die Zukunft des Landes investiert zu werden.

