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Wie KI Entwicklung und Alltag verändert – kreativ auf Knopfdruck?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerNovember 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 01.11.2026 • 09:00 Uhr

Ob bei der Entwicklung neuer Produkte, in der Werbung oder bei der Gestaltung des eigenen Zuhauses: KI ist im Alltag angekommen. Sie spart oft Zeit, wirft aber auch Fragen nach Kreativität, Arbeitsplätzen und Vertrauen auf.

Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant und wird für immer mehr Menschen und Unternehmen zu einem selbstverständlichen Werkzeug. Sie schreibt Texte, erstellt Bilder und unterstützt längst die Entwicklung neuer Produkte. Doch wie viel menschliche Kreativität bleibt dabei noch übrig?

KI-Bilder als Vorlage für den Brautstrauß erlebt Blumenhändlerin Verena Beck aus Niederdorfelden im Main-Kinzig-Kreis immer häufiger. Kunden kommen mit künstlich generierten Bildern in ihren Laden. Doch was am Bildschirm perfekt aussieht, lässt sich meist nicht umsetzen.

Eine Kundin etwa wünschte sich für ihre Hochzeit Tischkränze mit Ranunkeln – in der gewünschten Form und Farbe gibt es die Blumen jedoch gar nicht. Die KI hatte das Arrangement entworfen, ohne die realen Möglichkeiten zu berücksichtigen.

Zwischen Inspiration und Wirklichkeit

Beck selbst braucht die Technik nicht, um kreativ zu sein. Sie vertraut auf ihre eigene Vorstellungskraft und nutzt bislang keine KI-Anwendungen. Doch damit wird sie immer mehr zur Ausnahme.

In einer kleinen Umfrage des Wirtschaftsmagazins mex vom Hessischen Rundfunk auf der Frankfurter Einkaufsstraße Zeil fallen die Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz unterschiedlich aus. Während einige Menschen die Technologie zum Sprachenlernen oder für das Studium nutzen, nutzen andere die KI, um sich Anregungen für die Neugestaltungen ihrer Wohnräume zu holen.

Doch viele äußern auch Bedenken. KI könne falsche Informationen liefern und müsse deshalb unbedingt überprüft werden. Zudem befürchten manche, dass Arbeitsplätze verloren gehen und menschliche Leistungen zunehmend durch künstlich erzeugte Inhalte ersetzt würden.

Vom Geistesblitz zum Produktentwurf

Wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind, zeigt sich beim Kosmetikunternehmen Cosnova im hessischen Sulzbach. Dort unterstützt KI die Entwicklung neuer Produktideen. Die erste Idee stamme allerdings weiterhin vom Menschen, versichern die KI-Beauftragten bei Cosnova, Constanze Stein und Rebecca Schalber. Anschließend werde sie mithilfe eines KI-Assistenten mit Trend- und Konsumentendaten abgeglichen.

So lasse sich einschätzen, ob ein Konzept zur jeweiligen Zielgruppe und zum Sortiment passe. Innerhalb weniger Sekunden könne die Technologie daraus konkrete Vorschläge entwickeln. Je nach Anfrage seien Hunderte Bildentwürfe möglich, erklärt Schalber. Die Produktmarketing-Manager wählten anschließend die passenden Varianten aus. Bei einer Cushion Foundation sei ein KI-Entwurf bereits sehr nah am gewünschten Ergebnis gewesen. Lediglich die Typografie habe noch ein wenig angepasst werden müssen, schwärmen die KI-Expertinnen.

KI kann Schönheitsstereotype verstärken

Trotz der technischen Möglichkeiten sei Künstliche Intelligenz nicht neutral, betont Stein. Sie könne bestehende Stereotype verstärken, die in den Trainingsdaten enthalten seien. Gerade in der Beauty-Industrie sei es aber wichtig, unterschiedliche Menschen anzusprechen und Vielfalt abzubilden. Cosnova wolle verhindern, dass die Technologie bestehende Schönheitsideale verstärke und verfestige. Aus diesem Grund verzichte das Unternehmen bewusst auf KI-generierte Gesichter.

In der Mode- und Handelsbranche wird KI dagegen bereits gezielt für Werbe- und Produktbilder eingesetzt. Unternehmen wie Mango werben mit künstlich erzeugten Models. Auch Rossmann nutzt die Technologie nach eigenen Angaben für Verpackungen einzelner Eigenmarken. Bei den Verpackungen der ISANA-Professional-Colorationen seien die abgebildeten Models mithilfe von KI erstellt worden.

Große Kosten- und Zeitersparnis möglich

Auch Discounter-Riese Aldi geht in den Aktionsblättchen transparent mit KI um, weist mit kleinen Hinweisen darauf hin, bestimmte Bildhintergründe künstlich zu generieren. Auf Anfrage, ob KI auch bei der Produktgestaltung verwendet werde, gibt sich Aldi allerdings verschlossen.

Für Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln ist diese Entwicklung nachvollziehbar. KI ermögliche es Unternehmen, Prozesse deutlich schneller und kostengünstiger umzusetzen. Aufwendige Fotoshootings, für die früher ganze Teams teilweise ins Ausland gereist seien, könnten heute innerhalb weniger Minuten virtuell erstellt werden. Gleichzeitig könnten die Ergebnisse in manchen Fällen besser ausfallen.

Auch bei Lebensmitteln kommt KI zum Einsatz

Künstliche Intelligenz spielt zunehmend auch bei der Entwicklung und Gestaltung von Lebensmitteln eine Rolle. Eine Stichprobe zeigt jedoch, dass Unternehmen unterschiedlich damit umgehen. Ferrero teilte mit, bei der Gestaltung von Produktverpackungen keine KI einzusetzen. Unilever hingegen verwende generative KI auch bei der Produktentwicklung von Knorr-Saucen. Dadurch habe sich die Entwicklungszeit für die Produkte insgesamt halbiert, erklärte das Unternehmen.

Für viele Unternehmen werde KI damit zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Die Technologie verspreche schnellere Abläufe, geringere Kosten und neue Möglichkeiten bei der Produktentwicklung. Gleichzeitig müsse die Akzeptanz der Verbraucherinnen und Verbraucher berücksichtigt werden, warnt Hudetz.

Transparenz schafft Vertrauen

Denn sobald Verbraucher bemerkten, dass KI im Spiel sei, reagierten sie häufig zurückhaltend, erklärt der Handelsforscher. Manche empfänden die Technologie als befremdlich. Für Unternehmen werde es deshalb immer wichtiger, offen über den Einsatz von KI zu informieren und Vertrauen aufzubauen.

Fest steht: Künstliche Intelligenz verändert bereits heute zahlreiche Bereiche des Alltags und der Wirtschaft. Sie kann kreative Prozesse unterstützen und Entwicklungszeiten verkürzen. Die Verantwortung für die Ergebnisse, den Umgang mit möglichen Fehlern und die Frage, wo menschliche Kreativität unverzichtbar bleibt, liegt jedoch weiterhin bei den Menschen.

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