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Politik

Wie die Urlaubserholung zurück im Job möglichst lange anhält

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 23, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 23.08.2026 • 15:52 Uhr

Der Urlaub ist um, die Erholung weicht dem Alltagsstress. Doch muss das sein? Wie lässt sich das Urlaubsgefühl in den Alltag hinüberretten – zumindest eine Zeit lang?

Von Laura Lippert, Radio Bremen

Fade-out-Effekt nennen Psychologen das Phänomen, das die Erholung aus dem Urlaub verpuffen lässt. Zurück am Arbeitsplatz und im Alltagsstress vergeht die Gelassenheit – und das alte Gefühl von Stress kommt nach und nach zurück. Noch vor wenigen Jahren dachte man, dass ein Urlaub kaum etwas für das Wohlbefinden bringt. Der Effekt sei schon im Urlaub selbst gering und nach wenigen Tagen alles wieder beim Alten.

Doch so abrupt schwindet die Erholung dann doch nicht. Neue Forschungen zeigen: Urlaub lässt das seelische Wohlbefinden erheblich steigen. Das sinkt zwar in den ersten Tagen danach wieder ab, bleibt aber insgesamt noch einige Wochen höher als vorher. Urlaub wirkt so etwa einen Monat nachhaltig positiv auf die Psyche – zumindest, wenn er lang genug ist.

Laut Gesetz muss der Arbeitgeber einen Urlaub von zwei Wochen am Stück gewähren – aus psychologischer Sicht genau richtig, meint Gesundheitspsychologin Sonia Lippke: „Da steckt auch wirklich Evidenz hinter, dass man diese zwei Wochen braucht, um richtig runterzufahren und dann mit neuer Energie wieder zu starten. Dann kann man diese Energie auch bis zu einem Monat lang behalten.“

Urlaub: ja, bitte!

Dass Urlaub wichtig ist, sehen die meisten Deutschen wohl ähnlich, denn trotz steigender Preise erreichte die Zahl der Urlaubsreisen 2025 einen Rekord. Das zeigt eine Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Fast zwei Drittel der Deutschen verreisten im vergangenen Jahr mindestens einmal für mindestens fünf Tage. Und 44 Prozent waren auch häufiger unterwegs.

Auch wenn der Urlaub längst nicht mehr so günstig ist, wie er es noch vor wenigen Jahren war: Offenbar sparen die Deutschen wenn möglich eher an anderer Stelle. Für den Urlaub zumindest griffen viele deutlich tiefer in die Tasche: Etwa 500 Euro mehr als vor zehn Jahren gaben Deutsche für ihren Haupturlaub aus – durchschnittlich 1.636 Euro pro Person.

Besonders gerne buchten Deutsche Reisen nach Spanien, Italien und in die Türkei. Doch auch der Urlaub innerhalb Deutschlands wird immer beliebter. Jeder Dritte verreiste laut der Tourismusanalyse 2025 im Inland. Eine neue Auswertung des Statistischen Bundesamtes bestätigt: Noch nie wurden in der ersten Jahreshälfte so viele Übernachtungen in Deutschland gebucht wie 2026 – rund 80 Prozent von Deutschen selbst.

Perfekter Urlaub für perfekte Erholung?

Dabei sei das Reiseziel für die Erholung gar nicht so wichtig, meint Sonia Lippke: „Es kommt eher darauf an, wie gut man vom Alltag abschaltet und auf neue Gedanken und zu neuen Kräften kommt.“ Oft sei das leichter, wenn man aus den eigenen vier Wänden rauskomme – das könne aber auch der Baggersee nebenan sein.

Ein richtiges Patentrezept, um alles aus dem Urlaub rauszuholen, gibt es laut der Gesundheitspsychologin nicht. „Das einzig Verlässliche, was die Forschung dazu sagen kann, ist: Es muss individuell passen.“ Am besten sei wohl eine Mischung aus Freizeit-, Sozial- und Bewegungsaktivitäten, aber welcher Ort und welche Aktivitäten genau, das komme auf die einzelne Person an.

„Das Durchbrechen von Routinen kann für den einen besser durch Urlaub gelingen. Manche Menschen brauchen aber vielleicht auch gar keinen Fernreise-Urlaub, sondern einfach mal eine Auszeit oder Zeit zum Ausschlafen, Sport machen und Detoxen.“ In welchem Abstand die restlichen Urlaubstage genommen werden sollen, sei ebenfalls individuell. Die Psychologin empfiehlt allerdings gerade Menschen im Schichtdienst, ab und zu einen Erholungstag einzubauen.

Zurück am Arbeitsplatz

Wie lange man nach einem Urlaub erholt bleibt, ist außerdem abhängig von dem, was einen am Arbeitsplatz erwartet. Dabei sei Stress nicht unbedingt das Hauptproblem, so Lippke. Wichtig sei eher: Wer Aufgaben autonomer wählen könne und wenig Konflikte habe, könne die Erholung besser aufrechterhalten. Manche Berufe erlauben es also eher, länger erholt zu bleiben als andere.

Allerdings hat man auch selbst einen Einfluss darauf, wie schnell oder langsam die Erholung abnimmt. Die Psychologin empfiehlt, sich den Start so angenehm wie möglich zu machen. Wer beispielsweise eine Abwesenheitsnotiz im Büro einstellen könne, solle hier am besten einige Tage mehr nennen als der offizielle Urlaub lang sei. Man könnte zum Beispiel offiziell bis Mittwoch „abwesend“ sein und schon am Montag starten.

So kann man die ersten zwei oder drei Tage erst einmal in Ruhe ankommen. Hier können auch liegengebliebene Aufgaben angegangen werden. Denn ein Aufgabenberg, der einen erwartet, ist ein wahrer Erholungskiller. Deshalb sollte man laut der Gesundheitspsychologin so gut es gehe alle Aufgaben vor dem Urlaub erledigen.

Erinnerungen teilen – aber angemessen

Auch Konflikte, die auf der Arbeit stattfinden, sollte man im besten Fall vorher klären. Das soziale Miteinander am Arbeitsplatz spielt nämlich ebenfalls eine große Rolle. Wer nur von seinem schönen Urlaub schwärmt, während andere viel arbeiten mussten oder sich keinen entsprechenden Urlaub leisten konnten, wird wahrscheinlich eher eine negative Dynamik auslösen.

Hier appelliert die Psychologin an das Feingefühl. Man solle sich stets die Frage stellen: Was löst das jetzt bei dem anderen aus, wenn ich so schwärme? Seine Erinnerungen aufrechtzuerhalten, sei aber prinzipiell – zum Beispiel unter Freunden und Familienmitgliedern – wichtig, um das Urlaubsgefühl beizubehalten. So könne es helfen, sich einen Monat nach dem Urlaub nochmal mit Freunden zu verabreden, um sich gemeinsam Fotos anzuschauen und das Gefühl aufzufrischen.

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Dr. Heinrich Krämer
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