In den USA hat die Berichtssaison begonnen. Ein Blick in die Bank-Bilanzen verrät viel über den Zustand der US-Wirtschaft. Die läuft robust – aber wie lange noch?
Die großen US-Banken sind immer die ersten in der Berichtssaison, die ihre Bücher öffnen. Ein Blick in ihre Bilanzen verrät auch, wie es der US-Wirtschaft geht. Denn Banken finanzieren Unternehmen, vergeben Kredite an Verbraucher, begleiten Börsengänge und beraten bei Fusionen und Übernahmen.
Wie gut oder schlecht die Geschäfte von JPMorgan, der Bank of Amerika oder der Citigroup laufen, gilt unter Finanzexperten als Frühindikator für den Zustand der US-Wirtschaft, weil sie nahezu jeden Bereich der Wirtschaft abbilden.
Außergewöhnliches Quartal
Mit Blick auf die jüngsten Geschäftszahlen der US-Großbanken spricht Christina Bannier, Professorin für Banking & Finance an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, von „grandiosen“ Ergebnissen: „Das war auch so erwartet worden, aber nichtsdestotrotz: Wir reden hier über Gewinnzuwächse zwischen 40 und 80 Prozent. Das ist schon ganz außergewöhnlich, dass wir so ein Quartal sehen.“
Überraschend gut kamen die Ergebnisse auch an der Börse an. Kurz nach Bekanntwerden der Zahlen legten die Papiere der US-Großbanken – Bank of Amerika, JP Morgan, Morgan Stanley und Goldman Sachs – deutlich zu, um bis zu neun Prozent.
Börsengänge spülen Geld in die Kassen
Die Banken waren im abgelaufenen Quartal wesentlich beteiligt am Börsengang von SpaceX in den USA – dem größten Börsengang der Geschichte. „Insgesamt lief das Investmentbanking wahnsinnig gut im zweiten Quartal. Das war besser, als der Markt erwartet hatte – dementsprechend die positive Reaktion“, sagt Barnier.
Das Investmentbanking begleitet unter anderem Unternehmen beim Börsengang und betreut Firmenzusammenschlüsse und Akquisitionen, sogenannte M&A-Deals. Und da sei in den USA noch einiges geplant, so die Finanzprofessorin: „Anthropic steht noch an, OpenAI – gerade im Tech-Bereich passiert noch viel. Das zeigt eben auch: Die Konjunktur in den USA brummt. Man sieht es auch an den M&A-Deals, die auch noch ausstehen.“
Sorge vor steigender Inflation
Auch das klassische Kreditgeschäft laufe stabil. Ein gutes Zeugnis für die US-Wirtschaft – noch. Trotz der global angespannten Lage wegen des Iran-Kriegs. Und genau hier liegt das Problem: Die Situation bleibt aus Sicht von Wirtschaftsexperten fragil, auch wegen der Zick-Zack-Politik von US-Präsident Donald Trump.
Durch den Konflikt am Persischen Golf bleiben die Energiepreise volatil, können zeitweise wieder sprunghaft ansteigen. Die Angst geht um, dass die gerade etwas stärker als erwartet zurückgegangene Inflation wieder angeheizt werden könnte.
Konsumausgaben auf Kredit gebaut
Hendrik Leber, Geschäftsführer der Investmentgesellschaft Acatis, gibt daher mit Blick auf die USA zu bedenken: „Die Konsumausgaben sind komplett auf Kredit gebaut. Wenn die Inflation kommt, müssen die Zinsen ein Stückchen hoch, um die Inflation zu stoppen.“ Das wiederum würge die Wirtschaft ein wenig ab, weil die privaten Haushalte dann weniger Geld ausgeben können – mit entsprechend negativen Folgen für die US-Wirtschaft.
Marktbeobachter Leber glaubt, dass die US-Wirtschaft im Moment einen Höhepunkt erreicht habe. „Es geht nicht unbedingt weiter nach oben, sondern eher seitwärts. Vielleicht sehen wir auch einen kleinen Rückschritt.“ Der sich dann wieder zuerst in den Bilanzen der US-Banken ablesen lassen würde.

