Wegen schwerer Vegetationsbrände mussten in mehreren europäischen Ländern Hunderte Menschen ihre Häuser verlassen. Betroffen waren neben Frankreich und England auch Kroatien und Griechenland.
Mehrere europäische Länder sind von massiven Wald- und Vegetationsbränden betroffen. Im Südwesten Frankreichs erfasste ein neuer Waldbrand 1.100 Hektar Land. Die Ausbreitung des am Donnerstag in einem Kiefernwald im Département Landes ausgebrochenen Feuers sei zwar „gebremst“ worden, erklärte Feuerwehrchef Arnaud Fabre.
Der Präfekt des Départements, Gilles Clavreul, warnte jedoch angesichts von Temperaturvorhersagen von 36 Grad Celsius, bei der Brandbekämpfung seien die „nächsten 15 Stunden entscheidend“.
Hunderte Menschen in Sicherheit gebracht
Der Brand, dessen Ursache noch unklar ist, hatte sich am Abend aufgrund wechselnder Winde sehr schnell ausgebreitet. Insgesamt 525 Menschen wurden bisher vor den Flammen in Sicherheit gebracht. Clavreul zufolge waren etwa 500 Feuerwehrleute im Einsatz. Bislang wurde den Behörden zufolge kein Wohnhaus zerstört, auch wenn manche nur wenige Dutzend Meter von dem Feuer entfernt sind.
Die französischen Behörden nahmen indes am Donnerstag einen 15-jährigen Jugendlichen fest, der verdächtigt wird, einen Waldbrand nahe Bordeaux gelegt zu haben, bei dem zwei Feuerwehrleute ums Leben kamen.
Brände zerstören Häuser und Vegetation in Großbritannien
Bei mehreren Wald- und Vegetationsbränden in Großbritannien wurden Häuser zerstört, Menschen wurden in Sicherheit gebracht worden. Besonders schwer betroffen war die Stadt Stourbridge südwestlich von Birmingham, wo mindestens sechs Gebäude von den Flammen erfasst wurden.
Wie der britische Feuerwehrverband NFCC mitteilte, kamen drei Feuerwehrleute nach ihrem Einsatz ins Krankenhaus. Mehrere Anwohner hatten Rauch eingeatmet und mussten behandelt werden.
Die Brände hatten sich am Donnerstag, dem bislang heißesten Tag des Jahres in Großbritannien, rasch ausgebreitet. Heute erklärte die Feuerwehr der Region West Midlands, sie mache Fortschritte bei der Bekämpfung der Flammen. Das Feuer habe mehrere Ausgangspunkte gehabt. Einige Brände seien vorsätzlich auf Grasflächen gelegt worden und hätten anschließend auf andere Gebiete übergegriffen. Feuerwehrchef Simon Tuhill sprach von einem der aufwendigsten Einsätze in der Geschichte der Feuerwehr der West Midlands.
In England wurden durch die Brände auch Häuser zerstört.
Flammen bedrohten Ferienort in Kroatien
Auch in Kroatien wurde in der vergangenen Nacht wegen eines sich ausbreitenden Waldbrandes die Evakuierung des Ferienortes Lokva Rogoznica an der Adriaküste angeordnet. Sieben Menschen wurden schwer verletzt und schwebten in Lebensgefahr. Insgesamt mussten 36 Menschen medizinisch versorgt werden. Mehr als 1.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Der Brand war am Donnerstagabend in einem Vorort der Küstenstadt Omis ausgebrochen und breitete sich angefacht von starkem Wind rasch aus. Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders HRT näherten sich die Flammen dem Stadtzentrum. Teile von Omis waren zeitweise ohne Strom und mehrere Autos brannten aus.
Die Feuerwehr löschte den Brand am Morgen. Ein Teil der Einsatzkräfte und Löschflugzeuge wurden weiter nach Süden auf die Halbinsel Peljesac verlegt. Dort war in der Nacht ein weiterer Waldbrand ausgebrochen.
Auch in Albanien wüten mehrere aktive Brände. Das größte der insgesamt elf Feuer befindet sich in der Gegend Gure-Lure. Der Brand erfasste den Lura-Nationalpark.
Urlauber in Griechenland mussten vor Feuer fliehen
In Griechenland sind ebenfalls zahlreiche Feuerwehrleute im Einsatz. Sie befürchteten, dass heftige Windböen die Feuer in mehreren Regionen wieder anfachen könnten, darunter ein Brand in der Urlaubsregion Chalkidiki. Dort wurden am Donnerstag 481 Urlauber in kleinen Notfall-Booten über das Meer evakuiert.
200 Feuerwehrleute waren nach Angaben der Feuerwehr im Einsatz, unterstützt von neun Löschflugzeugen und sieben Hubschraubern. In den vergangenen Tagen hatte ein Großbrand nordwestlich von Athen bereits mehr als 11.000 Hektar Kiefernwald, Buschgebiet und landwirtschaftliche Flächen verwüstet.
Königssärge in Spanien gerettet
In Spanien retteten Einsatzkräfte die sterblichen Überreste von drei Königen aus dem Mittelalter vor einem herannahenden Waldbrand. Die Flammen fraßen sich immer näher an das fast 1.000 Jahre alte Bergkloster San Juan de la Peña in der Region Aragón heran. Für die Behörden begann ein Wettlauf gegen die Zeit, denn in dem historischen Gemäuer ruhen die ersten drei Könige von Aragón, die im elften Jahrhundert herrschten.
Eine Spezialeinheit des Militärs habe sich als erste in die Gefahrenzone gewagt, sagte Mar Vaquero, die Vizepräsidentin der nordöstlichen Region. Es sei ihnen gelungen, wertvolle historische Gewänder zu bergen, bevor das Feuer sie zum Rückzug zwang. Gemeinsam mit Polizisten und Denkmalschützern gingen sie Vaquero zufolge ein zweites Mal in das bedrohte Kloster und schafften es, die Särge der Könige sowie mehrere historische Gemälde aus dem Pantheon zu holen.
Mehrere Ortschaften mussten evakuiert werden. Insgesamt mussten bislang etwa 1.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Der Brand hat nach Behördenangaben in der Provinz Huesca bereits rund 10.000 Hektar Wald und Buschland erfasst. Ein 28-Jähriger wurde als mutmaßlicher Verursacher des Feuers festgenommen. Nach bisherigen Ermittlungen könnte der Brand von einem Lagerplatz für Baumaterial an einer Landstraße ausgegangen sein.
Bei einem weiteren Brand, der seit gut einer Woche in der Provinz Huelva im Südwesten des Landes wütet, habe sich die Lage zuletzt positiv entwickelt, sagte der regionale Vizepräsident Antonio Sanz. Ein großer Teil der Brandfronten sei inzwischen unter Kontrolle, eine unmittelbare Gefahr für Ortschaften bestehe nicht mehr. Der Brand hatte zuletzt eine Fläche von 31.000 Hektar erfasst, wie die Regionalregierung von Andalusien mitteilte.
