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Startseite»Politik»Zahl der Toten nach Erdbeben in Venezuela weiter gestiegen
Politik

Zahl der Toten nach Erdbeben in Venezuela weiter gestiegen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 27, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 27.06.2026 • 20:37 Uhr

Nach den Erdbeben in Venezuela sprechen die Behörden von mehr als 1.400 Toten. Noch immer werden Zehntausende Menschen vermisst. Viele sind obdachlos. Die Suche nach Überlebenden geht weiter – doch die Hoffnung schwindet.

In Venezuela ist die Zahl der offiziell registrierten Toten nach der Erdbebenkatastrophe auf 1.430 gestiegen. Das teilte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodriguez, mit. Mehr als 3.200 Menschen seien verletzt worden. Nach den Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 am Mittwoch habe es 430 Nachbeben gegeben. Mehr als 70.000 Familien seien nach der Katastrophe von den Behörden mit Hilfe unterstützt worden.

Am dritten Tag nach den verheerenden Erdbeben ist der Verbleib von Zehntausenden Menschen weiterhin unklar. Die UN hatte zuletzt die Zahl von 50.000 Vermissten genannt. Besonders im Bundesstaat La Guaira, aber auch in der Hauptstadt Caracas, haben die Beben erhebliche Zerstörung verursacht. Teils wurden ganze Straßenzüge von Hochhäusern dem Erdboden gleichgemacht.

Tausende obdachlos gewordene Venezolaner haben sich in Parks, auf Plätzen oder sogar am Rand von Schnellstraßen eingerichtet. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung von etwa 30 Millionen Menschen lebte schon vor den Beben in extremer Armut, fast acht Millionen waren bereits auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Viele freiwillige und professionelle Helfer

Die Suche in Schutt und Trümmern wird unermüdlich unter schwierigen Bedingungen fortgesetzt. Der Einsatz internationaler Rettungsteams hat die Suche nach Überlebenden beschleunigt, für Angehörige von Vermissten aber zum Teil auch traurige Gewissheit gebracht. Nach Erkundungsarbeiten schlossen etwa mexikanische Rettungskräfte in einem eingestürzten Gebäude im Stadtbezirk Chacao der Hauptstadt Caracas die Möglichkeit aus, dort noch lebende Menschen zu finden.

„Sie halten es aufgrund des Gewichts der Konstruktion für sehr unwahrscheinlich, dass sich dort noch Überlebende befinden“, sagte der Bürgermeister von Chacao, Gustavo Duque, in einem Video vor dem Wohngebäude Petunia. Das dort eingesetzte Rettungsteam habe nach einer ersten Inspektion festgestellt, dass die Betonplatten vollständig zusammengedrückt seien.

Die umliegenden Straßen wurden von Polizei und Soldaten abgesperrt, um verzweifelte Angehörige, die nach Nachrichten über Vermisste suchen, am Betreten der Unglücksstelle zu hindern.

Kritik an Übergangspräsidentin Rodríguez

Der Bezirk Chacao im Osten der Hauptstadt gehört zu den am stärksten betroffenen Gebieten der Erdbeben. In den modernen Vierteln Los Palos Grandes und Altamira sind mehrere Gebäude eingestürzt – ähnlich wie beim Erdbeben der Stärke 6,3 im Jahr 1967, bei dem rund 250 Menschen ums Leben kamen.

Am Freitag besuchte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez den Bezirk Chacao. Medienberichten zufolge wurde sie dabei ausgebuht. Eine Frau warf ihr vor, die Tragödie für politische Zwecke zu instrumentalisieren, wie in einem Video zu sehen war, das unter anderem die Zeitung El Nacional veröffentlichte.

Auch in einem wohlhabenden Stadtviertel von Caracas schlug Rodríguez am Freitag Verzweiflung und Wut über die mangelnde Hilfe entgegen. „Raus, raus“, riefen Anwohner und Angehörige von Verschütteten, als Rodríguez das Katastrophengebiet besuchte. Sie warfen ihr vor, „nichts für das Volk“ zu tun und aus der Katastrophe stattdessen politisches Kapital schlagen zu wollen.

Mit Informationen von Jenny Barke, ARD Mexiko City

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