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Vier Monate Stillstand: Alle verbliebenen Hapag-Lloyd-Schiffe verlassen Krisenregion

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Vier Monate StillstandAlle verbliebenen Hapag-Lloyd-Schiffe verlassen Krisenregion

Bis auf die Zahl der Schiffe, die den Persischen Golf verlassen, macht die Containerreederei keine weiteren Angaben. (Foto: IMAGO/Johannes Koziol)

Seit der Schließung der wichtigen Straße von Hormus stecken Hunderte Schiffe monatelang fest. Nun hebt ein Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran die Blockaden auf. Das bedeutet für mehrere Schiffe und 150 Seeleute von Hapag-Lloyd eine sichere Ausfahrt.

Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd kann aufatmen: Knapp vier Monate nach Beginn des Iran-Kriegs und der damit einhergehenden Blockade der Straße von Hormus sitzt keines der Hapag-Lloyd-Schiffe mehr im Persischen Golf fest. Alle Frachter, die von der vorübergehenden Schließung der Straße von Hormus betroffen waren und auf die Ausfahrt gewartet hatten, hätten die Region inzwischen sicher verlassen, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage.

Zuletzt waren es demnach noch vier Hapag-Schiffe, die wegen des Iran-Kriegs feststeckten. Nun seien zwei von ihnen aus dem Golf herausgefahren. Das dritte sei unterverchartert worden, das Vierte verbleibe für einen neu angelaufenen Einsatz im Golf.

Ursprünglich waren es sechs Hapag-Schiffe mit 150 Seeleuten gewesen. Eines kam bereits im April frei und bei einem anderen lief der Chartervertrag aus, womit es – wie das nun unterverchartete – nicht mehr zur Hapag-Lloyd-Flotte gehörte. Nach der jüngsten Einigung zwischen den USA und dem Iran auf ein vorläufiges Rahmenabkommen hatte das Hamburger Unternehmen die Hoffnung geäußert, dass auch weitere Schiffe bald die Straße von Hormus passieren können. Seit Wochen tagte bei Hapag-Lloyd ein Krisenstab, um eine Rückholung der Schiffe zu organisieren.

Iran sperrt wichtige Meerenge

Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitestgehend gesperrt. Die USA reagierten im Verlauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Beide Blockaden wurden im Zuge des Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran aufgehoben. 

„Dies erfolgte erst nach sorgfältiger Bewertung der Sicherheitslage und in enger Abstimmung mit den relevanten Behörden, Sicherheitspartnern sowie unseren Teams an Bord und an Land“, erläuterte die Hapag-Lloyd-Sprecherin. Aus Sicherheitsgründen gebe Hapag-Lloyd keine Details wie etwa Namen einzelner Schiffe, Routen oder Zeitpläne bekannt. Darauf verwies die Sprecherin auch mit Blick auf die Frage, ob die Schiffe im Rahmen eines seit Dienstag laufenden Evakuierungsplans der UN-Schifffahrtsorganisation International Maritime Organization (IMO) freigekommen seien.

Seit Beginn der Maßnahme haben nach IMO-Daten 57 Schiffe die Straße von Hormus passiert. An Bord dieser Schiffe seien schätzungsweise 1100 Seeleute, so die IMO. Der IMO-Plan soll insgesamt Hunderten Schiffen mit rund 11.000 Crew-Mitgliedern die Durchfahrt durch die Straße von Hormus ermöglichen.

Die dänische Containerreederei Maersk teilte ihrerseits mit, dass zwei ihrer Schiffe die Meerenge in der Nacht sicher durchquert und den Golf verlassen hätten. Dabei handele es sich um die konzerneigene Maersk Baltimore und ein derzeit von Maersk gechartertes Schiff. Zu einem späteren Zeitpunkt solle noch ein Schiff folgen. Zwei weitere Schiffe verblieben im Golf, so Maersk.

Verkehr normalisiert sich

Auch Analysen zufolge zeigt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erste Anzeichen einer Normalisierung. 70 Durchfahrten zählte der Datenanbieter Kpler am Mittwoch nach Angaben eines Sprechers. Vor Ausbruch des Iran-Kriegs waren es täglich mehr als 100 gewesen. Der Datenanbieter Windward schrieb in einer Analyse, kommerzieller Verkehr in der Straße von Hormus nähere sich „funktioneller Normalität“ an. Der Anbieter berichtete von mehr Aus- als Einfahrten. China sei das Hauptzielland für ölexportierende Schiffe.

Anders als bei Tankern seien die Durchfahrten von Schüttgutfrachtern auf dem Vorkriegsniveau angekommen, schrieb der maritime Softwareanbieter AXSMarine in einer Analyse. Mit solchen Frachtern werden etwa Getreide oder Düngemittel transportiert.

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatte mitgeteilt, dass Durchfahrten durch die Meerenge nur auf iranisch festgelegten Routen sicher seien. Der Datenanbieter Kpler unterschied zuletzt zwischen drei Routen: Auf Visualisierungen der Firma werden Passagen entlang der Küsten Irans im Norden, Omans im Süden und dazwischen gezeigt. In einem weiteren Windward-Bericht war von vier Tankern die Rede, die nach warnenden Funksprüchen der IRGC auf der Oman-Route umgekehrt seien.

Quelle: ntv.de, mwa/dpa/rts

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