Marktbericht
Es gibt wieder Kämpfe in Nahost. Das sendet die üblichen Schockwellen über die Märkte. Auch Aktien von Unternehmen aus den Bereichen Luftfahrt und Tourismus sind zu Wochenbeginn deutlich unter Druck.
Erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe haben sich Iran und Israel wieder gegenseitig angegriffen. Die jüngste Eskalation weckt die Befürchtung, dass es erneut zu einem offenen Konflikts zwischen den beiden Ländern kommen wird. Ebenfalls droht damit auch ein mögliches Abkommen zwischen Iran und den USA zu scheitern.
Ölpreise steigen
Die jüngsten Kampfhandlungen haben den Ölpreis kräftig nach oben getrieben. Der Preis für die Nordseesorte Brent zur Lieferung im August stieg am Vormittag um mehr als fünf Prozent auf 97,83 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die US-Sorte Texas Intermediate war um 4,8 Prozent teurer, der Preis lag am Morgen bei 94,85 Dollar pro Barrel.
„Damit sind alle Befürchtungen hinsichtlich einer hartnäckigen Inflation zurück im Markt und treffen auf Anleger, die sich jetzt entscheiden müssen, ob sie vor der Sommerpause lieber noch etwas Risiko aus ihren Depots nehmen“, resümierte Andreas Lipkow, Chefanalyst des Brokers CMC Markets.
Zu Beginn des Jahres hatte die Eskalation im Nahen Osten den globalen Ölmarkt regelrecht erschüttert. Zwischenzeitlich ist der Ölpreis der Sorte Brent auf mehr als 120 Dollar pro Barrel gestiegen. Die weitgehende Blockade des Seewegs in der Straße von Hormus durch Iran gilt als größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts.
Fluggesellschaften unter Druck
Die sich wieder verschärfende Lage im Nahen Osten hat auch Aktien von Unternehmen aus den Bereichen Luftfahrt und Tourismus einen Dämpfer verpasst. So sackten die Papiere des Flugzeugbauers Airbus und des Triebwerkherstellers MTU um bis zu vier Prozent ab. Für die Anteilsscheine von TUI und Lufthansa ging es zunächst um bis zu 3,8 Prozent nach unten.
Airlines weltweit haben mit höheren Treibstoffkosten zu kämpfen. Der Iran-Krieg hat das Angebot an Kerosin verknappt. Immer wieder sind Lufträume sind gesperrt, was Fluggesellschaften zwingt, ihre Routen zu ändern. Das führt zu längeren Flugzeiten, einem höheren Kerosinverbrauch und zu einer Belastung der ohnehin knappen Kapazitäten.
Der Weltluftverband IATA hat die Gewinnprognose für das laufende Jahr bereits fast halbiert. Er rechnet nun mit einem Nettogewinn der Branche von 23 Milliarden Dollar, wie er am Sonntag mitteilte. Zuvor war er von rund 41 Milliarden Dollar ausgegangen.
Die Deutschen wollen weiterhin verreisen
Das Auswärtige Amt hat zwar für viele Länder in der Golfregion seine Reisewarnungen aufgehoben. Das gilt unter anderem für die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Jordanien und Saudi-Arabien. Nichtsdestotrotz werde von Reisen in diese Länder dringend abgeraten, weil die Sicherheitslage weiterhin instabil sei, so der ADAC.
Derzeit zeige sich ein differenziertes Bild, sagen Experten vom Deutschen Reiseverband. Einerseits bleibe die grundsätzliche Reiselust hoch und große Teile der Sommernachfrage sind bereits frühzeitig gebucht worden – teils sogar stärker als im Vorjahr. Andererseits verschieben viele potenzielle Reisende ihre Entscheidungen, wägen Risiken stärker ab und halten sich Optionen länger offen. Die Nachfrage verschwinde jedoch nicht, sondern materialisiere sich zeitlich verzögert. Der Deutsche Reiseverband spricht eher von einer „temporären Buchungszurückhaltung“ als von einem strukturellen Nachfragerückgang.
DAX im Minus
Mit diesem Nachrichtenmix sind Anleger nicht zufrieden. Der DAX ist deutlicher unter Druck gestartet, konnte sein Tagesminus bis zum frühen Nachmittag aber auf 0,3 Prozent verringern.
