Der verstorbene US-Politiker Graham war in Washington einer der einflussreichsten Senatoren – und näherte sich zuletzt immer mehr US-Präsident Trump an. Und das trotz außenpolitischer Differenzen.
Als Donald Trump vor zehn Jahren US-Präsident werden wollte, war der republikanische US-Senator Lindsey Graham einer seiner schärfsten Kritiker. Doch nach Trumps Wahlsieg und vielen gemeinsamen Golf-Runden wurde das Verhältnis der beiden immer enger. Außenpolitisch lagen sie jedoch nicht immer auf einer Linie. Graham versuchte immer wieder, Trump von der Bedeutung der NATO zu überzeugen, ihn vor Russlands Präsident Wladimir Putin zu warnen und Trump für eine stärkere Unterstützung der Ukraine zu gewinnen. Auch deshalb war er ein wichtiger Gesprächspartner für europäische und deutsche Politiker. Nun ist Graham im Alter von 71 Jahren überraschend verstorben.
Noch vor wenigen Tagen hatte er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum zehnten Mal in Kiew getroffen. Graham überbrachte Selenskyj die Botschaft, dass Trump ein neues Sanktionsgesetz gegen Russland unterstützte. Trump selbst würdigte Graham in einem Social-Media-Post als einen der großartigsten Menschen und Senatoren, die er je gekannt habe. Wörtlich schrieb er: „Er war immer am Arbeiten und ein wahrer amerikanischer Patriot. Lindsey wird uns sehr fehlen.“
Wichtiger Partner für Europa
Graham war eine wichtige Stimme in der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik. Auch in Deutschland war er bekannt. So gehörte er beispielsweise seit vielen Jahren zu den Teilnehmern der Münchner Sicherheitskonferenz. Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich betroffen. Graham sei ein echter Freund und Partner Deutschlands im transatlantischen Bündnis gewesen, schrieb der CDU-Politiker auf Englisch auf der Plattform X. Er werde ihn vermissen, hieß es weiter.
Graham zeigt Wandel der Partei
Seit Mitte der Neunzigerjahre hatte Graham seinen Heimatstaat South Carolina im Kongress vertreten, zunächst im Repräsentantenhaus, von 2003 an im Senat. Gerade machte er Wahlkampf, um im November für eine fünfte Amtszeit als Senator gewählt zu werden.
Anhand Grahams Werdegang wird der Wandel der Republikanischen Partei in den vergangenen 20 Jahren deutlich. Er begann als traditioneller Mainstream-Konservativer und Anhänger des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan: pro NATO, pro Israel, für freien Handel und gegen Zölle. Graham war bis zu dessen Tod eng mit dem republikanischen Senator John McCain befreundet. McCain wiederum war einer der entschiedensten Gegner von Trump und seiner Make-America-Great-Bewegung. Die MAGA-Forderung nach einem Rückzug Amerikas aus den Krisenherden der Welt hatte Graham stets abgelehnt.

