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Politik

„Zombiefeuer“: Wie gefährlich sind diese wiederkehrenden Feuer?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 26.08.2026 • 10:38 Uhr

Waldbrände überall in Europa – dabei war auch immer wieder von „Zombiefeuern“ die Rede. Was steckt dahinter? Und wie groß ist die Gefahr, dass auch in Deutschland bereits totgeglaubte Feuer plötzlich wiederkehren?

Erst ist es eine verweste Hand, die plötzlich aus der Erde auftaucht, kurz darauf ist es eine rasch größer werdende Horde von Zombies, die alles auffressen, was sie finden können. Dieses drastische Horrorfilm-Bild haben Wissenschaftler herangezogen, um Waldbrände zu beschreiben, die plötzlich wieder aufflammen, obwohl sie längst als gelöscht galten. Doch nicht jeder „untote“ Waldbrand ist gleich ein echtes „Zombiefeuer“.

Nicht nur der Wald – auch Böden können brennen

Was alle Vegetationsbrände gemeinsam haben – die unerwartet wiederkehren, obwohl sie bereits erfolgreich bekämpft wurden – sind mächtige humus- und torfreiche Böden unter der verbrannten Oberfläche. Gut durchgetrocknet können diese in Teilen oder sogar ganz brennen.

Verantwortlich für das Wiederentfachen nach eigentlich erfolgreich abgeschlossenen Löscharbeiten sind oft einzelne, versteckte Glutnester im Untergrund, wie etwa große Baumwurzeln. Sie kokeln langsam vor sich hin und erwecken bei günstiger Witterung das Feuer wieder zum Leben. Deutlich problematischer als solche einzelnen Glutnester sind allerdings ausgetrocknete Moorböden: Hier kann sich das Feuer nicht nur horizontal, sondern auch vertikal ausbreiten.

Torfbrände sind extrem schwer zu löschen

„Das ist dann unheimlich schwer zu löschen, weil man sieht nicht unbedingt, wo es gerade brennt“, erklärt der aus Kalifornien stammende Waldbrandexperte und Feuerwehrmann Lindon Pronto. Solche „versteckten“ Brände im Torf, der in unseren Breiten Jahrhunderte lang als Brennstoff zum Heizen verwendet wurde, können gerade bei trockengelegten Mooren auch mit wenig Sauerstoff lange Zeit schwelen und neue Waldbände entfachen. Wissenschaftler nennen solche wiederkehrende Schwelbrände „holdover fires“, was so viel wie „Überbleibselfeuer“ bedeutet.

„Echte“ Zombiefeuer brennen Jahrelang

Ein „holdover fire“ ist allerdings nicht gleich ein „zombie fire“ oder zu Deutsch „Zombiefeuer“. Damit bezeichnen Wissenschaftler – zumindest inoffiziell – eigentlich nur Waldbrände, die über die Winterzeit ruhen und über mehrere Jahre hinweg zur Waldbrandsaison immer wiederkehren.

Bekannt ist dieses Phänomen vor allem aus Regionen mit Böden mit hohem Torfanteil in der Arktis und Sub-Arktis, wo die Glut im Boden sogar unter der Schneedecke praktisch „überwintert“. Folglich kann man beispielsweise beim Brand im Hohen Venn erst dann von einem „echten Zombiefeuer“ sprechen, wenn das totgeglaubte Feuer im kommenden Frühjahr oder Sommer durch die tief im Boden sitzende Glut wieder aufersteht.

„Zombiefeuer als Bedrohung für das Klima

Die meisten „Zombiefeuer“ brennen sich in unbewohnten arktischen Regionen durch den Boden, wo sie von Satelliten nur schwer zu erkennen sind, da sie unter der Oberfläche liegen. Darum wurde der durch die Brände verursachte Ausstoß von klimaschädlichen CO2 lange Zeit massiv unterschätzt.

So haben etwa schwedische Wissenschaftler herausgefunden, dass der Großbrand 2014 in Mittelschweden nahezu genauso viel Kohlenstoffemissionen verursacht hat, wie alle 324 schwedischen Waldbrände im Jahr 2018 zusammen. Obwohl die Gesamtfläche der Feuer 2018 demnach deutlich größer war. „Entscheidend ist, wo es brennt. Ein Feuer in tiefen Torfböden kann größere Auswirkungen auf das Klima haben als Hunderte von noch intensiveren Bränden auf Flächen mit dünnen Bodenschichten“, sagt Hauptautor Johan A. Eckdahl.

Ein internationales Forscherteam konnte in einer aktuellen Studie ermitteln, dass allein in den Wäldern Sibiriens zwischen 2001 und 2023 weit über eine Milliarde Tonnen CO2 durch Torffeuer in die Atmosphäre gelangten.

Auch Kohle brennt über Jahre unterirdisch

Schwelbrände durch brennende Moore sind in Deutschland bislang eher selten. Doch ein ähnliches Phänomen sorgt für Probleme: brennende Kohle. „Wir haben im Saarland ein Kohlebergwerk, das seit 300 Jahren brennt. Es gibt in Mitteldeutschland brennende Kohlehalden, es gibt eins im Ruhrgebiet, das wurde mit großem Aufwand von der Ruhrkohle AG gelöscht“, erklärt der Fachbuchautor und Experte für Vegetationsbrände Ulrich Cimolino. „Wir haben diese Problematik durchaus seit vielen Jahrhunderten.“

Bodenbrände durch Braunkohle in Deutschland und Frankreich

Aktuell sind von so einem Kohleschwelbrand die Einwohner der thüringischen Stadt Meuselwitz betroffen. Hier setzte Ende Juni ein Waldbrand auf der Fläche eines ehemaligen Braunkohletagebaus Kohlereste im Boden in Brand. Zwar gelang es den Brandbekämpfern, die Ausbreitung des Bodenfeuers unter anderem mit Schneisen und intensiver Bewässerung einzudämmen. Gelöscht ist es bislang aber nicht.

Auch bei dem immer wieder als „Zombifeuer“ bezeichneten Brand bei Bordeaux, der 2022 ausbrach und noch zwei Jahre später immer wieder aufflammte, spielten vermutlich auch Kohlereste im Boden aus einem ehemaligen Braunkohletagebau eine wichtige Rolle.

Vernässung von trockenen Mooren soll Torfbrände verhindern

Mit zunehmender Trockenheit durch den menschengemachten Klimawandel steigt nach Meinung von Experten in Deutschland nun auch das Risiko von Torfbränden, die im Extremfall zu „Zombies“ werden könnten.

Deshalb fordern Umweltschutzverbände, verstärkt trockengelegte Moore wieder zu vernässen. Laut Bundesumweltamt gibt es in Deutschland etwa 18.000 Quadratkilometer Moorböden, wovon mehr als 90 Prozent entwässert sind. Eine Durchnässung dieser Flächen würde nicht nur beim Arten- und Klimaschutz helfen; ein mit Wasser vollgesogenes Moor bietet auch „Zombiefeuern“ keine Chance auf ein unerwartetes Wiederauferstehen.

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