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Politik

Wie Menschen in Iran unter den wirtschaftlichen Kriegsfolgen leiden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Reportage

Stand: 26.08.2026 • 17:15 Uhr

Die USA erlassen neue Sanktionen gegen Iran und drohen auch Handelspartnern des Landes mit wirtschaftlichen Konsequenzen. Während sich das Regime unbeeindruckt zeigt, wird der Alltag für die iranische Bevölkerung noch härter.

Katharina Willinger

Mit zögerlichem Blick betritt Fariba Kimya Navasatli einen Gemüseladen im Süden von Teheran. Erst prüft sie die Preise, dann die Kartoffeln. Sie packt eine Handvoll in eine Plastiktüte und reicht sie dem Verkäufer zum Wiegen. „Ich kaufe Kartoffeln inzwischen einzeln“, sagt die 59-jährige Iranerin. „Das gilt auch für Zwiebeln. Aber auf vieles muss ich ganz verzichten.“

Zum Beispiel auf frisches Obst, das werde immer öfter zur Ausnahme, sagt Fariba. Früher gehörte es in jeden iranischen Haushalt, vor allem zur Bewirtung von Gästen. Auf dem Tisch standen meist große Schalen, gefüllt mit Äpfeln, Pflaumen und Feigen, dazu Pistazien. Heute kann sich das Fariba nicht mehr leisten. Viele Läden in der Straße hätten bereits schließen müssen, erzählt der Obst- und Gemüsehändler. Auch er wisse nicht, wie lange er noch durchhalten könne. „Was wir heute verkaufen, müssen wir morgen zum doppelten Preis wieder einkaufen. Im Grunde machen wir nur noch Verlust.“

128 Prozent Inflation

Die Preise für Lebensmittel schwanken nicht nur, sie sind förmlich explodiert. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate stiegen sie laut dem iranischen Statistikamt durchschnittlich um rund 128 Prozent. Besonders betroffen seien Eier, Hülsenfrüchte, Reis, Brot und Fleisch.

Fariba will sich dennoch beim Metzger nach dem heutigen Preis erkundigen. Sie betritt den Laden, in dessen Auslage ausschließlich abgepacktes Hühnchen zu sehen ist, und kommt nach weniger Sekunden wieder raus – ohne Einkauf. „Ich muss mich auf das beschränken, das wir unbedingt brauchen“, sagt sie nachdenklich und läuft weiter.

Landeswährung Rial ist abgestürzt

Fariba ist verheiratet und hat zwei Söhne. Einer der beiden kam vor zwei Jahren ums Leben. Sie und ihr Mann arbeiten beide: Er als Kellner, sie war bis vor einigen Jahren Friseurin, fand dann aber keine Arbeit mehr. Jetzt arbeitet sie als Reinigungskraft. Durch die Inflation ist ihr Gehalt wie das der meisten Menschen immer weniger wert, zusätzlich fällt die iranische Währung Rial im Vergleich zu Euro oder Dollar auf immer neue Rekordtiefs. Aktuell gilt sie als schwächste Währung weltweit.

Zum Jahreswechsel war die Wirtschaftskrise Auslöser dafür, dass Teheraner Händler auf die Straße gingen. Innerhalb weniger Tage folgten ihnen Zehntausende Menschen im Land. Das Regime schlug die Proteste damals mit Gewalt nieder, laut UN und mehreren Menschenrechtsorganisationen wurden Tausende Demonstranten getötet. Vielen Iranern stecken diese Ereignisse bis heute in den Knochen. Zeit zum Verarbeiten blieb allerdings nicht: Nur wenige Wochen später begann der Krieg mit den USA und Israel.

„Das frisst einen auf“

Fariba ist inzwischen zu Hause angekommen. Dort wird sie von ihrem Sohn Arshia empfangen. Der 20-Jährige lebt bei seinen Eltern. Bis vor kurzem studierte er Wirtschaftswissenschaften, brach dann aber ab. „Ich habe gesehen und erlebt, dass immer mehr junge Menschen, die jahrelang studieren, sogar promovieren, trotzdem keinen Job finden“, erklärt er und blickt zur Seite. „Ich will mir da nichts vormachen.“

Jetzt macht er eine Ausbildung zum Autolackierer. Damit, so hofft er, komme er besser über die Runden. Die Situation ihrer Familie macht seiner Mutter Fariba zu schaffen. „Manchmal, wenn ich alleine bin, dann habe ich das Gefühl zu ersticken“, erzählt sie. „Keine Zukunft mehr sehen zu können, sondern nur noch zu überlegen, was in den kommenden Tagen passieren wird: Das frisst einen auf.“

Harte Sanktionen bereits seit Jahren

Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Der Krieg zwischen den USA und Iran bleibt weiter ungelöst. Drohungen auf beiden Seiten, nun will US-Präsident Donald Trump das Regime mit weiteren Wirtschaftssanktionen in die Knie zwingen. Dabei ist das Land seit Jahren hoch sanktioniert. Die iranische Führung hat nicht nur gelernt damit zu leben, sie findet auch weiter Handelspartner, zum Beispiel China, das einen Großteil der iranischen Ölexporte abnimmt. Die USA wollen daher auch Strafmaßnahmen auf Länder ausweiten, die mit Iran Geschäfte machen.

Fariba sagt, ihre Lage habe sich durch den Krieg zwar weiter verschärft, war aber vorher schon schlecht. Sie macht für vieles die eigene Regierung verantwortlich. Ihre Worte wählt sie mit Bedacht, denn Kritik kann in Iran riskant sein. „Sie haben es nicht geschafft, für ihr Volk zu sorgen, so dass die Menschen wenigstens bei den grundlegendsten Dingen nicht in Not geraten. Mehr haben wir nie verlangt.“

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Dr. Heinrich Krämer
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