Vor 30 Jahren sorgte Pauline Hanson mit der Aussage, Australien werde von Asiaten „überschwemmt“, für Empörung. Heute klingt sie noch ganz ähnlich – und liegt mit ihrer rechten Partei in Umfragen vorn. Was hat sich verändert?
„Ich kann das. Ich habe keinen Zweifel daran“ – Pauline Hanson antwortet selbstbewusst, als sie Ende Juli auf einer Bühne vor australischen Wirtschaftsvertretern gefragt wird, ob sie sich das Amt als Premierministerin zutraut. Die 72-Jährige ist die Gründerin der rechtspopulistischen One Nation Party und erlebt gerade einen politischen Höhenflug.
Ende Juli führt ihre Partei erstmals in den Umfragen, liegt damit zwei Prozentpunkte vor der regierenden Labour Party von Premier Anthony Albanese. Diese Entwicklung haben ihr nur wenige zugetraut.
„Sie galt lange als die politische Außenseiterin schlechthin“, erklärt Claire Harvey, Chefredakteurin der Tageszeitung The Australian im Podcast The Detail. „Man hat ihr eigentlich sämtliche Chancen abgesprochen. Jetzt ist Pauline Hanson auf eine Weise zum Dreh- und Angelpunkt der australischen Politik geworden, wie wir es noch nie zuvor gesehen haben.“
Mit Burka gegen Muslime
Hanson ist bereits seit mehr als 30 Jahren politisch aktiv. Ihre Markenzeichen sind ihre kurzen rot-orangenen Haare und ihre ständigen verbalen Attacken, insbesondere gegen Migranten. Schon vor ihrer Wahl ins australische Repräsentantenhaus fiel sie mit umstrittenen Äußerungen über indigene Australier auf. Wenig später, in ihrer ersten Rede als Abgeordnete 1996, die sie noch als Mitglied der Liberalen Partei Australiens hielt, warnte sie: „Ich glaube, wir sind in Gefahr, von Asiaten überrannt zu werden.“
20 Jahre später nutzt sie dieselbe Rhetorik, lediglich das Feindbild hat sich verändert: „Jetzt sind wir in Gefahr, von Muslimen überrannt zu werden.“ Die Bilder von ihr in Burka im Parlament gehen 2017 um die Welt. Es ist ihre Art ein Verbot des Kleidungsstücks zu fordern.
Ein Auftritt, der für Schlagzeilen sorgte: Pauline Hanson, sitzt am 17.08.2017 vollverschleiert mit einer Burka im australischen Parlament.
Überraschender Erfolg mit altem Konzept
Der Politikwissenschaftler Benjamin Moffitt von der Monash Universität in Melbourne beobachtet Hansons Werdegang seit der Gründung ihrer One Nation Party. „Sie haben ihre Strategie nie wirklich geändert. Es ist dieselbe Botschaft und dieselbe Anführerin. Hier und da gab es kleine Anpassungen, aber nichts grundlegend Neues, was diesen Erfolg erklären würde.“
Es bleibt also die Frage, warum Hanson gerade jetzt mit dieser Strategie Erfolge verzeichnet. Einige Beobachter machen die steigenden Lebenshaltungskosten, mit denen viele Australier zu kämpfen haben, verantwortlich. „Es herrscht aktuell so ein Gefühl, wie in so ziemlich jeder westlichen, liberalen Demokratie: Das Leben wird immer schwieriger, die Inflation scheint außer Kontrolle zu geraten. Die Löhne steigen einfach nicht. Und wir haben in Australien eine extreme Wohnungskrise,“ fasst Politikwissenschaftler Moffitt zusammen. Genau hier verspricht One Nation einfache Lösungen – und vor allem weniger Einwanderung.
„Es handelt sich um eine typische rechtsextreme Partei, die jedem Europäer, der die Parteipolitik der letzten Jahrzehnte beobachtet hat, sehr vertraut sein dürfte,“ so Moffitt, der zu Populismus und der radikalen Rechten forscht. „Der Unterschied besteht darin, dass es One Nation bereits seit 1997 gibt. Sie ist also fast drei Jahrzehnte alt.“
Gestärkt durch Versagen der anderen Parteien?
Eine gewisse Schuld für den Erfolg von Hanson würden auch die anderen Parteien tragen, analysiert Peter Beattie. Der frühere Regierungschef im australischen Bundesstaat Queensland von der sozialdemokratischen Labour Party sagte im Gespräch mit dem australischen Fernsehsender ABC: „Die großen politischen Parteien haben versagt. Sie befassen sich nicht mit den Themen, die den normalen Australiern am Herzen liegen.“
Seine These lautet: „Sobald man damit anfängt, wird die Unterstützung für One Nation schwinden, und die Partei wird den üblichen Selbstzerstörungsprozess durchlaufen.“
Immer wieder gibt es auch Proteste gegen die migrationsfeindliche Politik von Pauline Hanson – wie hier im Juni in Canberra.
Teil der „kleinen Leute“ oder doch der Elite?
One Nation punktet den Umfragen zufolge vor allem bei älteren, männlichen und weniger gebildete Wählern. Hanson inszeniert sich gerne als eine von ihnen. Immer wieder verweist sie auf ihre Vergangenheit: Früher war sie Besitzerin eines Fish-and-Chips-Ladens im konservativen Queensland, sie ist vierfache Mutter und zwei Mal geschieden.
Sie habe wenig zu tun mit der politischen Elite, behauptet Hanson. Dabei zählt Gina Rinehart zu Hansons Vertrauten und politischen Unterstützern. Die Milliardärin Rinehart leitet ein Bergbauunternehmen, gilt als reichste Frau Australiens und Trump-Supporterin. Trotz Verbindungen wie dieser, an denen sich die anderen Parteien öffentlich regelmäßig abarbeiten, übt sich Hanson in der Rolle „der kleinen Leute“.
One Nation Party nutzt schwache politische Mitte
Der Politologie Benjamin Moffitt sieht in den Veränderungen der australischen Parteienlandschaft einen entscheidenden Grund für den Erfolg von Pauline Hanson. Seiner Meinung nach schwächelt insbesondere die konservative Mitte. Die Liberal Party stecke in einer Art Identitätskrise und habe ein politisches Vakuum hinterlassen. „Die populistische Rechte hat diesen Platz eingenommen und es sieht auch nicht so aus, als würde sich daran in nächster Zeit etwas ändern.“
Bis zur nächsten Parlamentswahl in Australien bleiben noch zwei Jahre. Zeit genug für die etablierten Parteien, verlorenen Boden wieder gutzumachen. Im Mai hat One Nation zum ersten Mal einen Sitz im australischen Repräsentantenhaus, dem Unterhaus im Parlament gewonnen. Ein politischer Erfolg für Pauline Hanson, der vor einigen Jahren für die meisten kaum vorstellbar gewesen wäre.

