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Startseite»Nachrichten»Zu Bernie Sanders‘ 85. Geburtstag: Sein Lebenswerk ist der organisierte Widerstand gegen Trump
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Zu Bernie Sanders‘ 85. Geburtstag: Sein Lebenswerk ist der organisierte Widerstand gegen Trump

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 8, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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„Ganze Art der Politik geändert“Ikone Bernie Sanders führt mit 85 Jahren den organisierten Widerstand

08.09.2026, 11:30 Uhr Von Roland Peters, New York
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Ein Leben für eine politische Bewegung: Bernie Sanders (Foto: AP Photo/Jacquelyn Martin)

Die Hoffnung der Demokraten für die Kongresswahlen ruhen auch auf ihrem progressiven Parteiflügel. Dessen historische Stärke ist das Lebenswerk von Bernie Sanders. Was früher Provokation war, ist heute Mainstream.

Am Freitag vergangener Woche verschicken die Mitarbeiter von Bernie Sanders eine Mail. „Bernie braucht DICH für die politische Revolution“, heißt es in der Nachricht des Senators: „Unsere Bewegung gewinnt.“ Dann werden Wahlerfolge in verschiedenen Bundesstaaten aufgezählt – Erfolge von Politikern des progressiven Flügels der Demokraten gegen die der Mitte sowie gegen die Republikaner. Tatsächlich sind linksorientierte Kandidaten zwei Monate vor den Kongresswahlen mit ihren Forderungen im Aufwind. Mindestens mitverantwortlich für die neue Stärke sind Bernie Sanders und sein Lebenswerk.

Der Senator aus Vermont hat sich zeitlebens auf eine Politik für die unteren Einkommensschichten konzentriert: günstigere Mieten und Gesundheitsversorgung, höhere Löhne. Auf die größte aller Bühnen katapultierte er sich 2016: die des Präsidentschaftswahlkampfs. Bei den Vorwahlen der Demokraten unterlag er damals gegen Hillary Clinton. Aber der parteiinterne Wahlkampf machte ihn zur bekanntesten Figur einer neuen linksprogressiven Bewegung in den USA. Heute treibt diese die Politik der Mitte und rechts davon inhaltlich vor sich her.

An diesem Dienstag wird der Senator 85 Jahre alt, und eine Frage stellt sich mit jedem weiteren Lebensjahr drängender: Wie wird es mit der Bewegung weitergehen, wenn der Mann der klaren Ansprache nicht mehr kann oder nicht mehr da ist? Die derzeit populärste politische Kollegin ist die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. Es gibt andere, die ihre Finger in die sozialen Wunden legen, einen kämpferischen Ton anschlagen, um Verfehlungen der Vergangenheit und Gegenwart anzusprechen. US-Medien sehen derzeit Georgias Senator Jon Ossoff als möglichen Präsidentschaftskandidaten der Zukunft, auch Michigans Senatskandidat Abdul El-Sayed gibt mit kämpferischen Interviews in konservativen Medien eine gute Figur ab.

Barry Goldwater, Sarah Palin – Bernie Sanders?

Manche sehen in Sanders den Gründer einer „Tea Party“ der Linken, an deren Spitze der Senator versucht, die Demokraten für seine politischen Ziele als Vehikel zur Macht kapern, aber bislang gescheitert ist. Auch die innerparteiliche „Tea Party“-Revolte der Republikaner mit ihrer Anführerin Sarah Palin führte 2009 nicht direkt an die Macht. Aber sie war die brodelnde Basis für die später erfolgreichen populistischen Botschaften von Donald Trump.

„Bernie Sanders könnte bei den Demokraten sein, was Barry Goldwater bei den Republikanern war“, meinte etwa Sanders Wahlkampfberater und Redenschreiber David Sirota gegenüber „Politico“ und blickt damit noch weiter zurück in die Geschichte. Senator Goldwater war 1964 mit klarer konservativer Kante für die Republikaner als Präsidentschaftskandidat angetreten. Er verlor zwar gegen den Demokraten Lyndon B. Johnson – aber in seinem Wahlkampf wurde ein gewisser Ronald Reagan durch eine Rede für Goldwater zum politischen Star. Reagan trug Goldwaters neuen Konservativismus 1980 selbst ins Weiße Haus.

Sirotas implizite These für neue politische Strömungen in den USA: Sie benötigen Zeit, um so populär zu werden, dass sie an die Macht gelangen. Demnach könnte eine Vertreterin oder ein Vertreter von Sanders‘ progressiver Bewegung in ein paar Jahren die Präsidentschaftswahl gewinnen. So wie Reagan es 16 Jahre nach Goldwater tat. So wie Trump es acht Jahre nach der Finanzkrise gelang. Sanders wäre der alte, weise Mann, der einer jungen progressiven Generation ermöglicht hätte, die Mehrheiten von Trumps MAGA-Rechten zu brechen.

