Verfahren wegen KriegsverbrechenFünf Serben im Kosovo festgenommen
Das serbische Massaker an Albanern in dem Dorf Recak rief 1999 die Nato auf den Plan. Noch heute arbeitet die Staatsanwaltschaft in Pristina an der Aufarbeitung dieser Kriegsverbrechen. Nun nimmt die Polizei fünf Serben fest, die damals mordenden Spezialeinheiten angehört haben sollen.
Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kosovo-Krieges sind fünf Serben im Kosovo wegen mutmaßlicher Beteiligung an Kriegsverbrechen festgenommen worden. Die Männer stünden im Verdacht, an der Ermordung von mehr als 40 ethnischen Albanern durch serbische Truppen im Dorf Recak im Januar 1999 beteiligt gewesen zu sein, erklärte Staatsanwalt Ilir Morina. Die Verdächtigen wurden nach seinen Worten als Mitglieder damaliger Spezialeinheiten der serbischen Polizei identifiziert.
Wegen des Massakers von Recak (serbisch Racak) hat die Staatsanwaltschaft des Kosovo bereits 21 weitere Serben wegen Mordes, Folter, Verschleppung und weiterer Straftaten angeklagt. Unter den Beschuldigten sind der frühere serbische Polizeichef Obrad Stevanovic und Geheimdienstchef Rade Markovic sowie ehemalige ranghohe Armeevertreter. Die Angeklagten befinden sich außer Reichweite der kosovarischen Justiz, die Staatsanwaltschaft hat einen Prozess in Abwesenheit beantragt.
Beim Massaker von Recak wurden nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft 42 albanische Zivilisten getötet. Serbische Truppen umstellten und beschossen das Dorf im Januar 1999 zunächst aus der Entfernung. Schließlich drangen gepanzerte Fahrzeuge in den Ort ein und serbische Truppen durchsuchten Haus für Haus nach den Bewohnern.
Auslöser für Nato-Luftangriffe
Das Massaker gehört zu den schwersten Kriegsverbrechen gegen Zivilisten im Kosovo-Krieg (1998 bis 1999). Zugleich markierte es einen Wendepunkt in dem Krieg: Die Empörung über die Vorfälle in dem Dorf führte dazu, dass die Nato Luftangriffe auf die Truppen des damaligen serbischen Machthabers Slobodan Milosevic aufnahm. Milosevics Kämpfer zogen sich daraufhin aus dem Kosovo zurück, die UNO startete eine Mission in dem Gebiet. 2008 erklärte sich das Kosovo schließlich für unabhängig. Belgrad erkennt den Schritt bis heute nicht an.
Das serbische Büro für das Kosovo verurteilte die Festnahme der fünf Verdächtigen als Teil einer „systematischen politischen und institutionellen Gewalt Pristinas“. Dabei würden „angebliche Kriegsverbrechen als Deckmantel für eine chauvinistische und anti-serbische Politik genutzt“.
Obwohl die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Opfer des Massakers von Recak damals als Zivilisten identifiziert hatte, besteht Serbien bis heute darauf, dass es sich um Milizionäre gehandelt habe, die bei Kämpfen mit serbischen Truppen starben. Insgesamt wurden im Kosovo mehr als 13.000 Menschen getötet, die meisten davon Kosovo-Albaner.
