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Politik

Verzehnfachung der Strompreise wegen der Hitze

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 26, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 26.06.2026 • 20:02 Uhr

Mit den Temperaturen steigen derzeit auch die Strompreise kräftig an. Vor allem für Unternehmen mit einem hohen Stromverbrauch in den Abendstunden wird die Hitze zum Kostenrisiko.

Anne-Catherine Beck

Am europäischen Day-Ahead-Markt, der wichtigsten Strombörse Europas, ziehen die Preise derzeit deutlich an. An diesem Markt wird der Strom für den Folgetag gehandelt. Kraftwerksbetreiber melden stundenweise, welche Strommengen sie zu welchem Preis anbieten können.

Gleichzeitig geben Energieversorger und große Verbraucher ihren erwarteten Bedarf an. Aus Angebot und Nachfrage ergibt sich für jede einzelne Stunde des nächsten Tages ein Börsenpreis.

Kühlbedarf an heißen Tagen enorm

Dass die Preise derzeit steigen, führt Patrick Schöwe, Pressesprecher des Energieanbieters Scholt Energy, vor allem auf die anhaltende Hitze zurück: „Bei so einer Hitzewelle darf man den Kühlbedarf nicht unterschätzen“, erläutert er.

„Wir sprechen hier nicht nur über Klimaanlagen und Kühlhäuser, sondern auch über temperaturkritische Produktionsprozesse: Lebensmittelerzeugung, Rechenzentren oder auch öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser“. Diese müssen gekühlt werden, um Menschen und Technik vor der Hitze zu schützen.

Strom nach Sonnenuntergang besonders teuer

Besonders angespannt ist die Lage derzeit in den Abendstunden. Während die Solarstromproduktion tagsüber häufig für sehr niedrige oder sogar negative Börsenpreise sorgt, schnellen die Preise nach Sonnenuntergang in die Höhe. Gegen 20.45 Uhr kostete eine Kilowattstunde Strom an der Börse in den vergangenen Tagen zeitweise mehr als 70 Cent.

Günstige Solarstromerzeugung fällt weg

Der Grund: Mit dem Sonnenuntergang fällt ein großer Teil der vergleichsweise günstigen Solarstromerzeugung weg. Reicht günstiger Strom aus Erneuerbaren Energien nicht aus, müssen teurere Kraftwerke einspringen und bestimmen dann den Preis für alle gehandelten Strommengen dieser Stunde.

Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Strom hoch – unter anderem, weil Gebäude, Rechenzentren und Produktionsanlagen weiter gekühlt werden müssen.

Strombedarf übersteigt Angebot

Hinzu kommen wetterbedingte Einschränkungen auf der Angebotsseite, sagt Schöwe: „Die Hitze verschärft das Ganze, weil Kühlwasser für Atomkraftwerke oder konventionelle Kraftwerke fehlt oder die Flusstemperaturen zu hoch sind. Außerdem haben wir aktuell wenig Wind.“

Diese Lücken müssen dann von Gas- und Kohlekraftwerken geschlossen werden. Die produzieren allerdings zu deutlich höheren Kosten.

Unternehmen mit dynamischen Stromtarife besonders betroffen

Besonders betroffen sind Unternehmen mit dynamischen Stromtarifen, deren Strompreis sich direkt am Börsenpreis orientiert. Wer vor allem in den teuren Abend- und Nachtstunden produziert und seinen Stromverbrauch kaum verschieben kann, muss mit deutlich höheren Energiekosten rechnen.

„Betroffen sind alle Unternehmen, die am Abend weiterhin einen hohen Strombedarf haben und diesen nicht flexibel verlagern können – etwa Industriebetriebe im Schichtbetrieb, Rechenzentren, Unternehmen der Lebensmittelindustrie, Kühlhäuser sowie Betriebe aus Gastronomie und Hotellerie.“

Stromverbrauch an Preise anpassen

Energieexperten wie Tim Meyer raten Unternehmen deshalb, ihren Stromverbrauch möglichst flexibel zu gestalten. Energieintensive Produktionsschritte sollten – wenn möglich – in die Mittagsstunden verlegt werden, wenn Solarstrom reichlich verfügbar ist und die Börsenpreise häufig niedrig sind.

Auch Speicher können helfen, hohe Preise zu vermeiden – nicht nur Batteriespeicher, sondern beispielsweise auch thermische Speicher.

Im Sommer sowie im Winter

Ob Hitzewelle im Sommer oder Kälteinbruch im Winter: Unternehmen sollten ihren Strombedarf grundsätzlich an das Angebot und die Nachfrage anpassen, sagt Meyer. „Genauso wie sie umgekehrt, wenn immer die Preise niedrig sind oder gar negativ, alles dafür tun müssen, um ihren Verbrauch dahin zu schieben.“

Fluch und Segen flexibler Stromtarife

Die aktuelle Hitzewelle zeigt damit zugleich die Chancen und Risiken dynamischer Stromtarife: Während Strom an heißen Sommerabenden schnell sehr teuer werden kann, profitieren flexible Verbraucher an sonnigen, windreichen oder verbrauchsarmen Tagen häufig von deutlich niedrigeren Preisen.

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