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Politik

Wie der fallende Ölpreis Russlands Kriegswirtschaft bedroht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 19, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.06.2026 • 15:52 Uhr

Der Iran-Krieg hat Russland nur kurz Luft verschafft. Sinkende Ölpreise, ukrainische Drohnenangriffe und die Rubel-Stärke belasten zunehmend die Wirtschaft. Wie lange kann Putin den Krieg noch finanzieren?

Angela Göpfert

Die Atempause für Russlands Kriegswirtschaft könnte schon wieder vorbei sein. Seit der Ankündigung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und Iran sind die Ölpreise deutlich gesunken. Der Preis für russisches Urals-Rohöl fiel zuletzt auf rund 61 Dollar je Barrel – den niedrigsten Stand seit mehr als drei Monaten. Zum Vergleich: Im April wurden laut TradingEconomics zeitweise noch über 120 Dollar gezahlt.

Die höheren Ölpreise hatten dem Kreml vorübergehend zusätzliche Einnahmen beschert. Laut der Internationalen Energieagentur nahm Russland im Mai mit dem Export von Öl und Ölprodukten rund 20,8 Milliarden Dollar ein – 65 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mit dem Preisrückgang dürfte nun jedoch auch der Druck auf den russischen Staatshaushalt wieder zunehmen.

Das knappere Öl wird vom Militär gebraucht

Doch die Entwicklungen am globalen Ölmarkt sind nur ein Teil des Problems. Hinzu komme die teilweise Zerstörung der russischen Ölinfrastruktur, sagt Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Dadurch würden die Exportmöglichkeiten und der zivile Verbrauch im Inland eingeschränkt, weil das knappe Öl für das Militär benötigt werde. „Für Russland stellt sich nun immer mehr die Frage nach der Finanzierbarkeit des Krieges“, so Rethfeld.

Ukraine greift verstärkt Raffinerien oder Tanklager an

Geht die ukrainische Strategie, Moskaus wichtigste Einnahmequelle für den Krieg zu schwächen, somit auf? Fakt ist: Seit mehreren Monaten greift die Ukraine verstärkt Öl-Infrastruktur, Raffinerien, Tanklager, Pipelines und Exportanlagen an – inzwischen auch weit im russischen Hinterland, wie aus einer Analyse des Economist hervorgeht.

Der wirtschaftliche Schaden, der dabei entsteht, ist ein doppelter: Wiederholte Angriffe erschweren rasche Reparaturen an beschädigten Anlagen. Zugleich binden die hohen Kosten für Reparaturen finanzielle Mittel, die andernfalls in das Militär oder die zivile Wirtschaft fließen würden.

Wie stark einzelne Exportstandorte dabei getroffen wurden, zeigen Berechnungen des Centre for Research on Energy and Clean Air. Demnach sanken die Verladungen von Ölprodukten im Hafen Taman auf der gegenüberliegenden Seite der Krim nach Drohnenangriffen im Mai um 53 Prozent. In Tuapse am Schwarzen Meer lagen sie sogar 91 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

IEA senkt Prognose für russische Ölförderung

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur sank Russlands Rohölförderung im Mai auf 8,74 Millionen Barrel pro Tag. Damit lag sie knapp eine Million Barrel unter der mit der OPEC+ vereinbarten Zielmenge.

Die IEA führt den Rückgang vor allem auf die verstärkten ukrainischen Angriffe auf russische Energieanlagen zurück. Sie senkte deshalb ihre Prognose für Russlands durchschnittliche Rohölförderung im laufenden Jahr um 200.000 Barrel pro Tag.

US-Sanktionen könnten Russland zusätzlich treffen

Zusätzlicher Druck könnte aus den USA kommen. Die Trump-Regierung hatte die Sanktionen gegen russisches Öl während des Iran-Kriegs gelockert. Diese Ausnahmeregelung lief nun aber am 17. Juni aus.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer geht davon aus, dass Washington die Sanktionen gegen den russischen Ölsektor wieder einsetzen dürfte – „sobald sich die Lage am Golf entspannt hat“.

Starker Rubel belastet Exporteure und Staat

Auch jenseits des Ölmarkts wächst der Druck. Die russische Währung wurde zuletzt bei rund 73 Rubel je Dollar gehandelt und hat damit binnen drei Monaten rund 15 Prozent aufgewertet.

Für russische Exporteure ist das ein Problem: Waren wie Getreide, Dünger, Stahl oder Metalle werden auf dem Weltmarkt teurer und damit weniger wettbewerbsfähig.

Zugleich sind die Einnahmen aus Dollar- oder Yuan-Geschäften nach der Umrechnung weniger Rubel wert. Das schmälert nicht nur die Gewinne der Unternehmen, sondern auch die Steuereinnahmen des Staates.

Russischer Leitzins bleibt mit 14,25 Prozent hoch

Ein Grund für den starken Rubel ist die straffe Geldpolitik. Trotz des wachsenden Drucks aus dem Kreml senkte die russische Zentralbank den Leitzins heute lediglich um 0,25 Prozentpunkte auf 14,25 Prozent – und damit weniger stark als erwartet. Die hohen Zinsen verteuern Kredite und bremsen Investitionen.

Auch im Bankensektor könnten sich die Probleme verschärft haben. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet unter Berufung auf europäische Geheimdienst-Informationen von hohen versteckten Schulden. Banken hätten auf Druck des Kremls Vorzugskredite an finanzschwache Rüstungsunternehmen vergeben. Damit wachse das Risiko von Kreditausfällen.

Putins finanzieller Spielraum wird kleiner

Unterm Strich gerät Russlands Kriegswirtschaft somit von mehreren Seiten unter Druck: durch fallende Ölpreise, Förder- und Exportausfälle infolge ukrainischer Drohnenangriffe, den starken Rubel, hohe Zinsen, wachsende Kreditrisiken und mögliche neue Sanktionen. All das schmälert Putins finanziellen Spielraum zur Fortführung des Krieges.

„Wir gehen davon aus, dass der Ölpreis noch weiter fallen wird und der Druck auf Russland sich noch verstärken wird“, sagt Wellenreiter-Experte Rethfeld. „Damit verbessern sich die Verhandlungsoptionen für die Ukraine.“

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