In einem Telefonat soll US-Präsident Trump Israels Premier Netanjahu gedrängt haben, von Vergeltungsschlägen gegen Iran abzusehen – jedoch ohne Erfolg. Darunter dürfte das Verhältnis der beiden Staatschefs weiter leiden.
Mit den heftigen Gegenangriffen auf Iran hat sich Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu offenbar über einen Appell von US-Präsident Donald Trump hinweggesetzt. Beide hatten in der Nacht zum Montag miteinander telefoniert. US-Medien berichten, dass Trump Netanjahu dabei auffordern wollte, auf Gegenangriffe gegen Teheran zu verzichten.
Bereits nach den ersten iranischen Raketenangriffen hatte Trump gegenüber einem US-Journalisten erklärt, er werde „Bibi sofort anrufen und ihm sagen, dass er nicht zurückschlagen soll“. Das berichtet der „Axios“-Journalist Barak Ravid, der eigenen Angaben zufolge mit Trump telefonierte.
Trump warnte vor weiterer Eskalation
Gegenüber dem israelischen Sender Channel 12 sagte der US-Präsident zudem: „Die iranischen Angriffe haben niemanden verletzt. Wenn Bibi zurückschlägt, wird es einfach weitergehen wie in den letzten 47 oder den letzten 3.000 Jahren.“
Im gemeinsamen Telefonat habe Trump Netanjahu daher vor einer weiteren Eskalation warnen wollen. Die USA stünden kurz vor einem Deal mit Iran. Zudem habe der US-Präsident laut einem hochrangigen Mitarbeiter des Weißen Hauses versichert, dass er Iran davon abhalten wolle, Israel weiterhin zu bedrohen.
Israel soll zunächst gezögert haben
In der Tat schien es zunächst so, dass Netanjahu den Bitten Trumps nachkommen könnte. Wie der israelische Sicherheitsbeamte der Zeitung Israel Hayom laut der Times of Israel mitgeteilt haben soll, würde Israel reagieren, „auch wenn es nicht sofort geschieht“, was darauf hindeutete, dass Jerusalem möglicherweise vorerst abwarte.
Der israelische Sender Kan berichtete ebenfalls, dass Israel angesichts des US-Widerstandes erwäge, seine Antwort um mehrere Tage zu verzögern.
Dennoch entschied sich Israel am Ende, Vergeltungsschläge gegen Iran durchzuführen. Das könnte das zuletzt angespannte Verhältnis der beiden Regierungschefs zusätzlich strapazieren. Bereits in der vergangenen Woche war es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem US-Präsidenten und dem israelischen Premier über dessen Vorgehen im Libanon gekommen, wie Trump bestätigt hatte.
Trump: „Ich habe das alleinige Sagen“
Gegenüber der Financial Times äußerte Trump die Überzeugung, dass die jüngste Eskalation keinerlei Auswirkungen auf das Abkommen haben werde. Letztlich werde Israels Premierminister keine andere Wahl haben, als das Abkommen zu akzeptieren, das die USA mit Iran aushandeln. Wörtlich sagte Trump: „Ich habe das alleinige Sagen, er hat nicht das Sagen.“
Iran warnte dagegen vor einem Scheitern der Friedensbemühungen mit den USA. Die neuen gegenseitigen Angriffe belasteten den „chaotischen diplomatischen Prozess“ mit den USA, teilte das Außenministerium in Teheran mit. Zudem verstärke die Entwicklung das Misstrauen der Regierung in Teheran gegenüber Washington, sagt Ministeriumssprecher Esmail Baghaei. Die USA trügen die Verantwortung für die jüngsten Verletzungen der Waffenruhe, da Israel nicht ohne Rücksprache mit Washington handele.
In einem neuen Statement von heute forderte Trump beide Parteien auf, die Kampfhandlungen zu beenden. „Israel und der Iran müssen sofort aufhören zu ’schießen'“, schrieb er auf der Plattform Truth Social.
Mit Informationen von Martin Ganslmeier, ARD New York