„Bernie redet mit der Gemeinde“

Sanders, in Brooklyn geboren, war von Anfang an Aktivist. Er erwirkte als Student in Chicago Anfang der 1960er Jahre die Aufhebung der separaten Studentenzimmer für Schwarze. Er sah Martin Luther Kings berühmte „Ich habe einen Traum“-Rede in Washington, engagierte sich in der Friedensbewegung und wurde in seinen acht Jahren als Bürgermeister der Stadt Burlington landesweit bekannt. Als Sozialisten bezeichnete er sich in den 1980er Jahren, obwohl er aus deutscher Perspektive eher sozialdemokratische Positionen vertrat. Da war der Kalte Krieg der Systeme noch in vollem Gange und die Bezeichnung in den USA eine politische Provokation.

In der rund 40.000-Einwohner-Stadt Burlington im Bundesstaat Vermont kümmerte Sanders sich um bezahlbaren Wohnraum, stieß unter anderem ein öffentliches Fernsehprogramm namens „Bernie redet mit der Gemeinde“ an, nahm sogar ein Folk-Album mit Musikern auf. Für den Bundesstaat zog er 1991 als erster Sozialist in den Kongress in Washington ein, wo er als parteiloser Unabhängiger sowohl Demokraten als auch Republikanern vorwarf, vor allem Politik für Reiche zu machen. Sanders verteidigte seinen Sitz im Repräsentantenhaus sieben Mal. Im Jahr 2006 zog er für Vermont in den Senat ein, den er zuletzt 2024 verteidigte. Sein Mandat endet 2030.

Sanders hatte mit seinem Zeigefinger schon zweieinhalb Jahrzehnte lang für mehr soziale Gerechtigkeit gewedelt, war ein politischer Außenseiter, als er sich 2016 mit Unterstützung der winzigen Aktivistengruppe Democratic Socialists of America (DSA) für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewarb. Er verlor die Vorwahlen äußerst knapp – auch, weil Clinton von der Parteiführung bevorteilt wurde, wofür die Parteispitze der Demokraten sich später entschuldigte. In Umfragen zeigte sich eine Stärke Sanders‘: die Unterstützung durch junge Wähler, frühere Nichtwähler, Arbeiter, auch Menschen aus dem ländlichen Raum. Er war in vielen Wahlkreisen populär, in denen Donald Trump bei den Republikanern gewann.

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Anhänger mit Bernie-Buttons – Ende August in Boston. (Foto: AP Photo/Mark Stockwell)

Progressiver Kosmos half Joe Biden

Die Provokation war im Mainstream angekommen. Sanders und Trump waren Anti-Establishment-Bewerber, der eine von links, der andere von rechts. Trump siegte gegen Clinton, und im Jahr 2020 versuchte es Sanders erneut. In den vier Jahren war ein progressiver politischer Kosmos entstanden. Anti-Rassismus-Aktivisten von Black Lives Matter, die Klimabewegung des Sunrise Movement, die Aktivisten der Democratic Socialists of America waren so mitgliederstark wie nie – auch Dank Sanders, der als unabhängiger „demokratischer Sozialist“ angetreten war und damit half, den Begriff gesellschaftlich salonfähig zu machen.

Sanders gewann insbesondere mit seinen Forderungen nach einer öffentlichen, allgemeinen Krankversicherung „als Menschenrecht“ viele Unterstützer, damit die ersten Vorwahlen und führte vor Joe Biden. Das Thema ist in den USA ein gesellschaftlicher Dauerbrenner, weil sich daran der Grundkonflikt zwischen individueller und solidarischer Verantwortung zeigt. Doch im Corona-Chaos gewann schließlich Biden als „Sie kennen mich“-Kandidat der Demokraten. Sanders stellte sich hinter Biden, der gegen Trump auch wegen der jungen, linken Wählerkoalition gewann, deren Favorit Sanders gewesen war. Der frühere Vize von US-Präsident Barack Obama orientierte sich in vielen Bereichen an progressiven Forderungen, was Sozial- und Klimapolitik betraf.

Bei den Demokraten ist Sanders bis heute eine unverrückbare Ikone der innerparteilichen Opposition. Auch deshalb, weil er schon immer getan hat, mit dem andere nun für sich werben: Sanders verändert seine Positionen nicht, bleibt stabil, wie es im linken Spektrum heißt. So wurde er zur glaubwürdigen Referenz einer Bewegung, die es ohne ihn so nicht gäbe, und die mit sich selbst häufig ähnlich kritisch ist wie mit dem politischen Gegner.

Nach Trumps erneuter Vereidigung 2025 organisierte Sanders unter dem Motto „Fight Oligarchy“ einen Gegenentwurf zu den Jubel-Rallys des Republikaners. Während die Demokraten mit sich selbst beschäftigt waren, trat Sanders mit verbündeten Politikern vor Zehntausenden Menschen im ganzen Land auf und kritisierte die Untätigkeit der Demokraten gegen die Bulldozer-Politik der Republikaner. Im Hintergrund plante und organisierte er die unabhängige politische Antwort auf Trumps MAGA-Rechte. Als Sanders im Jahr 1989 das Rathaus verließ, sagte ein Stadtratsmitglied, der scheidende Bürgermeister habe „die ganze Art und Weise der Politik in Burlington und im Bundesstaat verändert“. Das macht er bis heute.

Quelle: ntv.de

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