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Politik

Wie Apfelbauern mit Hitze und Trockenheit umgehen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 24, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 24.08.2026 • 16:43 Uhr

Der heimische Apfelanbau kämpft nicht nur mit günstiger Konkurrenz aus dem Ausland: Auch Hitze und ausbleibender Regen belasten Betriebe. Wie Apfelbauern damit umgehen und was in Zukunft helfen könnte.

Von Margareta Holzreiter, SWR

Apfelbäume, soweit das Auge reicht – in schnurgeraden Reihen wachsen sie auf den hügeligen Flächen des Obsthofs Rembold in der Nähe von Heilbronn. Etwa 30 verschiedene Sorten wachsen hier.

Trotz der vielen Hitzetage in diesem Jahr sehen die Äpfel von Obstbauer Albrecht Rembold noch ziemlich gut aus. Ein Grund dafür sind Hagelnetze. „Bei uns im Betrieb sind die Hagelnetze in der Zwischenzeit Standard geworden. Einfach, um eine Ertragssicherung zu haben“, erklärt er. Diese schützten nämlich nicht nur vor Hagel: „In der Zwischenzeit merken wir auch, dass es einen super Zusatzeffekt hat gegen Sonnenbrand bei den Früchten.“

Der Unterschied ist deutlich: An Bäumen, die nicht im Schatten der Hagelnetze stehen, sieht man gelbliche Verfärbungen und beschädigtes Gewebe.

Erhitzen die Äpfel sich zu stark, können sie solche Schäden davon tragen.

Bewässerung im Notfall-Modus

Aber die Sonne ist nicht allein das Problem, sondern auch der fehlende Regen: Die Apfelbäume hatten wochenlang zu wenig Wasser. Pro Baum fehlen Obstbauer Rembold deshalb nach seiner Schätzung bis zu drei Kilogramm Apfel-Gewicht. Um sich zu schützen, werfen die Bäume bei Wassermangel teilweise sogar Früchte ab.

Deshalb läuft seit ein paar Tagen eine Notfall-Bewässerung. Mit tatkräftiger Unterstützung seiner Familie fährt er nun Wasserkanister zu seinen Apfelbäumen und versorgt sie über feine Tropf-Schläuche. „Wir spielen Feuerwehr: Da, wo es am schlimmsten ist, wird geholfen, dass der Bestand nicht kaputt geht, dass die Qualität erhalten bleibt“, sagt Rembold. Er spiele auch mit dem Gedanken, ein Speicherbecken anzulegen, um in der regenreichen Zeit Wasser speichern zu können.

Mit einem Anhänger transportiert Albrecht Rembold die Wasserkanister zu den Bäumen.

Bewässerungsbecken: „Ein Muss für Betriebe“

So ein Speicherbecken könnte helfen. Aber dafür braucht der Apfelbauer eine Genehmigung und vor allem Geld. Die Einnahmen aus seinen Äpfeln decken so eine große Investition aktuell nicht – zu hoch ist der Preisdruck und die Konkurrenz durch Import-Äpfel.

Trotzdem: An Bewässerungsbecken führt langfristig kein Weg vorbei, sagt Agrarwissenschaftler Franz Rueß von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg. „Gerade der Süden Deutschlands wird auf solche Bewässerungsbecken setzen müssen. Das ist ein Muss für die Betriebe, um zukunftssicher zu sein.“

Bewässerungsteiche wie dieser hier werden zunehmend für die Landwirtschaft wichtiger, sagt Agrarexperte Rueß.

Klimawandel verschiebt die Blütezeit

Denn Apfelbauern brauchen Wasser nicht nur als Absicherung in trockenen Sommern. Auch im Frühjahr ist Wasser wichtig: Wenn in Frühlingsnächten Frost droht, besprühen sie die Apfelblüten mit Wasser. Das schützt vor Kälteschäden.

Der Klimawandel macht es laut Rueß wahrscheinlicher, dass Apfelknospe und Frostnacht aufeinandertreffen: „Durch die milden Winter haben sich die Blühtermine einfach nach vorne geschoben“, erklärt der Forscher. Früher hätten Apfelbäume etwa Anfang bis Mitte Mai geblüht – heute sei das Anfang bis Mitte April.

Klimaresiliente Sorten für die Zukunft?

Eine Hoffnung für den heimischen Apfelanbau sind neu gezüchtete Sorten, die besser mit dem Klimawandel zurechtkommen sollen. Etwa eine Sorte, die Franz Rueß gezüchtet und „Mammut“ genannt hat – weil sie so spät blüht, dass Fröste ihr nicht schaden können.

Bis solche Sorten sich im großen Stil bei den Betrieben durchsetzen, dauert es. Denn die Bäume kosten Geld und brauchen Jahre, bis sie richtig Früchte tragen. Und auch die Kundschaft muss erstmal auf den Geschmack kommen.

Obstbauer Albrecht Rembold gibt unterdessen sein Bestes, um seinen Betrieb fit für die Zukunft zu machen: „Ich möchte meinen Kindern einen Betrieb übergeben, wenn sie wollen, der ökologisch und ökonomisch besser dasteht als das, was ich von meinen Vorfahren übernommen habe.“ Damit auf diesen Flächen auch in ein paar Jahrzehnten noch heimische Äpfel geerntet werden können.

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Dr. Heinrich Krämer
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