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Wer steht nun im WM-Tor?: Nagelsmann flüchtet sich in peinliche Neuer-Ausrede

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 17, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Wer steht nun im WM-Tor? Nagelsmann flüchtet sich in peinliche Neuer-Ausrede

17.05.2026, 09:09 Uhr

Von Sebastian Schneider
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Nagelsmann versucht, das Thema „Manuel Neuer“ zu umspielen. (Foto: picture alliance/dpa)

Manuel Neuer oder Oliver Baumann: Wer hütet das Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko? Bundestrainer Julian Nagelsmann vermeidet eine Festlegung im „Sportstudio“.

Irgendwann flüchtete sich der Bundestrainer dann in ganz seltsame Ausreden. Nach dem letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga war Julian Nagelsmann am Samstagabend im ZDF-„Sportstudio“ zu Gast. Der Auftritt war schon lange geplant, doch das Problem war, dass sich auch die Pläne des Bundestrainers geändert haben: Seine Kaderbekanntgabe hatte er vom 12. Mai auf den kommenden Donnerstag verschoben, um doch noch den Bundesliga-Abschluss in seine finalen Entscheidungen miteinzubeziehen.

Statt des fertigen WM-Kaders brachte Nagelsmann also nur einen gigantischen Elefanten mit, der mit ihm im ZDF-Studio stand. Einmal mehr diskutiert Fußballdeutschland über die Frage: Wer hütet denn jetzt eigentlich das Tor der deutschen Nationalmannschaft bei der WM? Spielt Manuel Neuer tatsächlich seine fünfte (und dann wohl wirklich endgültig letzte) Weltmeisterschaft? Schon vor der Heim-Europameisterschaft vor zwei Jahren ploppte das Neuer-Thema auf, vor dem Turnier in den USA, Kanada und Mexiko brennt es wieder auf den Nägeln.

Nagelsmann kündigte im „Sportstudio“ an, nicht über einzelne Personalien sprechen zu wollen – auch nicht über Neuer. ZDF-Moderator Jochen Breyer versuchte es trotzdem hartnäckig, immer wieder. Nach der Zusammenfassung des 5:1-Erfolgs der Bayern über den 1. FC Köln sogar ganz direkt. „Ist er dabei oder ist er nicht dabei?“, fragte er. „Ich bin tatsächlich superüberrascht, dass jetzt diese Frage kommt“, entgegnete der lachende Nagelsmann. „Ich halte an meinem Eingangsstatement fest, dass ich immer das Gespräch mit dem Spieler zuerst suche. Es wird immer erst der Spieler kontaktiert – und das hat noch nicht stattgefunden.“

Die 55er-Liste? Kennt Nagelsmann angeblich nicht

Eigentlich war die Torwartpersonalie im DFB-Tor schon lange geklärt. Die ewige Nummer zwei, Marc-André ter Stegen, sollte nach Jahren in Neuers Schatten endlich sein erstes großes Turnier bekommen. Doch der 34-Jährige laboriert nun seit mehr als einem Jahr an Knie- und Rückenproblemen. Deshalb wurde er zuverlässig von TSG-Ikone Oliver Baumann vertreten, der die Sache souverän und geräuschlos machte.

Nagelsmann wurde 18 Monate lang nicht müde zu betonen, dass das Thema damit gegessen sei. Baumann ist die Nummer eins, Neuer hat seine Nationalelf-Karriere beendet. Doch in den vergangenen Wochen verschob sich etwas. Neuer brillierte beim FC Bayern in der Champions League: erst gegen Real Madrid, dann gegen Paris St. Germain. Der 40-Jährige wirkte für einige Wochen nicht wie ein gealterter Weltklassetorwart. Die ständigen Muskelverletzungen, technische Fehler im Aufbauspiel: alles vergessen.

Und so nahm das Thema medial an Fahrt auf, spätestens dann am vergangenen Montag, als der DFB die 55er-Liste an die FIFA abschicken musste, mit allen Namen, die theoretisch eine Chance auf einen Kaderplatz haben. Wessen Name dort fehlt, der darf seinen Sommerurlaub buchen – denn zur Weltmeisterschaft fährt er auf keinen Fall. Nur: Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, dass dort auch Neuers Name stehen soll.

Auch damit wurde Nagelsmann im ZDF konfrontiert. Grundsätzlich kommentiere er die Liste nicht, sagte Nagelsmann. „Was ich dazu sagen kann, ist, dass da sehr, sehr viele Spieler draufstehen, weil es eben 55 sind.“ Insgesamt führe er vor der Nominierung 62 Telefonate, weil er in seiner Ära 62 Nationalspieler betreut habe. Und er berücksichtige nun mal jeden, der theoretisch für die DFB-Elf infrage kommt. Also auch Neuer?

Und es entsteht eine bizarre Sequenz samt Ausrede. Breyer hakt nach: „Aber er (Neuer, Anmerk. d. Red.) steht drauf? Wenn es eine vorläufige Liste ist, dann können Sie das doch sagen?“ Nagelsmann entgegnet: „Ich habe die Liste ehrlicherweise gar nicht gesehen.“ Gelächter. Applaus im Publikum. „Da müssen wir jetzt meinen Teammanager anrufen, weil der hat die weggeschickt. Aber der, glaube ich, schläft schon.“ Und Breyer kommentiert: „Und Sie haben keine Kenntnis von der Liste, das ist natürlich super glaubwürdig.“

„Punkt.“

Glaubwürdigkeit ist so ein Thema. Bei Nagelsmann zeichnet sich die nächste missglückte Kommunikation ab. Es kam nun mehrfach vor, dass er öffentliche Äußerungen im Nachgang korrigieren musste. Von Leroy Sané forderte er öffentlich mehr Torbeteiligungen in der türkischen Liga. Nominierte ihn aber trotzdem, obwohl die Leistungen nicht besser wurden. Im Februar skizzierte Nagelsmann im „Kicker“ sein WM-Personal, noch Monate, bevor die Saison in die entscheidende Phase ging – und im Anschluss bei der Personalie Leon Goretzka etwas zu relativieren. Im März stutzte er VfB-Angreifer Deniz Undav öffentlich zurecht, um sich dann im April zu entschuldigen.

Und nun die Torwart-Debatte, in der alle Beteiligten – bis auf Neuer – beschädigt sind. Vor allem aber Eventuell-Nummer-eins Baumann. Der verpasste mit seinen Hoffenheimern mit einer 0:4-Niederlage gegen Gladbach nicht nur die Champions-League-Qualifikation, sondern musste sich noch Fragen zu Neuer gefallen lassen. Er habe „nicht viel zu sagen“, erklärte Baumann. „Ich habe meine Infos aus dem Gespräch mit Julian. Das war ein Vier-Augen-Gespräch, aber ich gehe sehr selbstbewusst in die WM-Vorbereitung und dann die WM.“ Der Bundestrainer habe ihm sein Vertrauen ausgesprochen. „Punkt.“

Was Baumann da noch nicht wusste: Kurz darauf berichtete Sky, dass die Neuer-Entscheidung gefallen sei. Der Bayern-Torwart kehre ins DFB-Tor zurück. Ob das nun auch wirklich stimmt? Die Öffentlichkeit erfährt es erst am Donnerstag, wenn Nagelsmann in der Futsal-Halle des DFB-Campus seine 26 WM-Fahrer verkündet. Der „Sportstudio“-Auftritt des Bundestrainers hat dazu keine Erkenntnisse geliefert, außer dass die Personalie Neuer nicht klar verneint wurde.

Quelle: ntv.de

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