Wollte Politik beeinflussenSüdkoreas Polizei nimmt hochbetagten Sektenführer fest
Die religiöse Sondergemeinschaft Shincheonji hat eine große Anhängerschaft in Südkorea. Ihr Gründer will den Einfluss aber ausbauen und fordert 50.000 Mitglieder zum Beitritt einer Partei auf. Die soll in seinem Sinne Entscheidungen treffen. Die Behörden machen nicht mit und nehmen Lee Man Hee fest.
Lee Man Hee, der 95 Jahre alte Gründer der südkoreanischen Shincheonji-Sekte, ist in seinem Heimatland verhaftet worden. Ihm wird laut Südkoreas amtlicher Nachrichtenagentur Yonhap vorgeworfen, zwischen 2021 und 2024 über 50.000 Sektenanhänger zum Beitritt der konservativen People Power Partei (PPP) gedrängt zu haben.
Ziel war es demnach, Einfluss auf parteiinterne Vorwahlen zur Präsidentschafts- und Parlamentswahl zu nehmen, um dadurch Vorteile für die Shincheonji-Gemeinschaft zu erzielen. Ebenso prüfen die Behörden, ob Lee möglicherweise Gelder in Höhe von umgerechnet bis zu sieben Millionen Euro veruntreut haben könnte. Lee selbst bestreitet laut Berichten die Vorwürfe.
Dass der Sektengründer trotz seines hohen Alters in Untersuchungshaft genommen wurde, begründete das zuständige Gericht in Seoul mit der Gefahr der Beweisvernichtung. Laut Yonhap dürfte Lee zu den ältesten Inhaftierten Südkoreas zählen. In den Gefängnissen des Landes gäbe es derzeit nur fünf Menschen, die über 90 Jahre alt seien.
Ex-Präsident sitzt mittlerweile lebenslang in Haft
Lee soll offener Unterstützer des konservativen Ex-Präsidenten Yoon Suk Yeol gewesen sein, der 2022 ins Amt gewählt wurde. Nachdem Yoon im Dezember 2024 überraschend das Kriegsrecht ausgerufen hatte, wurde er vom Verfassungsgericht seines Amtes enthoben und ist mittlerweile wegen Aufruhr zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Die Shincheonji-Sekte wurde 1984 von Lee Man Hee gegründet. Seit rund 20 Jahren ist der Endzeitkult auch in Deutschland aktiv. Oft tritt die Shincheonji getarnt unter anderen Namensbezeichnungen auf, um neue Mitglieder zu rekrutieren.
