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Wieduwilts Woche: Geht über der Union doch noch der Stern des Südens auf?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 1, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Wieduwilts WocheGeht über der Union doch noch der Stern des Südens auf?

01.08.2026, 06:25 Uhr Eine Kolumne von Hendrik Wieduwilt
Berlin-Deutschland-Deutscher-Bundestag-Pressekonferenz-nach-Sondersitzung-der-Unionsfraktion-Markus-Soeder-CSU-und-Bundeskanzler-Friedrich-Merz-CDU
Liegt die Lösung so nahe? (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

CSD, Ceuta, Konjunktur: Übersteht der Kanzler das Jahr 2026? Wohl kaum. Doch für das, was dann kommt, ist die CDU nicht bereit – aber womöglich die CSU mit Markus Söder.

Das Land geht tief verunsichert in die Sommerpause. Das Kabinett hat nach dem Spahn-Rücktritt eine chaotische Personalrochade hinter sich. Die CDU wirkt geradezu traumatisiert. Und gerade, als sich die Wogen glätten, klopft die Realität an die Tür und stellt eine betrübilche Zwischenbilanz zu.

Der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) in Berlin und die Reaktionen darauf zeigen, dass wir noch immer keine kohärenten Antworten auf den Islamismus finden. Die Konjunktur lässt weiter auf sich warten: Mickrige 0,2 Prozent Wachstum verkündet aktuell das Statistische Bundesamt, die Arbeitslosigkeit steigt leicht und Nachrichten über Stellenabbau in der Industrie dominieren die Schlagzeilen. Magere 17 Prozent der Bürger trauen dem Staat zu, seine Aufgaben zu erfüllen, heißt es in einer Befragung des Beamtenbunds.

Womöglich dachte die Union, dass wenigstens das AfD-Thema Migration sich bei den anstehenden Landtagswahlen etwas zurücknehmen würde, immerhin sinken doch die Einwanderungszahlen – doch nun hat die spanische Exklave Ceuta diesen Traum gerade zum Platzen gebracht: Tausende Marokkaner strömen über dorthin, angeblich animiert durch ein spanisches Gerichtsurteil und migrationsfreundliche Politik.

Kochrezept für den Triumphf der Populisten

Das ganze fühlt sich an, als würde ein allmächtiger Polit-Theoretiker ein Rezept für einen AfD-Triumph kochen: Die CDU ist angeschlagen, die Wirtschaft lahmt, die Überfremdungsangst explodiert und dann steigt auch noch die Arbeitslosigkeit. Wohl bekomm’s! So kommen Populisten an die Macht.

Auf dieses Szenario reagiert die deutsche Öffentlichkeit mit Panik. Die Tonlage kippt ins Schrille, im deutschen Hochsommer 2026. Eine „Festung Europa“ fordern nun auch solche, die sich eigentlich im liberal-konservativen Spektrum verorteten. Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft für Doppelstaatler bei Straftaten fordern die anderen.

Die Linken wiederum versteigen sich angesichts ihrer gescheiterten Ideologie in eine Realitätsverweigerung, die man sonst nur aus neuropathologischen Geschichten kennt. Es gibt etwa Phänomene der halbseitigen Körperlähmung, bei der sonst normal intelligente Menschen behaupten, ihr bewegungsunfähiger Arm gehöre in Wahrheit ihrem Bruder – weil das Hirn die Wahrheit nicht akzeptierten kann.

„Hoffentlich ist es kein Kanake“

„Hoffentlich ist es kein Kanake“, sei etwa der erste Gedanke gewesen, der ihr nach dem CSD-Anschlag durch den Kopf gegangen sei, bekannte die Sängerin Nyya auf einer Gedenkveranstaltung in Berlin. Sie hoffte, es sei eine „christlich-weiße Person“ gewesen. Manch ein öffentlich-rechtlicher Sender stimmte ein und brachte ausgiebige Sendungen zu Islamfeindlichkeit. Der Feind steht eben immer rechts.

Ähnlich muss man sich wohl die Geisteslage beim Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach und dem Queerbeauftragten Alfonso Pantisano (jeweils SPD) vorstellen. Lauterbach munkelte, eine Häufung von Anschlägen könne durchaus auf das Wirken ausländischer Kräfte zurückzuführen sein. Pantisano wiederum meinte, im Grunde seien queerfeindliche Islamisten auch nur eine Untergruppe der Konservativen.

So lange Linken die Intaktheit der eigenen Ideenwelt wichtiger ist als der Schutz der Bevölkerung, werden sie zur Schrumpfung der AfD keinen Beitrag leisten. Eine stabile politische Mitte ist unter diesen Vorzeichen kaum vorstellbar.

Sehnsucht nach Kohl und Brandt

Doch das liegt nicht nur an der Linken, auch die Union muss sich zu einer Wahrheit durchringen: Ohne eine starke, mitreißende Führungspersönlichkeit geht es nicht – mit Merz geht es nicht. Das Mobilisierungspotential für einen Charismatiker (m/w/d) wäre sicher erheblich und nicht auf die eigene Stammklientel begrenzt – dieser Tage findet man in manchen Social Media-Posts etwa sehnsuchtsvolle Posts mit Bildern von Helmut Kohl und Willy Brandt.

Um allerdings einen wirkmächtigen Nachfolger zu finden, muss die CDU ihre nächste Identitätskrise überstehen. Die wird sich in den Landtagswahlen erst noch vertiefen, bevor sie geheilt werden kann. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze etwa hat gerade Dieter Hallervorden über „Kriegsminister“ Boris Pistorius und Merz, nun ja, „singen“ lassen. Ein Witzbold statt Westbindung – so weit zur Identität der CDU.

Wenn die Landtagswahlen also im absehbaren Debakel für die Union enden, wird Merz sich kaum halten können, heißt es derzeit in vielen Kommentaren. Aber: Wer soll dann ran? NRW-Landeschef Hendrik Wüst wird gehandelt, wäre aber kaum zu vermitteln, wenn die CDU an „links ist vorbei“ festhält. Dasselbe gilt erst recht für den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther.

Söder versteht die Medienwelt

Vielleicht der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder? Söder bringt viele Qualitäten mit, nach wie vor. Er schillert seit Jahren in ausreichend bunten Farben, dass er die verunsicherte Union und ihre Flügel integrieren könnte, vielleicht könnte er sogar Nichtwähler bezirzen. Die Mechaniken der heutigen Medienwelt versteht er wie kaum ein anderer, auch wenn er diese Kompetenz bis vor kurzem noch zu oft für das Inszenieren von Speisen missbrauchte.

Derzeit ist er auf große Europatour aufgebrochen, trifft unter anderem Ungarns Ministerpräsidenten, Péter Magyar – wäre das nicht ein passabler Gegenentwurf zur rechtsnationalen AfD?

Ein CSU-Kanzler hätte noch einen weiteren Vorteil, nämlich Unverbrauchtheit: Nachdem CDU und SPD im mächtigsten Amt historisch versagt haben, wäre es eine Art Neuanfang.

Söder hat allerdings gerade dem „Handelsblatt“ mitgeteilt, das Kapitel Kanzlerkandidatur sei für ihn abgeschlossen. Davon sollte man sich aber nicht irritierenlassen. Wer später einmal Kanzler werden will, muss das Amt im Vorwege ausschließen, so ist das Politgesetz. Niemand sollte Söders Festlegungen ernster nehmen als sonst auch nicht.

Quelle: ntv.de

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