Die britische Regierung will den Tabakkonsum mit drastischen Maßnahmen zurückdrängen. Im nächsten Jahr wird der Verkauf an junge Menschen verboten. Eine Vision, von der auch andere Länder lernen könnten?
Ein Jugendclub im Nordwesten Londons. Im Keller hüpfen gerade Ismail, Aria und Ali in einem Boxring auf und ab. Sie kommen fast jeden Nachmittag hierhin und machen Sport, spielen oder basteln zusammen. Viele hier sind unter 18 und werden damit zu der ersten sogenannten rauchfreien Generation gehören. Denn wer in Großbritannien ab dem kommenden Jahr volljährig wird, der darf in Zukunft keine Zigaretten und keinen Tabak mehr kaufen.
Der 15-jährige Aria Bagheri findet das gut. „Ich habe nichts dagegen. Ich finde, das ist eine gute Idee.“ Ismael Ahmed ist 14 und sieht das ähnlich. „Ich will nicht mal in die Nähe von diesem Zeug kommen. Selbst wenn ich mit Freunden unterwegs bin und die alle anfangen, das zu machen. Das ist mir sogar schon mal passiert.“
Ali Saleh ist 21, er darf schon rauchen und findet: Die rauchfreie Generation wird nichts verpassen. „Man wird da rein geboren. Man denkt, Rauchen sei eine normale Sache. Und jetzt versucht die Regierung mit dem Gesetz zu sagen: Es ist eben nicht normal.“
Verkauf reglementiert – Konsum erlaubt
Mit dem neuen Gesetz geht Großbritannien einen international recht neuen Weg. Nur die Malediven haben ein vergleichbares Gesetz derzeit. In Neuseeland wurden ähnliche Regeln wieder gekippt.
Die Idee: den Tabakkonsum langsam ausschleichen, indem immer weniger Menschen die Produkte kaufen dürfen. Kioske und Supermärkte müssen Ausweise oder Führerscheine junger Kunden kontrollieren, sonst drohen Strafen. Der Konsum selbst wird aber nicht verboten.
Schon lange strenge Regeln
„Das Vereinigte Königreich hat schon lange recht strenge Regeln in Bezug auf das Rauchen“, erklärt der Gesundheitspsychologe Lion Shahab vom University College London. „Wir haben hier etwa Einheitsverpackungen. Alle Zigarettenpäckchen müssen die gleiche unattraktive braune Farbe haben. Außerdem gibt es seit 2007 ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen.“ Es gebe auch ein Rauchverbot in Autos, wenn Kinder anwesend seien. „Diese Dinge sind in einem Land wie Deutschland teilweise nicht geschehen“, so Shahab.
Auf der sogenannten Europäischen Tabak-Kontrollskala, die Anti-Tabak-Maßnahmen in verschiedenen Ländern bewertet, ist Großbritannien auf Platz 2. Deutschland hingegen liegt weit zurück auf Platz 25.
Große Zustimmung in der Gesellschaft
Die Maßnahmen zeigen Wirkung. Während in den 1970ern noch fast die Hälfte der Briten rauchte, sind es derzeit nur noch rund zehn Prozent. In Deutschland rauchen doppelt so viele Menschen.
Das alles erklärt vermutlich auch, wieso eine Mehrheit der britischen Gesellschaft hinter dem neuen Gesetz steht. Und wieso es parteiübergreifend große Zustimmung fand.
Experten wie Shahab erhoffen sich, dass das Rauchen damit noch unattraktiver gemacht wird. „Es ist wichtig, Rauchen weniger normal zu machen. Jugendliche fangen unter anderem damit an, weil ihre Freunde es machen. Und wenn man den Einstieg erschwert, gibt es auch weniger Jugendliche, die es anderen vormachen.“
Mit Vapes die Regelungen umgehen?
Im Jugendclub in London sind die Jungs aber skeptisch, ob das was bringt. Denn: Das neue Gesetz verbietet nicht die wiederverwendbaren E-Zigaretten, auch Vapes genannt. Aria Bagheri sagt: „Ich kenne niemanden in meinem Alter, der Zigaretten raucht, aber was Vapes angeht, sehe ich viele, die es tun.“
Die Regierung bekommt mit dem neuen Gesetz aber auch mehr Befugnisse. Sie kann etwa bestimmte Geschmacksrichtungen der E-Zigaretten verbieten, wie auch Werbung dafür.
Es ist ein ambitioniertes Vorhaben der Briten, aber wenn der Plan aufgeht, könnte am Ende nicht nur eine rauchfreie Generation stehen, sondern gar ein rauchfreies Land.

